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People | 18.12.2020

Ain't No Mountain High Enough!

Schwindelerregende Höhen und erbarmungslose Eiswände: Nach seiner Eishockey-Karriere besteigt Thomas Eichberger (Instagram: thomas_iceberg) die Gipfel der Welt.

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© Thomas Eichberger und Florian Krammel

Nach zehn Jahren Profisport im Eishockey wechselt Thomas Eichberger seinen Hockeyschläger auf Eisgeräte und Steigeisen. Gemeinsam mit anderen Gipfelstürmern besteigt der Sportler nun seit einigen Jahren auf tagelangen Touren die Berge, um sich auf ihren Eiswänden auszutoben. Bei seinen Abenteuern sind auch immer Kamera und Drohne dabei – so bekommen seine knapp 30.000 Instagram-Follower die Chance, einen atemberaubenden Blick auf die Berge der Welt zu erhaschen. Im Interview erzählt der 40-Jährige, wie viel ihm der Bergsport bedeutet, was es bei Hochtouren zu beachten gilt und wie wichtig die mentale und körperliche Gesundheit dabei ist. 

 

Du bist Athlet durch und durch. Welche Sportarten gehören zu deinen Favoriten? 

In meiner Laufbahn als Sportler habe ich wohl am längsten Eishockey gespielt. Das hat mich von klein auf bis zu meinem 33. Lebensjahr begleitet. Zehn Jahre war ich davon Profi. Wenn man Eishockey spielt, ist Skifahren aufgrund der Verletzungsgefahr verboten. Das habe ich dann nach meiner Karriere aufgeholt und bin schnell vom normalen Skifahren über das Skitourengehen zum Eisklettern übergegangen. Eishockey zählt nach wie vor zu meinen absoluten Favoriten. Neben den Wintersportarten habe ich auch wieder meine Liebe zum Rennradfahren entdeckt. Ich spiele auch gerne Golf, bin im Fitnessstudio oder Klettern in der Kletterhalle. Ich bin also fast immer sportlich unterwegs. 

 

Heißt das jeden Tag Sport? 

Nein, das nicht. Ich brauche immer auch meine Ruhephasen. Vor allem nach langen Hochtouren auf Viertausender Bergen ist es enorm wichtig, dem Körper auch Erholung zu gönnen. 

 

Was bedeutet Bergsport für dich und was gibt er dir? 

Der Sport in den Bergen ist für mich vor allem ein unglaublicher Ausgleich zu meinem stressigen Alltag und Beruf in der voestalpine. Draußen zu sein gibt mir ein unvergleichliches Gefühl von Freiheit, erst am Berg kann ich komplett abschalten. Neben der psychischen Erholung ist es mir natürlich auch wichtig, gesund und fit zu bleiben. 

 

Du bist begeisterter Bergsteiger und wagst dich auch im Winter in unsagbare Höhen. Wie bist du zu dieser Extremsportart gekommen? 

Ich habe wie gesagt mit Skitouren begonnen. Dabei hat sich schnell eine große Liebe zum Bergsport ergeben – wenn nicht sogar eine Art Sucht. Step by Step habe ich mich weiterentwickelt und wollte immer höhere Ziele erreichen. Von dieser Verbissenheit bin ich mittlerweile weg. Ich will auf meinen Touren jetzt einfach mehr mitnehmen und das ganze Erlebnis wahrnehmen.  

 

Wie sahen deine ersten Versuche auf den Bergen aus? 

Meine Freunde haben mich zu ein paar verschiedenen Klettersteigen mitgenommen. Das hat mir so gefallen, dass ich gleich die ersten Dreitausender machen wollte. Durch meine körperlichen Voraussetzungen hatte ich auch keine Probleme mit Höhe, Ausdauer oder Luft. Mittlerweile bin ich von den Klettersteigen etwas weggekommen. Ich finde, dass sie einen Eingriff in die Natur darstellen, um für uns das Besteigen eines Gipfels einfacher zu machen. Ich will es mit eigener Kraft und ohne mechanische Hilfsmittel schaffen. 

 

Es gibt heutzutage so viele Spielarten des Alpinismus: Eiskletterer, Skitourengeher, Freerider und so weiter. Welche Disziplinen zählen zu deinen Favoriten? 

Da ich in Oberösterreich daheim bin, wird aus mir wahrscheinlich kein Freerider mehr (lacht). Ich bin auch nicht der beste Tiefschneefahrer. Das zu üben, geht sich zeitlich einfach nicht aus, die Wintersaison ist so schon zu kurz. Eisklettern und Skitourengehen taugt mir persönlich am meisten. Mein absoluter Favorit ist die Kombination aus beidem. 

 

Was unterscheidet das Eisklettern vom normalen Klettern? 

Eisklettern ist auf jeden Fall risikoreicher und auch mit mehr Gefahren verbunden. Vor allem weil die Lawinengefahr groß ist und man nie genau weiß, wie sich das Eis entwickelt. Für das Eisklettern braucht man auch spezielle Eisgeräte: scharfe Messer mit Zacken dran, Eisschrauben und spezielle Steigeisen. Außerdem sollte das Eis die optimale Temperatur haben, die beträgt zwischen minus fünf und null Grad. Ist das Eis zu warm schmilzt das Eis und die Geräte reißen aus, ist es zu kalt, springt das Eis und man kann keine Eisschrauben setzen. Generell ist das Klettern am Eis mit mehr Kraft verbunden und durch die sprichwörtlich eisigen Temperaturen verwendet man spezielle Techniken, um voranzukommen.

 

Du bist bei deinen Touren oft tagelang unterwegs. Wie bereitest du dich auf so eine Tour vor?

Zu Beginn sucht man sich eine Route mit dem geeigneten Schwierigkeitsgrad, die  sogenannte Topo, aus. Es gibt beim Eisklettern unterschiedliche Water-Ice-
Grade, die sich zwischen WI3 und WI6 bewegen. Die absolute Königsdisziplin ist das Mixed-Klettern, bei dem man auf Eisfällen und Felsen unterwegs ist. Nachdem man die Schwierigkeit nach den eigenen körperlichen und technischen Fähigkeiten ausgesucht hat, sieht man sich noch den Lawinenbericht an. Dabei wird darauf geachtet, ob sich über dem Eisfall ein Lawinenkegel befindet.  Für eine unserer Touren sitzen wir durchschnittlich vier Stunden im Auto. Nur für einen Tag diese Fahrt aufzunehmen, würde sich nicht auszahlen. Meistens schlafen wir am Berg in einer Unterkunft oder im Zelt und gehen am nächsten Tag nochmal weiter. 

 

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© Thomas Eichberger und Florian Krammel

Welche Ausrüstung ist beim Bergsport essenziell? 

Wenn man nicht gerade eisklettert, genügt eine wasser- und winddichte Kleidung und ein griffiges Schuhwerk. Wichtig ist es auch, immer genug zu trinken mitzuhaben. Wenn man Gletscherkontakt hat,  braucht man außerdem einen Hüftgurt, Steigeisen, Eispickel sowie ein Seil und einen Helm. 

 

Welche Touren zählen zu deinen absoluten Favoriten? 

Die letzten Touren, die ich gemacht habe, zählen zu meinen absoluten Highlights. Wir waren auf klassischen Routen in der Schweiz und in Frankreich unterwegs. Im Winter auf jeden Fall der Mont Blanc und die Dolomiten.

 

Nach welchen Kriterien suchst du deine Routen und Abenteuer aus? 

Es gibt zwei Kriterien, die mir persönlich wichtig sind. Einerseits natürlich der Schwierigkeitsgrad. Wenn man den ganzen Tag auf diesen Höhen unterwegs ist, geht das wirklich an die Substanz. Mir ist es daher wichtig, ein Mittelding zu finden: Eine Route, die mich einerseits fordert, wo ich aber weiß, dass ich sie schaffen kann. Andererseits ist natürlich auch die Aussicht und die umliegende Gegend ein wichtiges Kriterium.  

 

Was ist anstrengender: Aufstieg oder Abstieg?

Das kann man pauschal nicht sagen. Wir waren jetzt auf einer Tour in Tirol unterwegs, die zwölf Stunden gedauert hat. Durch meterhohen Schnee zu stapfen, ist beim Auf- und beim Abstieg unglaublich kräftezehrend, vor allem da wir ja Kamera, Drohnen und Co. mitschleppen. Grundsätzlich bevorzuge ich den Aufstieg, weil der lange Abstieg nicht gerade knieschonend ist. Im Winter kann man den Abstieg mit den Skiern verkürzen, das macht natürlich viel mehr Spaß. 

 

Auf Instagram hast du fast 30.000 Follower. Ist da der Druck groß, immer wieder etwas noch Gefährlicheres für die eigenen Fans und auch Sponsoren zu wagen? 

Druck habe ich mir eigentlich immer nur selbst auferlegt. Ich wollte besonders zu Beginn unbedingt bestimmte Routen schaffen und ganz bestimmte Fotos machen. Jetzt ist es mir wichtiger, die Routen zu genießen und meine Follower an meinen Touren teilhaben zu lassen. Für mich ist es absolut kein Wettbewerb, das Foto mit den meisten Likes und Kommentaren zu erhalten, sondern vielmehr die Schönheit unserer Natur anderen Menschen näherzubringen. 

 

Das Risiko bei solchen Höhen und Wetterbedingungen ist unsagbar hoch. Wie gehst du mit der unmittelbaren Todesgefahr um? 

