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Lifestyle | 30.07.2018

Zeitspiel

Den Spagat zwischen Job und Familie hinzubekommen, ist für viele berufstägige Mütter eine tägliche Challenge. Für Spitzensportlerinnen wie Liu Jia, die neben ihrer Profi-Karriere auch einen Brotberuf ausüben, müsste der Tag mehr als 24 Stunden haben.

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Brotjob: Liu Jia arbeitet bei backaldrin als Sales Managerin. (© Reinhard Lang)

Der Tag beginnt um 6 Uhr. Nach einem kurzen Abstecher im Bad weckt die 36-Jährige ihre siebenjährige Tochter Anna und bringt sie zur Schule. Dann geht‘s ins Büro. Liu Jia, die seit über zwanzig Jahren in Österreich lebt, ist beim internationalen Fami­lienunternehmen backaldrin – The Kornspitz Company als Sales Managerin tätig. Nach Dienstende stehen tägliche Trainingseinheiten am Programm. Erfolge kommen eben nicht von ungefähr. Zuletzt hat sich die gebürtige Chinesin mit ihrem Verein Kolbermoor den Titel „Deutscher Meister“ geholt. Damit hat sie alles gewonnen, was es auf europäischer Ebene zu gewinnen gibt. Dennoch steht der Sport nicht an erster Stelle, denn diese wird von ihrer Tochter und ihrem Mann besetzt. Dazu gehört, dass „Susi“ – so der Spitzname von Liu Jia – jeden Abend für ihre Familie kocht und den Haushalt erledigt. Der tägliche Marathon, der einem schon allein beim Zuhören Schweiß ins Gesicht treibt, ist für Liu Jia lieb gewonnene Normalität. 

 

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Spitzensportlerin und Mutter Liu Jia. (© Christian Hofer)

Besser geht’s nicht. Liu Jia wurde am 16. Februar 1982 in Peking, der Hauptstadt Chinas, geboren und besuchte dort vier Jahre lang ein Sport-Internat. 1995 qualifizierte sich das damals 13-jährige Mädchen zur Aufnahme in einen Profi-Club. Der erste Erfolg stellte sich prompt ein: Susi gewann die Schülermeisterschaft und belegte Platz drei in der Jungendrangliste. Schon damals war es ihr Ehrgeiz, der sie auf Anraten ihres späteren Trainers veranlasste, nach Österreich zu übersiedeln und für den Verein TTC Linz Froschberg zu spielen. Die 15-Jährige sprach zu dieser Zeit kein Wort Deutsch oder Englisch. Innerhalb des ersten Jahres erzielte sie mit dem Sieg bei den 1st International Austrian Youth Championships in Linz ihren ersten sportlichen Erfolg in ihrer neuen Heimat. An ihrem 16. Geburtstag bekam sie die Staatsbürgerschaft Österreichs verliehen und wurde in das Nationalteam aufgenommen. Weitere Erfolge ließen nicht lange auf sich warten: Die 1,60 Meter große Susi gewann mehrere Titel bei Jugend-Europameisterschaften und stieg in der Weltrangliste unter die Top 100 auf. Bei den Europameisterschaften kam sie im Einzel und im Doppel bis ins Viertelfinale und qualifizierte sich für die Olympischen Spiele 2000 in Sydney, wo sie die Endrunde der besten 32 erreichte. Es folgten das Viertelfinale bei den Weltmeisterschaften 2001 in Osaka, mehrere Staatsmeistertitel und die Bronze-Medaille im Mixed-Doppel bei den Europameisterschaften 2002 in Zagreb. 

 

 

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Liu Jia mit Mann David und Tochter Anna. (© Privat)

Aufgeben gibt’s nicht. Dann der Schock: 2003 verletzte sich Susi an der Schulter. Ein Ende ihrer Laufbahn schien unausweichlich. Doch das wollte sie nicht akzeptieren: Liu Jia begab sich in die Hände chinesischer Ärzte und Therapeuten und kehrte nur ein Jahr später wieder zurück nach Österreich. Als wäre nie etwas gewesen, holte sie sich den Sieg bei den Malaysia Open-Tischtennis-Meisterschaften, stieg in der Weltrangliste bis auf den 13. Platz auf und nahm an den Olympischen Spielen 2004 in Athen teil. 2005 gewann sie die Tischtennis-Europameisterschaft und lernte ihren heutigen Ehemann und Vater ihres Kindes David Arvidson kennen und lieben.„Timeout“ gab es für das Liebespaar aber keines, denn Susi begann sich im selben Jahr auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 in ihrer Heimatstadt Peking vorzubereiten, an denen sie als Mitglied des österreichischen Teams teilnahm. Dabei erreichte sie im Einzel Runde 3. Mit der österreichischen Mannschaft kam sie in Gruppe A auf den zweiten Platz hinter Gastgeber China, im Bronze-Play-off schied die Mannschaft jedoch in Runde 1 gegen Japan aus dem Turnier aus. Im Juli 2011 brachte sie ihre Tochter auf die Welt und gab ihrem David das Jawort. 

Verlässlicher Partner. Als verlässlichen und treuen Partner sieht Susi auch backaldrin. Das Unternehmen ist nicht nur ihr Arbeitgeber, sondern mit dem Kornspitz Sport Team auch jahrelanger Sponsor, der mit ihr jubelte, als sie für die Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro als Fahnenträgerin der österreichischen Olympiamannschaft ausgewählt wurde. 2017 wechselt Liu Jia vom Linz AG Froschberg in die deutsche Bundesliga zum SV DJK Kolbermoor und visiert ihr nächstes Ziel an: die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020.