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People | 04.06.2018

„Alles an mir ist echt“

Als Curvy-Model erobert Nadine Mirada gerade die Modewelt. Zuletzt klopfte sogar das amerikanische Trendlabel Guess an die Tür der 29-jährigen Linzerin, die es nach der Oberösterreicherin unbedingt aufs Cover der „Sports Illustrated“ schaffen will.

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Nadine Mirada weiß ganz genau, wie sie ihre Kurven am besten in Szene setzt. (© Anzhelika Kroiss)

Mit ihren 1,70 Metern, einer Konfektionsgröße von 40 und den Maßen 110-75-110 passt Nadine Mirada nicht ganz auf die internationalen Catwalks. Trotzdem ist die schöne Linzerin gerade dabei, den Modelmarkt ordentlich aufzumischen. Eines Tages hat die kurvige Brünette beschlossen, auf Diäten zu pfeifen. Seither setzt sie ihre Rundungen gekonnt in Szene. Denn seit rund zwei Jahren stiehlt Nadine Mirada, die es sogar zur diesjährigen Oscar-Verleihung nach Los Angeles geschafft hat, klapperdürren Size-Zero-Mädchen die Show und macht als Curvy-Model international Karriere. Für das Covershooting mit der Oberösterreicherin reiste die 29-Jährige kurzerhand nach Venedig, wo sie Fotografin, Freundin und Arbeitskollegin Anzhelika Kroiss in Luxus-Outfits von Jean Paul Benielli und Schmuck von Swarovski in Szene gesetzt hat. Ein Interview mit einer erfrischend natürlichen Frau, die ohne schlechtes Gewissen zwei Stück Sachertorte verdrückt und mit sich selbst voll und ganz zufrieden ist.

 

Nadine, seit wann arbeiten Sie als Model?

Nadine Mirada: Ich arbeite schon seit einigen Jahren als Model, habe aber immer mit meinem Gewicht gekämpft. Lange Zeit war in der Modelszene ja ultradünn der Trend schlechthin. Dafür war ich aber von Haus aus nie richtig
gebaut.

 

Also Schluss mit Diäten?

Ja, genau. Mein Vorbild war immer Kate Upton, die es mit ihren Kurven aufs Cover der „Sports Illustrated“ geschafft hat. Sie hat mit ihren Rundungen recht gute Erfolge erzielt, und ich wollte sehen, ob das bei mir auch funktionieren würde. Also habe ich begonnen, das ständige Abnehmen sein zu lassen. Ich habe mich gesund und ausgewogen ernährt und ein bisschen Sport betrieben. Dann bin ich relativ rasch auf den immer größer werdenden Social Media-Trend aufgesprungen und hab daran gearbeitet, auf Instagram eine große Reichweite zu bekommen.

 

Und wann kam der erste Auftrag als Curvy-Model?

Das war wie ein Traum. Ich habe immer wieder Outfits von Online-Shops für Curvy-Mode in Amerika bestellt. Fotos mit diversen Outfits habe ich auf Instagram gepostet und die Labels markiert. Vor fast zwei Jahren hat mich dann „Want my Look“, der größte Online-Shop für Curvy-Mode in Amerika, kontaktiert und zu einem Kampagnenshooting nach Los Angeles eingeladen. Ich konnte das anfangs gar nicht glauben. Die Amerikaner waren begeistert von mir, es hat sich jeden Tag ein neues Shooting ergeben und ich bekam den absoluten Zuspruch.

 

Mittlerweile sind Sie das bekannteste Curvy-Model in Österreich. Wie ist man hierzulande auf Sie aufmerksam geworden?

Wieder zurück von Amerika, habe ich mir gedacht, diesen positiven Trend muss ich mit nach Hause nehmen, und habe verschiedene Medien kontaktiert. Im Moment läuft es unglaublich gut. Am 4. März war ich für die Firma Syoss als Influencerin bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles eingeladen, und erst vor Kurzem habe ich für einen heimischen Modehersteller am Manhattan Beach eine europaweite Kampagne für Unterwäsche und Swimwear geshootet. 

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Fotoshooting für die Oberösterreicherin in Venedig. Als gefragtes Curvy-Model ist die Linzerin Nadine Mirada international auf Shootings unterwegs. (© Anzhelika Kroiss)

Was haben Sie vor Ihrer Modelkarriere gemacht?

Nach der Matura war ich hauptsächlich im Online-Marketing tätig. Seit der Firmengründung vor drei Jahren arbeite ich für „andmetics“ (Anm. d. Red.: erfolgreicher Hersteller für Kaltwachs-Enthaarungsstreifen für Augenbrauen) und bin für den weltweiten Social Media-Auftritt des Unternehmens zuständig. 

 

Was sind Ihre Maße und Ihre Konfektionsgröße?

Meine Konfektionsgröße ist eine durchschnittliche 40. Meine Maße sind 110-75-110. Diese weichen von den gängigen Modelmaßen 90-60-90 zwar ein bisschen ab (lacht), aber ich habe das Glück, dass meine Proportionen stimmen.

 

Ab wann spricht man von „curvy“?

Als curvy wird die Durchschnittsfrau bezeichnet, die nicht in das Schema des 1,80 Meter dürren Size-Zero-Models passt, aber auch noch keine Extragrößen trägt.

 

Ich will ja nicht indiskret sein, aber ist Ihr Busen echt?

Ja, das ist er. Ich habe nichts machen lassen. Ich habe kein Botox, keinen Silikon-Busen und keine Hintern-Implantate. Ich habe nicht einmal falsche Fingernägel, Wimpern oder Augenbrauen. Und genau das ist mein Vorteil. Denn man glaubt es kaum, aber in Amerika geht der Trend im Moment absolut zur Natürlichkeit.

 

Es gab auch Zeiten, in denen Sie mit Ihren Rundungen und Ihrem Gewicht gehadert haben. Wie haben Sie es geschafft, davon wegzukommen?

Ich glaube, es dauert eine gewisse Zeit, bis man im Leben zu der Persönlichkeit heranwächst, mit der man zufrieden ist. Dass man sich trotz gewisser Makel im Spiegel anschauen kann und sagt: Ich bin super! Das Internet ist eine Scheinwelt, und auch bei den Oscars habe ich gesehen, dass kaum eine von den Models oder Stars perfekt ist. Die eine hat ein Hautproblem, die andere Extensions, weil ihre Haare dünn sind. Also Mädels, nobody is perfect!

 

Auf Instagram haben Sie an die 90.000 Abonnenten. Gibt es auch negative Kommentare?

Nein, damit wurde ich noch nicht konfrontiert, ganz im Gegenteil. Von 14-jährigen Mädchen bis hin zu 50-jährigen Frauen bekomme ich Nachrichten, in denen sie mich als Vorbild und Mutmacherin bezeichnen. Das freut mich natürlich sehr. Ich wäre sehr froh gewesen, wenn ich im Alter von 17 oder 18 Jahren ein Vorbild gehabt hätte, das mir aufgezeigt hätte, so wie du bist, das passt, das ist cool. Denn Schönheit liegt immer noch im Auge des Betrachters.

 

Wie kann man vor allem junge Mädchen zu mehr Selbstbewusstsein motivieren?

Das Wichtigste ist, dass man sich selber treu bleibt und dass man sich wohlfühlt in seiner Haut. Man sollte nicht immer nach links und rechts schauen und sich mit anderen vergleichen, sondern versuchen, seine Stärken herauszufinden und sich so annehmen, wie man ist. Es gibt mehr als die Optik im Leben. Charakter ist das Programm!

 

Wie schaut es in der Realität aus. Können Sie essen, was Sie wollen? Wie halten Sie sich fit?

