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People | 12.04.2017

Alte Liebe rostet nicht

Vor 57 Jahren haben sich Hedwig und Gottfried Schmolmüller aus Hagenberg das Jawort gegeben. Vor Kurzem wurden sie bei einem Hochzeitsshooting am Lester Hof so richtig in Szene gesetzt.

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Über alles reden und gemeinsam an einem Strang ziehen, lautet das Rezept von Hedwig und Gottfried Schmolmüller für eine lange und glückliche Beziehung. (© Ernecker Photography)

Hochzeitsplanerin, Visagisten, Traumlocation fürs Hochzeitsfest – was heute für viele junge Brautleute eine Selbstverständlichkeit ist, davon konnten junge Ehepaare vor mehr als 50 Jahren nur träumen. So war das auch bei Hedwig (77) und Gottfried Schmolmüller (78), als sie sich vor mehr als einem halben Jahrhundert in der Kirche in Hagenberg im Mühlviertel das Jawort gaben. Vor der Trauung musste Hedwig noch die Stallarbeit am elterlichen Bauernhof erledigen, ein großes Styling gab es damals nicht. Umso mehr freute sich das sympathische Paar, dass es nun von verschiedenen Dienstleistern zu einem Hochzeitsshooting auf den Lester Hof in Kefermarkt geladen wurde. Im Interview erzählen Hedwig und Gottfried, wie man es schafft, gemeinsam glücklich und zufrieden alt zu werden, und sie verraten, dass die Fotos einen Ehrenplatz auf der „nackerten“ Wand bekommen werden.

 

Wie haben Sie sich kennengelernt?

Gottfried: Ich musste mit meinem Puch-Moped zur Apotheke in den Nachbarort und hab der Schwägerin von Hedwig Tabletten mitgenommen. Die Hedwig habe ich schon vom Sehen her gekannt und sie hat mir recht gut gefallen.

Hedwig: Und obwohl meine Eltern Gottfried gegenüber anfangs ein bisschen skeptisch waren, kam er immer häufiger mit seinem Moped zum Hof, um mir bei der Arbeit zu helfen oder mit mir ins Kino nach Pregarten zu spazieren. Zwei Jahre nachdem wir uns kennengelernt haben waren auch meine Eltern überzeugt, und 1960 wurde geheiratet.

 

Wie war die Zeit damals?

Gottfried: Ich habe nach meiner Schulzeit am Bauernhof meines Firmpaten gearbeitet. Es war beinhart und ich habe 200 Schilling im Monat verdient. Mit 18 Jahren wurde ich zum Wehrdienst einberufen. Danach war ich bis zu meiner Pensionierung Schichtarbeiter in der Voest.

Hedwig: Ich war nach der Heirat mit Gottfried zuhause und habe mich um unsere vier Kinder und die kleine Landwirtschaft gekümmert.

 

Wie wurde die Hochzeit gefeiert?

Gottfried: Ursprünglich hatte ich für unsere Hochzeit die Pöstlingbergkirche in Linz reserviert. Ich wollte diesen Tag ganz speziell gestalten. Doch die Schwiegereltern hatten einiges mitzureden und verlangten eine Doppelhochzeit ihrer Kinder im Heimatort Hagenberg.

Hedwig: Ich musste am Hochzeitstag noch den Stall machen, bevor ich mich um die Nachbarn, die bereits in der Früh zu uns kamen, kümmern konnte. Die Haare wurden bereits am Vortag gewaschen und gestylt. Anstatt von einer Visagistin geschminkt zu werden, habe ich mich nach der Stallarbeit nur ein bisschen gewaschen – eine Dusche gab es ja damals gar nicht.

Gottfried: Ich erinnere mich noch sehr gut, wie wir uns am Hochzeitstag bei der Kirche in Hagenberg getroffen haben. Natürlich gab es auch ein Hochzeitsmahl, zahlen musste allerdings jeder Gast selber.

 

Wir leben in einer Gesellschaft, in der sehr viele Ehen in die Brüche gehen. Gibt es ein Rezept für eine so lange Beziehung?