Das Wichtigste ist, dass man sich die Route der Tour und den Wetterbericht genau ansieht. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich auch vor Ort bei Bergführern über die aktuellen Verhältnisse informieren. Ich brauche aber bei den Touren immer auch den Nervenkitzel. Während ich dann in der Eiswand unterwegs bin, bin ich voll bei mir und extrem konzentriert. Es geht darum, alles andere auszublenden und sich voll zu fokussieren. Vor allem wenn man alleine unterwegs ist, gilt es, keine Fehler zu machen. 

 

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© Thomas Eichberger und Florian Krammel

Wie kann man das Risiko bei solchen Touren minimieren? 

Eine genaue Planung und körperliche Fitness sind extrem wichtig, um das Risiko zu minimieren. Mir persönlich gibt es auch mehr Sicherheit, wenn ich schnell am Berg unterwegs bin. Je länger ich in diesen Höhen verweile, desto größer ist die Gefahr. Durch schnelle und richtige Entscheidungen ist das Risiko einfach geringer, auch wenn das heißt, dass man den Gipfel nicht erreicht. Der Berg steht länger als du (lacht).  

 

Was würdest du als Kletterprofi sagen: Was ist beim Training am wichtigsten?

Wichtig ist, dass man nie den Spaß an der Sache verliert. Als ich die eine oder andere Route nicht geschafft habe, war ich wirklich frustriert. Ich habe gemerkt, dass mich das nicht weiterbringt. Mittlerweile versuche ich, solche Rückschläge als Chance zu sehen, um aus Fehlern zu lernen. Man sollte aber auf alle Fälle am Anfang einmal kleine Touren ausprobieren und sich langsam steigern. Vor allem weil beim Klettern eine ganz andere Belastung auf den Fingern entsteht und sich die Bänder schnell überdehnen können. 

 

Reist du den verschneiten Bergen nach oder wechselst du im Sommer zu anderen Sportarten? 

Bei mir muss sowieso immer eine Abwechslung im Sport stattfinden, sonst wird mir schnell fad. Ich gehe im Sommer am liebsten Radfahren, spiele Golf oder gehe schwimmen. Die Berge sind aber auch im Sommer schön. So eine Hochtour in den Alpen ist unvergleichlich. 

 

Für viele ist es schon eine Überwindung, regelmäßig Sport zu betreiben. Wie motivierst du dich? 

Da ich Sport von klein auf geliebt habe, fällt es mir nicht schwer, mich extra motivieren zu müssen, noch dazu wenn es outdoor ist. Man muss an seinen Zielen einfach dranbleiben und konsequent sein. Wenn man mit dem Sport oder einer gesunden Ernährung anfangen will, sollte man sich konkrete und kleine Ziele stecken. Das fängt zum Beispiel damit an, dass man am Morgen bewusst und gesund frühstückt.

 

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© Thomas Eichberger und Florian Krammel

Spielt also auch eine gesunde Ernährung eine wichtige Rolle, um körperlich fit zu bleiben? 

Auf jeden Fall. Ich habe das Glück, dass meine Freundin Andrea Ernährungstrainerin ist. Sie kocht außerdem zu Hause immer für ihren Instagram-Account „yoga.cuisine“, wovon ich natürlich profitiere (lacht). Dadurch ernähre ich mich generell gesund, zwischendurch darf es aber auch mal eine Pizza oder ein Burger sein.

 

Du warst unter anderem bei den Black Wings Eishockeyspieler. Hilft dir diese Erfahrung bei deinen jetzigen sportlichen Leistungen?  

Die Grundausdauer und die Kraft habe ich noch immer vom Eishockey. Aber nicht nur körperlich bringt mir die Erfahrung etwas. Ich habe dadurch auf jeden Fall gelernt, mich selbst wo durchzukämpfen. Ich habe nie einen Bergführer gebraucht, sondern mir alles selbst durch YouTube-Tutorials und Bücher beigebracht. Es werden einem die Grenzen aufgezeigt und man merkt selbst erst was möglich ist, wenn man es tut. 

 

Was war für dich persönlich dein größter Erfolg? 

Sportlich gesehen war mein größter Erfolg, dass ich mein Hobby Eishockey zum Beruf gemacht habe. Viele haben nicht das Können und das Glück, es in den Profisport zu schaffen. Mittlerweile ist mein größter Erfolg aber, dass ich die Berge mit meiner Freundin gemeinsam besteigen kann. Die Leidenschaft für den Bergsport teilen zu können, ist für mich das Größte. 

 

Welche sportlichen Ziele möchtest du in Zukunft noch erreichen?

Die Eiger-Nordwand und Matterhorn Nordwand sind zwei Nordwände, die ich noch gerne machen würde. Und wenn es wieder möglich ist zu reisen, sind bestimmte Berge im Himalaya, Island oder Alaska zum Eisklettern natürlich ein absoluter Traum.