Ich esse wirklich, was ich will. Heute vor dem Interview habe ich zum Beispiel zwei Stück Sachertorte, die eine Kollegin mit ins Büro gebracht hat, verdrückt (lacht). Naschen ist mein großes Laster. Aber ich ernähre mich grundsätzlich recht ausgewogen, trinke keinen Alkohol, rauche nicht und mache dreimal die Woche Sport. Ich gehe zwar nicht ins Fitnessstudio, aber ich bewege mich, denn um als Curvy-Model erfolgreich sein zu können, sollen die Kurven straff sein.

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Kurviges Vorbild. Nadine Mirada wurde erst vor Kurzem von Instagram und Facebook mit dem blauen Haken zertifiziert und hat somit Promistatus. (© Anzhelika Kroiss)

Haben Sie einen Tipp für kurvige Frauen, wie ihre Figur am besten zur Geltung kommt?

Jede Frau hat etwas an sich, das ihr besonders gut gefällt, und genau das sollte sie betonen. Wenn man schöne Beine hat, dann soll man diese ins Rampenlicht rücken und vielleicht die Oberteile etwas lockerer tragen. Viele kurvige Frauen haben ein schönes Dekolletee, das sollte man zeigen.

 

Wie kommen Sie bei Männern an? Sind Sie der Traum jedes Mannes?

Das ist immer eine Geschmacksache, aber ich glaube schon, dass es viele Männer gibt, die auf kurvige Frauen stehen. Ich bekomme eher die Rückmeldung, dass Männer eine Frau mit Rundungen wollen.

 

Wer sind Ihre größten Fans?

Meine Mama und mein Bruder sind sicher meine größten Fans und unterstützen mich, wo es nur geht. Und sogar meine Oma ist jetzt auf Instagram, damit sie immer schauen kann, wo ich gerade bin und was ich mache. Mein Bruder hingegen hält sich von Social Media komplett fern.

 

Und es gibt auch einen Mann in Ihrem Leben ...

Ja, ich bin schon jahrelang mit Fußballer Thomas Hinum zusammen. Auch er unterstützt mich großartig und ist sehr stolz auf mich.

 

Welche Ziele haben Sie sich als Curvy-Model gesteckt?

Eines meiner Ziele könnte bald Realität werden, denn vor Kurzem wurde ich von Guess zu einem Testshooting nach LA eingeladen. Das ist der Traum eines jeden Models. So wie sich dünne Models ein Engangement mit Victorias Secret wünschen, so wünschen sich Curvy-Models einen Auftrag von Guess.  Und natürlich würde ich es gerne aufs Cover von „Sports Illustrated“ schaffen.

 

Wie ist das Testshooting mit Guess gelaufen?

Das Team war total begeistert! Am Tag darauf wurde ich sogar von CEO Paul Marciano nach Beverly Hills eingeladen. Wir sind nach wie vor in Kontakt, jetzt heißt es abwarten.

 

Was war das größte Kompliment, das man Ihnen gemacht hat?

Das war, als man mir beim Guess-Shooting sagte, dass ich ein unglaublich schönes ungeschminktes Gesicht habe. Die konnten gar nicht glauben, dass meine Wimpern und die Haare echt sind.

 

Was machen Sie in der Freizeit?

Ich bin ein großer Fan von Reisen und gutem Essen. Im Prinzip habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht.

 

Ihre Stärken?

Ich bin ein extrem durchstrukturierter und pünktlicher Mensch. Das ist ein Riesenvorteil in Amerika, weil die Amerikaner es lieben, wenn jemand on time und gut vorbereitet ist.

 

Bei Shootings tragen Sie meistens sehr teure Kleider und Schmuck. Welchen Stil bevorzugen Sie privat?

Ich mag Luxusmarken, aber ich kaufe auch gerne bei Zara ein und kombiniere die Teile gerne mit schönen und teuren Stücken.

 

Haben Sie eine Message an Frauen, die sich ständig mit Diäten herumschlagen und mit ihrem Aussehen unzufrieden sind?

Schönheit kennt keine Kleidergröße.