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Lifestyle | 15.03.2021

Wieso wir wissen wollen, woher wir kommen

Seit 22 Jahren sind Familienhistorik und Ahnenforschung Werner-Kurt Mayrhubers Steckenpferd. Mit Akribie spürt er auf, woher unsere Vorfahren stammen oder ob gar blaues Blut in unseren Adern fließt.

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© Mayrhuber

Werner-Kurt Mayrhubers Beziehung zum eigenen Vater war Antrieb und Motivation, den Faden der Ahnenforschung aufzunehmen und in seiner Familienhistorie zu stöbern. Geboren in Natternbach und wohnhaft in St. Marienkirchen an der Polsenz, zog seine Leidenschaft immer weitere Kreise. Heute stellt er im sechsköpfigen Team Nachforschungen für jeden interessierten Menschen an und schöpft aus einem reichen Fundus an 150.000 Datensätzen. Im Interview erzählt der ständig Suchende, dass sich manch‘ unliebsame Eigenschaft wie Sturheit oder Geiz durchaus im Erbgut nachweisen lässt, wir aber die Chance haben, Prägungen aufzulösen und gute Eigenschaften an unsere Kinder weiterzugeben.

 

Herr Mayrhuber, was weckte in Ihnen die Neugierde für die Ahnenforschung?

Mein eigenes gespanntes Verhältnis zum Vater war der Auslöser. