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People | 21.09.2022

„Adrenalin gibt’s genug“

Mit der Pandemie rückten die Intensivstationen über Nacht in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Diplomkrankenschwester Martina Dachs-Knoll (50) arbeitet bereits ihr halbes Leben auf der Herzintensivstation am Klinikum Salzkammergut und erzählt von ihrem aufregenden Beruf nah am Menschen, den sie jederzeit wieder wählen würde.

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OFFENES HERZ. Martina Dachs-Knoll hat eine positive Einstellung ohne Vorurteile gegenüber allen Menschen – das symbolisiert auch das Tattoo auf ihrer Hand. © Veronika Phillip

Martina Dachs-Knoll aus St. Georgen im Attergau hat eine positive Lebenseinstellung und bringt damit die besten Voraussetzungen für ihren Beruf mit. Schon während des Besuches der dreijährigen Krankenpflegeschule in Gmunden war für die gelernte Friseurin klar, dass ihr zukünftiger Arbeitsplatz auf einer Intensivstation sein wird. Nach den ersten Berufsjahren am Klinikum Salzkammergut in Vöcklabruck hat die Diplomkrankenschwester die einjährige Zusatzausbildung für Intensiv- und Anästhesiepflege in Steyr absolviert. Nach 28 Jahren übt die sympathische 50-Jährige ihren Beruf noch immer mit Herzblut aus. Ihre Tätigkeit im Klinikum ist nicht nur intensiv, sondern auch abwechslungsreich, sinnstiftend und schön. Daher ist es der Mutter von zwei Teenagern ein großes Anliegen, diesen Beruf auch jungen Menschen und QuereinsteigerInnen ans Herz zu legen.

 

Wieviel Herzblut steckt in Ihrer Arbeit als Diplomkrankenschwester, die Sie seit über 25 Jahren ausüben?

Sehr viel Herzblut, da ich meinen Beruf sehr gern mache! Kein Tag gleicht dem anderen. Man lernt nie aus und Adrenalin gibt’s genug.

 

Was gehört zu Ihren Aufgaben, die mitunter für Adrenalin sorgen?

Ich betreue sowohl im Tag- als auch im Nachtdienst intensivpflichtige Patienten, das bedeutet sehr viel Verantwortung. Sowohl Körperpflege, Verbandwechsel, das Legen von Kathetern und Kanülen, Blutabnahmen und Verabreichen von Medikamenten gehören zum Aufgabengebiet. Meist am Vormittag geht man mit dem Facharzt Visite. Es gibt auf einer Intensivstation viele Geräte und Maschinen, die bedient werden müssen, z. B. Beatmungsmaschinen oder Hämofiltration zur Blutwäsche. Das erfordert laufende Schulungen, um eine sichere Anwendung zu gewährleisten. Krankentransporte müssen oftmals sehr rasch angefordert, Hubschrauber oder Notarztwagen bestellt werden. Patienten und Angehörige brauchen auch  psychische Betreuung, wo ebenfalls die Pflegeperson erster Ansprechpartner ist.

 

Sie sprechen die psychische Belastung an. Wann ist die Situation auf der Intensivstation für Sie persönlich belastend und welche schönen Momente gibt es?

Es gibt immer wieder Situationen, wo man Prioritäten setzen muss. Das kann schon mal belastend sein. Oft verschlechtert sich der Patient plötzlich, da muss dann jeder Handgriff sitzen. Solche Notfälle werden in laufenden Schulungen und Simulationstrainings geübt. Schön ist dafür das Gefühl, mit kleinen Gesten viel zu bewirken. Oft reicht es, eine Hand zu halten. Auch die Arbeit im Team bringt viel Freude und Abwechslung.

 

Wie war es für Sie, als während der ersten Coronawelle die Angehörigen nicht mehr oder nur eingeschränkt zu ihren Lieben durften?

Wir haben in dieser Zeit sehr viele Telefonate von Angehörigen weitergeleitet, um ein Gespräch mit dem Patienten zu führen, einen Gruß auszurichten oder um eine ärztliche Auskunft zu erhalten. In der Schleuse konnten Briefe oder persönliche Dinge für den Patienten abgegeben werden. Kritisch Kranke oder Sterbende konnten weiterhin unter besonderen Schutzmaßnahmen Besuch erhalten. Die klinische Psychologie hat Patienten ebenfalls unterstützt. Auch wir Pflegepersonen waren erste Ansprechpartner.

 

Man hört immer wieder von zu wenig Pflegepersonal. Wie erleben Sie das?

Das stimmt leider in vielen Bereichen. Auch die Coronakrise hat dazu beigetragen, dass viele Mitarbeiter an ihre Grenzen gekommen sind. Es wurde nun eine emotionale Kampagne gestartet, um neue KollegInnen in der Pflege zu finden. Zu sehen und zu hören ist die Kampagne auf Plakaten in ganz Oberösterreich, im Radio, auf www.ooeg.at/pflege, auf YouTube, Facebook und Instagram, wo sie fleißig geteilt werden darf.

 

Würden Sie den Beruf noch einmal wählen und was raten Sie EinsteigerInnen?

Ja, ich würde diesen Beruf wieder wählen! EinsteigerInnen möchte ich motivieren, sich etwas zu trauen und persönliche Grenzen zu überwinden. Der Beruf kann sehr fordernd, aber auch sehr bereichernd sein. Mit jeder neuen Erfahrung erweitert sich das Wissen, das gibt einem auch Leichtigkeit und ein gutes Gefühl. Jungen Menschen empfehle ich ein Berufsfindungspraktikum, das sehr gut zur Orientierung beiträgt und ein monatliches Taschengeld beinhaltet. Beliebt sind auch Teilzeitmodelle für Quereinsteiger.

 

Wie schauen Sie auf sich selbst?

Ich kann sehr gut abschalten und nehme die Arbeit nicht mit nach Hause. Bei der Übergabe hinterlasse ich den Patienten. Meine Freizeit verbringe ich in der Natur. Ich gehe gerne walken, bin seit vielen Jahren im Turnverein, liebe den Attersee und den Wassersport. So richtig abschalten kann ich beim Malen. Gelegentlich mache ich eine Vernissage oder nehme an einem Kunstpreis teil. Ich habe außerdem die Ausbildung zur Attersee-Attergau-Expertin gemacht und schreibe als Regionaut Beiträge über meine schöne Heimat, das Salzkammergut.

 

Sie sind heuer 50 Jahre alt geworden. Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um?

Alles gut, ich fühle mich definitiv jünger. Da ich mit 34 Jahren zum ersten Mal und mit 35 Jahren zum zweiten Mal Mama geworden bin, hat sich mein Zeitplan etwas verschoben. Meine Kinder sind jetzt Teenager und so haben mein Mann und ich wieder mehr Zeit für uns. Ich habe – noch – keine Angst vor dem Älterwerden (lacht).

Glücklich macht mich …
... meine Familie.

An meiner Arbeit liebe ich …
... die Abwechslung. Und viele meiner Kollegen sind zu jahrelangen Freunden geworden.

Das ärgert mich …
... momentan die Fahrt zur Tankstelle.

Kraft gibt mir …
... die Natur, der Wald, die Berge und Seen – einfach das Salzkammergut.

Diesen schönen Moment werde ich nie vergessen …
... als mein Mann und ich die Herztöne unserer Kinder das erste Mal gehört haben.

Mein Motto:
„Trag Sonne im Herzen.“ Bleib positiv!

 

Pflegepersonal wird dringend gebraucht. Wer sich für den Beruf interessiert, kann sich hier informieren:

www.ooeg.at/pflege