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People | 26.01.2016

Alles fließt

… und nichts bleibt. So lautet Heraklits Gesetz vom ewigen Wandel. „Alles fließt“ ist auch der Titel der Ausstellung des deutschen Künstlers Bernd Zimmer im Museum Angerlehner. Wie auch beim griechischen Philosophen liegt bei Zimmer der Schwerpunkt auf dem Aspekt des Werdens und Veränderns – mit dem Wasser als zentrales Motiv. Der international gefragte Maler im Interview.

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Bernd Zimmer und Redakteurin Maria Russ beim Gespräch. (© Markus Bless, Museum Angerlehner)

Als wir die beeindruckend große Halle im Museum Angerlehner, in der die Werke Bernd Zimmers hängen, betreten, überkommt uns das Gefühl der Überwältigung. Der Raum eignet sich nahezu perfekt für Bernd Zimmers starke Bilder, die geprägt sind von einer tiefgreifenden Natur- und Welterfahrung. Im Zentrum der Ausstellung stehen seine Wasserbilder, die Motive wie Flüsse, Seen, Wasserfälle oder auch Spiegelungen auf der Wasseroberfläche und Bilder des Universums umfassen. Hinter seinen Malereien stecken Geschichten, die Bernd Zimmer in seiner typischen Handschrift erzählt: mit Acrylfarbe, breiten Pinselstrichen und hohem Maltempo, welches nötig ist, um die intensiven Farben auf der Leinwand mischen zu können. Ein Gespräch mit einem deutschen Maler von internationalem Rang, dessen philosophische Klugheit sich in seiner Kunst widerspiegelt. 

Herr Zimmer, Sie sind erst mit Ende 20 bildender Künstler geworden. War das eine bewusste Entscheidung? 

Das war eine richtig bewusste Entscheidung, ja. Ich komme aus dem Verlagswesen und wollte eigentlich Schriftsteller werden. Da aber meine Energie und Potenz dafür nicht ausgereicht haben, wurde ich Maler. Ich habe mich auf einer Reise durch Mexiko und die USA entschieden: Wenn ich wieder zurück nach Berlin komme, fange ich an zu malen. Ich hatte mir einen Mix aus Gegenständlichkeit und abstrakter Malerei ausgedacht, das gab es noch nicht. 

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Lava I, 2011, Acryl auf Leinwand, 200 x 150 cm. (© VG BildKunst, Bonn)

Sie haben nie eine Kunstakademie besucht, sondern Philosophie und Religionswissenschaft studiert. Haben diese Disziplinen einen Einfluss auf Ihre Kunst?

Absolut. Die Grundlage meiner Bilder ist immer eine philosophische. Alle meine Bilder können auch unter einem religiösen Aspekt gesehen werden: Schöpfung, Neuschöpfung, Entstehung der Welt, Kosmos … Ich bin in Bayern aufgewachsen und war in meiner Grundschulklasse der einzige Protestant. Viele Kinder durften deshalb nicht mit mir spielen. Das Studium der Religionswissenschaft war damals eine Unterabteilung der Philosophie, hatte also nichts mit Theologie zu tun. Ich bin heute keiner Religionsgemeinschaft zugehörig. Was das Malen betrifft, bin ich Autodidakt. Ich denke, das Malen kann man nicht lernen. Meine Malerei ist eine selbstentwickelte Art von Malerei. 

 

Ihre Bilder sind farbintensiv und expressiv, wobei die Natur eine große Rolle spielt. Erzählen sie Geschichten?

Ja, sie erzählen Geschichten von der Entstehung der Welt, die Geschichte der Physik, die Geschichte der Religion. Ich reflektiere über mich und die Welt, die Bilder erzählen also auch eine Geschichte der Erkenntnis.

 

Spielen Gefühle beim Malen eine große Rolle?

Malen ist reines Gefühl. Der Wunsch ist, dass sich das Hirn ausschaltet. Was ich male, ist eine Gefühlswelt. 

Wie ist es zur Ausstellung im Museum Angerlehner gekommen?

Ich habe Herrn Angerlehner anlässlich einer Ausstellung kennengelernt. Wir haben uns sehr gut verstanden und ich glaube, er fand meine Bilder gut und wollte sein Museum öffnen für eine nicht-österreichische Position. Er hat gesehen, dass meine Bilder in einem so großen Raum „funktionieren“. Eine Ausstellung ist immer auch eine museumsstrategische Überlegung. Der Raum hier im Museum Angerlehner ist schwierig, weil man alle Bilder auf einmal sieht.   

 

Die Ausstellung heißt „Alles fließt“ – können Sie uns das kurz erklären?

Alle Bilder haben mit dem Thema Wasser zu tun. Das subsummiert die Vorstellung, dass sich alles verändert, dass alles im Fluss ist. Es gibt keinen Stillstand, alles bewegt sich. Ein Bild hat etwas ganz Komisches, ich reiße ja alles aus einer Bewegung heraus. Es muss dann in der Stille überleben, obwohl es wahnsinnig bewegt gemalt wurde. Das ist ein Widerspruch in sich selbst. 

 

Was machen Sie, wenn Sie nicht malen? 

Ich gehe wahnsinnig gerne spazieren, da ich sehr naturverbunden bin. Ich höre immer wieder Leute sagen, ich hätte Glück, weil ich mein Hobby, das Malen, zum Beruf machen konnte, aber das ist Unsinn. Wenn man das Malen richtig angeht, ist es echte Knochenarbeit, wie Wissenschaft. Es ist eine Untersuchung, was man mit Farbe entwickeln kann. Mein Mittel ist nicht die Sprache, sondern die Farbe.

 

Sie haben als Künstler viel erreicht, hatten Ausstellungen auf der ganzen Welt und zählen zu den bedeutendsten Gegenwartskünstlern in Deutschland. Glauben Sie, irgendwann einmal genug vom Malen zu haben? 

Nein, das kann man nicht aufhören. Letztendlich ist es ein Riesenscheitern. Denn ich will ja das perfekte Bild malen, aber wenn ich es gemalt habt, will ich das nächste malen, und dann sehe ich, dass das andere gar nicht so perfekt war … Als Maler kann man natürlich irgendwann sagen: „Scheiß der Hund drauf“, ich höre auf. Ich bin aber nicht der Typ dafür. 

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Reflexion, 2009/11, Acryl auf Leinwand, 200 x 167 cm. (© VG BildKunst, Bonn)

Was?

Ausstellung Bernd Zimmer – „Alles fließt.
Malerei“

Wann?

14. November 2015 bis 6. März 2016

Wo?

Museum Angerlehner, Ascheter Str. 54, 4600 Thalheim bei Wels


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Kristallwasser, 2008, Acryl auf Leinwand, 210 x 200 cm. (© VG BildKunst, Bonn)