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Lifestyle | 30.05.2022

Wo geht die Reise hin?

Ist unsere E-Wirtschaft in der Lage, die vielen Elektroautos, die prognostiziert werden, mit Strom zu versorgen? Gibt es derzeit schon genug Ladestationen und was passiert, wenn zu viele Menschen ihre Autos gleichzeitig laden? Fragen über Fragen, die wir Martin Wagner, GF VERBUND Energy4Business, gestellt haben.

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© Shutterstock

Laut Martin Wagner, Geschäftsführer VERBUND Energy4Business, ist der Verkehrssektor einer der größten Hebel für die Energiezukunft. „Allein in Österreich ist Mobilität für fast ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ohne nachhaltige Verkehrswende können die Klimaziele nicht erreicht werden“, so der Experte.

 

OBERÖSTERREICHERIN: Herr Wagner, hat der Durchbruch der Elektromobilität bereits stattgefunden? Wie ist der Status quo in Österreich?
Martin Wagner: Die Elektromobilität steht weltweit vor dem Durchbruch: Trotz Coronapandemie hat sich 2020 der Absatz von Elektroautos in vielen europäischen Ländern vervielfacht. Auch in Österreich legt die E-Mobilität zu: Von Jänner bis April 2022 wurden laut Statistik Austria in Österreich 9.015 E-Pkw neu zugelassen: ein leichter Rückgang von 0,1 Prozent gegenüber April 2021. Damit sind 13,1 Prozent aller Neuzulassungen E-PKW. Für die positive Entwicklung sind die Förderung in Form von Kaufprämien und insbesondere die EU-Vorgaben für die Fahrzeughersteller mitverantwortlich. 

 

Ist Österreichs E-Wirtschaft in der Lage, die große Menge an E-Autos, die kommen wird, mit Strom zu versorgen?
Unsere Berechnungen gehen von  circa 3,2 Mio. E-Fahrzeugen im Jahr 2050 aus, das kommt einem Bedarf von 7,8 TWh gleich. Durch diesen Anstieg und durch die Batterien in den Fahrzeugen kann der Energiebedarf am besten durch Photovoltaik bereitgestellt werden. Eine 5 kWp PV-Anlage, wie sie auf ein Privathaus oft gebaut wird, erzeugt die Energie für zwei E-Fahrzeuge. Es gibt in Österreich 2,2 Mio. Gebäude. Auf jedem Gebäude nur eine kleine PV-Anlage liefert mit 11 TWh ziemlich genau den Bedarf der E-PKW bei 100 Prozent. 

 

Gibt es derzeit für alle elektrobetriebenen Autos schon genug Ladestationen?
Die Ladeinfrastruktur wird kontinuierlich verbessert und ist heute in Österreich flächendeckend ausgebaut. Allein bei der VERBUND-Tochter SMATRICS gibt es mehr als 500 Ladepunkte österreichweit und mehr als 70.000 über das europäische Netz nutzbare Ladepunkte. Viele davon befinden sich an gut gelegenen Standorten – etwa bei Supermärkten, Restaurants oder Garagen.

 

Vielfach wird kritisiert, dass das  Laden der Autos so lange dauert. 
Die Ladegeschwindigkeit nimmt rapide zu. Die aktuelle Forschung zeigt, dass das Laden mit bis zu 1.000 Kilowatt (kW) möglich ist. Die Zukunftsvision liegt bei über 1,5 Megawatt. Durch neue Technologien wie induktives Laden wird künftig kein Anstecken von Ladekabeln mehr notwendig sein und auch die Reichweite von E-Fahrzeugen wird immer größer. Ein vollgeladener Mittelklassewagen könnte bis 2025 – bei wachsender Ladegeschwindigkeit – bereits rund 1.000 Kilometer erreichen. Das entspricht dem Niveau eines Dieselfahrzeugs. 

 

Erfahrungsgemäß erfolgen derzeit 90 Prozent der Ladevorgänge daheim oder am Arbeitsplatz. Wie werden große Wohnanlagen, wo oft Hunderte Autos in der Tiefgarage parken,  das Laden künftig bewältigen?
Große Wohnanlagen mit Tiefgarage sind eine Herausforderung. Abhängig von der Beschaffenheit der jeweiligen Tiefgarage kann man den Bewohnern je nach Größe und Projektbudget Ladehubs mit AC Ladestatioen (<22 kW) oder auch DC Schnelllader (50-150 kW) zugängig machen. 

 

Wie schaut es im urbanen und auch im privaten Bereich aus?
Im urbanen Bereich entstehen bei öffentlichen High-Power Chargern (HPC) sowie in unmittelbarer Nähe von hochrangigen Straßennetzen tankstellenähnliche Ladeinfrastrukturen. Beim  privaten Laden ([email protected]) steigt die Nachfrage an Wallboxen enorm und auch beim [email protected] (dem Laden am Unternehmensstandort) ist die Nachfrage von Ladeinfrastruktur in Kombination mit einem Lastmanagementsystem – um teure Leistungsspitzen in unterschiedlichen Nutzergruppen zu verhindern – enorm groß.  

 

Was passiert, wenn zu viele Menschen ihr Auto zur selben Zeit laden?
Die dafür notwendigen Ladeleistungen können lokal verfügbare Energie ans Limit bringen. Um Lastspitzen zu vermeiden, wird die Ladedauer an die Parkdauer angepasst, d. h. wenn E-Fahrzeuge über eine längere Zeitdauer parken, wird die Last entsprechend verteilt. Die Lösung liegt im „Peak Shaving“, dem Glätten von Lastspitzen im Stromnetz durch Lastmanagement bzw. dem Einsatz intelligent gemanagter Pufferbatterien (oftmals aus E-Autobatterien recycelt). Unter dem Begriff „Smart Charging“ werden Produkte zum intelligenten Lastmanagement angeboten. Unterschiedliche Lösungen ermöglichen damit eine Priorisierung bzw. Ausbalancierung von oft mehreren Hundert Ladepunkten auf Parkplätzen, um so mit der lokal vorhandenen Anschlussleistung auszukommen. 

 

Welche Möglichkeiten gibt es in diesem Bereich?
Die Entwicklungen in diesem Bereich reichen von lokaler Steuerungstechnik bis zu eigenen IT-Systemen und bilden mit zunehmendem Ausbau der Ladeinfrastruktur eines der wichtigsten Zukunftsthemen im Bereich des Ladesäulenbetreibers. SMATRICS Ladeverbunde sind so dimensioniert, dass die Leistun6g mittels Lastmanagementsystems gleichmäßig bzw. je nach Kundenanforderung priorisiert an die E-Autos verteilt wird, ohne Lastspitzen und damit zusätzliche Kosten zu verursachen.

 

Was braucht es neben einer funktionierenden Infrastruktur noch, damit die E-Mobilität in der Zukunft gelingen kann?
Zum einen müssen die Reichweiten von Elektroautos zunehmend steigen und parallel dazu müssen die Fahrzeugpreise fallen. So werden E-Autos für eine breitere Käuferschicht zunehmend interessant. Gleichzeitig wird mittels staatlicher Fördermodelle und steuerlicher Vergünstigungen der Kauf strombetriebener Fahrzeuge attraktiviert. Auch durch den Vergleich mit anderen Antriebstechnologien (Verbrenner) durch günstigere Wartungs- und Betriebskosten wird der Vorteil von E-Fahrzeugen weiter ausgebaut.