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Lifestyle | 13.09.2022

„Wir müssen die Rezessionsgefahr eindämmen!“

– lautet das oberste Ziel des Oberösterreichischen Wirtschaftsbundes. Was unternommen werden muss, um dieses Ziel zu erreichen, hat uns Präsidentin Mag. Doris Hummer, Wirtschaftsbund-Landesobfrau, im Interview erzählt.

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Wirtschaftsbund-Landesobfrau, Mag. Doris Hummer im Interview. © Wakolbinger

Ein eklatanter Mangel an Fach- und Arbeitskräften, drohende Energieengpässe und explodierende Preise – die geopolitischen Entwicklungen und die Auswirkungen der Verknappung von Produktionsfaktoren stellen für die Unternehmen große Herausforderungen dar. Wir haben bei Präsidentin Doris Hummer nachgefragt, wie sich der Wirtschaftsbund in diesen schwierigen Zeiten für die Interessen der Unternehmer einsetzt. 

 

OBERÖSTERREICHERIN: Frau Präsidentin, wie ist die aktuelle wirtschaftliche Stimmung in Oberösterreich?

Die Stimmung in der Wirtschaft ist leider nach dem erfreulichen Aufwärtstrend 2021 ins Negative gekippt. Nach zweieinhalb Jahren wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Ausnahmezustand durch die Auswirkungen der Pandemie und die Verknappungen von Arbeitskräften, Rohstoffen und Energie ist extrem viel Unsicherheit am Markt. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit ist durch die explodierenden Preise und nicht vorhandenen Arbeitskräfte wirklich gefährdet. Unser wichtigstes Ziel ist es daher, nun alles zu unternehmen, um die Rezessionsgefahr einzudämmen.

 

Welche Schwerpunkte setzen Sie als Wirtschaftsbund, um sich für die Interessen der Unternehmen einzusetzen?

Die Schwerpunkte liegen auf der Hand. An erster und wichtigster Stelle steht im Moment die Energieverfügbarkeit und Preisdämpfung. Parallel dazu müssen wir die Arbeitskräftelücke schließen. Und dann fürchte ich, dass wir uns im Herbst mit entsprechenden Konjunkturstützungspaketen beschäftigen müssen. Da gehört die Konsumstärkung ebenso dazu, wie auch die öffentlichen Investitionen bzw. eine Investitionsprämie für die Wirtschaft.

 

Welche Maßnahmen erwarten Sie von der Bundesregierung, um die Unternehmerinnen und Unternehmer bestmöglich bei der Suche nach Arbeitskräften zu unterstützen?

Die Demografie zeigt uns deutlich, dass wir auf eine immer größere Lücke bei den Arbeitskräften in allen Qualifikationsniveaus zusteuern. Das heißt, wir müssen an allen Schrauben drehen. Mit der Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte wird eine meiner langjährigen Forderungen endlich umgesetzt. Dies ist ein erster wichtiger Schritt. Aber diese Reform geht noch nicht weit genug: Es gibt keine Maßnahmen für Jugendliche aus Drittstaaten, die bei uns eine Ausbildung machen wollen. Zusätzlich brauchen wir einen Paradigmenwechsel im Steuersystem – wer mehr und länger arbeitet,  soll deutlich weniger Steuern zahlen. Auch wer in der Pension dazuverdient, soll mehr davon profitieren. 

 

Im Herbst werden Energieengpässe erwartet. Wie können wir uns darauf vorbereiten?

Viele Betriebe bereiten sich natürlich schon intensiv darauf vor, investieren zum Beispiel massiv in Photovoltaik oder haben Gas durch Öl ersetzt. Aber nicht überall ist das möglich. Daher würde ein Gasembargo von Russland extreme Auswirkungen auf die Wirtschaft und damit auf die gesamte Bevölkerung haben. Erste Gegenmaßnahmen wurden im Entlastungspaket der Bundesregierung gesetzt. Die Energiewende schaffen wir damit aber nicht. Dafür braucht es effizientere und schnellere Verfahren und alle zur Verfügung stehenden Technologien, die durch ein breites Innovations- und Investitionsprogramm auch umsetzungsfähig werden. 

 

Die Unternehmen brauchen in diesen schwierigen Zeiten Entlastung – wie kann dies am besten gelingen?

Eine langjährige Forderung des Wirtschaftsbundes – die Abschaffung der kalten Progression – erhöht die Kaufkraft und fördert das Wirtschaftswachstum. Das ist eine strukturelle Reform, die wirklich gelobt werden muss. Es wird entscheidend für die Stimmung und damit für die Konjunktur im Lande sein, ob die Entlastung von den Menschen auch wahrgenommen wird. Daher halten wir weitere Senkungen vor allem bei den Abgaben auf Löhne und Gehälter für besonders wichtig. Wir fordern unter anderem die Halbierung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags von drei Prozent auf eineinhalb Prozent (Dienstgeberanteil) sowie großzügige steuerfreie Prämienmöglichkeiten. Das dämpft die Arbeitskosten und bringt mehr Netto vom Brutto.