Hedwig: Über alles reden und nicht gleich aufgeben! Man kann nicht immer davonlaufen, wenn es Probleme oder unterschiedliche Ansichten gibt. Heutzutage fehlt in Beziehungen oft der gegenseitige Respekt. Man muss an einem Strang ziehen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Gottfried: Hedwig hat einiges mit mir durchgemacht, da ich viele Male aufgrund von Verletzungen in Spital musste.

Hedwig: Auch wenn die Männer dann manchmal jammern, man muss Geduld mit ihnen haben (lacht).

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© Ernecker Photography

War Ihre Beziehung immer harmonisch oder hat es auch Krisen gegeben?

Hedwig: Große Krisen zwischen uns beiden gab es nicht. Wir haben gut miteinander gearbeitet und kaum gestritten. Aber eine große Krise, die unser Leben ins Wanken brachte, war, als wir unseren Sohn Hannes im Alter von 18 Jahren bei einem Autounfall verloren. Dieser Vorfall war der härteste in unserem Leben. Jeder Mensch trauert in solchen Phasen anders.

Gottfried: In dieser Zeit mussten wir das Glücklichsein und das Lachen erst wieder langsam gemeinsam lernen.

 

Was gefällt Ihnen an Ihrer Frau, Gottfried?

Die Hedwig als Ganzes. Vor allem ist aber der Zusammenhalt, der uns verbindet, einmalig. Hedwig hat immer zu mir gehalten, und wenn wir uns in einem Anliegen unsicher waren, haben wir das gut abgesprochen, gemeinsam entschieden und gemeinsam angepackt.

 

Und was schätzen Sie an Gottfried?

Dass er ein so geduldiger Mann ist und ich in über 57 Jahren unserer Ehe nie ein unrechtes oder böses Wort von ihm gehört habe. Ich hatte keine so schöne Jugend, da ich nur die Arbeit kannte. Als Gottfried in mein Leben kam, ist es mir einfach gut gegangen.

 

Ihr schönstes gemeinsames Erlebnis?

Hedwig: Wir hatten viele schöne Erlebnisse. Am schönsten war aber, als die Kinder zur Welt gekommen sind. Zwei Jahre mussten wir warten, bevor uns das erste Kind geschenkt wurde. Der Doktor meinte sogar, dass wir keine Kinder kriegen könnten.

Gottfried: Aber das hat uns nicht aus der Ruhe gebracht. Hineinsteigern und Verzweifeln hilft ja doch nichts. Es hat dann mit vier wunderbaren Kindern geklappt. Mittlerweile haben wir auch neun Enkelkinder und sieben Urenkel.

 

Wie sind Sie zum Shooting am Lester Hof gekommen?

Gottfried: Eine gute Freundin und die Zubraut von unserer Enkelin ist verantwortlich für Hochzeiten am Lester Hof. Und weil wir die Miriam Zellinger vom Lester Hof mögen und auch schon lange kennen, haben wir bei diesem Shooting mitgemacht. Jetzt freut es uns umso mehr, dass wir so tolle Bilder bekommen haben.

 

Was hat Ihnen daran besonders gefallen?

Hedwig: Besonders schön war, dass sich so viele Personen um uns gekümmert haben. Noch nie im Leben hat uns jemand eine Maniküre gemacht. So etwas gab es früher nicht, wir kennen das nur von unseren Kindern und Enkelkindern. Im Vorhinein wurde die Kleidung bei Kolm Moden in Freistadt ausgesucht und anprobiert. Das Kleid und der Anzug waren wunderschön, und nichts hat gezwickt.

 

Haben die Fotos nun einen Ehrenplatz?

Gottfried: Na logisch, auf der nackerten weißen Wand fehlen ohnehin noch tolle Fotos. So herausgeputzt waren wir unser Leben noch nicht!

 

Warum hat Andi Knoll von Ö3 den Brautstrauß gemacht?

Er war im Rahmen der Sendung „Knoll packt an“ in Kathi's Blumenstube in Schwertberg, als sie den Brautstrauß fürs Shooting gemacht haben.