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People | 08.11.2022

"Ich möchte MENSCH werden!“

Mundl, Bockerer, Blunzenkönig, die Stimme Gottes. Karl Merkatz ist alles. Am 17. November feiert der große Schauspieler und Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Wiener Neustadt seinen 92. Geburtstag.

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(© Christian Prenner/picturedesk.com)

Für seine kraftvolle Darstellung des „Mundl“ sei er zur Kultfigur geworden, sagte Klaus Rott alias „Karli“ Sackbauer, „Mundls“ Sohn aus der Serie „Ein echter Wiener geht nicht unter“, in seiner launigen Rede anlässlich von dessen 65-jährigem Bühnenjubiläum im Jahr 2017. Doch für ihn sei Merkatz viel mehr: „Er ist eine Kulturfigur.“ Womit er recht hat. Karl Merkatz ist ein Schauspieler, der das Repertoire von den großen Klassikern bis zum „Blunzenkönig“ abdeckt, immer authentisch, immer glaubwürdig. Mit seinen nun 92 Jahren hat er in weit über 250 Film- und TV-Produktionen mitgewirkt und wurde mit zahlreichen Ehrenzeichen gewürdigt. Eine Karriere, die ihren Anfang nahm, als er, 14-jährig, im „Verlorenen Sohn“ von Erich Eckert im Pfarrtheater in Wiener Neustadt die erste Bühnenluft einsog.

Der Handwerker
Von den Eltern aus musste Merkatz ein Handwerk erlernen, weil Schauspieler ja ein „Hungerleider-Beruf“ war. „Im Krieg waren wir alle hungrig. Am 2. Jänner 1946, mit 15 Jahren, hab ich dann mit der Tischlerlehre angefangen. Ich bekam vom Arbeitsamt eine Stelle in einer Sargtischlerei. Draußen standen 50, 60 Särge aufgestapelt, da hab ich gesagt, das will ich dann doch nicht“, erzählte mir Karl Merkatz, als ich ihn und seine Familie einmal in seinem liebevoll restaurierten Hof, dem „Quengert“ in Irrsdorf bei Straßwalchen, besuchte. Die Hunde bellten aufgeregt, zwei Pferde grasten in der Wiese, aus einem Zimmer ertönte Klaviermusik – eine Idylle. In der heimeligen Stube roch es nach Kuchen und Kaffee, Vogelgezwitscher kam aus der Tischlerwerkstatt. Fast alles hat er hier selber gemacht. „Aus dem Beruf des Tischlers erfahre ich persönliche Befriedigung. Ich schaffe etwas, was ich angreifen und benützen kann. Auch in meinem zweiten Beruf als Schauspieler arbeite ich im Grunde handwerklich. Ich zeige etwas, führe etwas vor. Es ist ein erlerntes Handwerk, das Leben einer Figur anzunehmen, die ein Dichter geschaffen hat“, erklärt Merkatz und erzählt, wie er zur Schauspielerei gekommen ist. Sein erster Schauspiellehrer, Walter Fried, fragte ihn: „Was wollen Sie werden? Schauspieler oder Mensch?“ Merkatz antwortete: „Ich möchte Mensch werden, Herr Professor.“

Das Quengert
„In Hamburg, und auch als wir in Salzburg wohnten, haben wir immer von einer Hütte in einer grünen Wiese geträumt. 1970 wollten wir sogar nach Australien, aber dann haben wir das Quengert gesehen: am Waldrand, außerhalb des Ortes, wo 1680 ein Kleinbauer und zwei Handwerker wohnten. Zuerst nützten wir das „Schusterhäusel“ nur als Ferienhaus, aber dann wollten unsere Kinder nicht mehr weg. Das Leben hat uns vor 51 Jahren hierher gebracht. Es musste so sein, und man kann sagen, wir sind angekommen.“ Gewissermaßen war es auch ein „Fluchtpunkt“, den sich das Ehepaar geschaffen hat. Beide waren sie Kriegskinder gewesen, und die 1970er-Jahre mit ihren Krisen entfachten in der jungen Familie den Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit. Später kaufte man das „Bointl“ und das „Webergut“ dazu. In diesen Häusern haben die Töchter Gitta und Josefine mit deren Kindern ein Heim gefunden.

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DIE SACKBAUERS
„Toni“ Ingrid Burkhard und „Mundl“ Karl Merkatz wurden zu Kultfiguren.

 

(c) Robert Winler

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IN IRRSDORF
mit Regisseurin und Produzentin Barbara Gräftner

 

(c) Viktória Kery-Erdélyi

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LEBENSLIEBE MARTHA
CR Angelica Pral-Haidbauer mit Martha und Karl Merkatz beim 65. Bühnenjubiläum.

 

(c) Viktória Kery-Erdélyi


Alle an einem Tisch
Seine große Lebensliebe hat er in Martha Metz gefunden, die er im Theater­restaurant von Heilbronn kennenlernte. Mit ihr hat er „das große Los gezogen“, sein Engagement auf Lebenszeit. Seit 1956 sind sie verheiratet. Was für ihn Familie bedeutet? „Alles. Wir sind eine Familie, und wir wollen eine bleiben. Wir haben das Glück, hier zusammen zu wohnen, und doch ist jeder für sich. Meine Frau kocht meist für siebzehn, und dann gibt‘s das große Restlessen, einmal bei der Gitta, dann bei der Josefine oder bei uns. Unser Leben spielt sich an einem großen Tisch ab. Das war mir immer wichtig, das hat Tradition, dass Konflikte oder Probleme am Tisch besprochen werden. Darauf habe ich auch im ‚Mundl’ bestanden.“ Man hört ihm gerne zu, wenn er in seiner schönen Sprache erzählt. Kaum vorstellbar, wie ihm die Diktion des lauten, aufbegehrenden Randbezirk-Wieners Mundl Sackbauer so glaubhaft gelang. „In meiner Heimat Wiener Neustadt haben wir auch kein reines Deutsch gesprochen. Nur einer meiner Onkel sprach sogar das Schönbunnerdeutsch“, aber wenn Merkatz eine Rolle spielt, dann ist er es. In jedem Milieu.

Ein Schamerl braucht vier Haxen
„Mein erstes Werkstück als Tischler war ein Schamerl. Bei diesem Schamerl hab ich fürs Leben gelernt: Wenn’s wackelt, hast du einen Fehler gemacht und musst von vorne beginnen. Ich bin nie fehlerfrei gewesen, musste im Leben wie im Beruf immer wieder von vorne beginnen. Jeder Neubeginn ist für mich wie ein neues Schamerl gewesen“, schrieb Karl Merkatz in seinem gleichnamigen Buch, aufgezeichnet von seinem Freund, dem Autor Christoph Frühwirth. Ausgehend von diesen vier Haxen arbeitete er zu seinem 85. Geburtstag darin die vier großen Themen seines Lebens auf: das Leben an sich, die Familie, das Handwerk und den Glauben. Ein Buch, das den Menschen Karl Merkatz hinter den von ihm geschaffenen Kultfiguren zeigt. Ganz, wie er es zu Beginn seiner Karriere werden wollte ...

 

Vom Tischler zur Ikone

Am 16.11. um 21:10 Uhr zeigt ServusTV ein großes Interview, in dem der Jubi­lar gemeinsam mit Kollegen sehr persönliche Einblicke in sein Leben zeigt. Im Anschluss daran ist der Kultfilm „Echte Wiener – Die Sackbauer-Saga“ zu sehen.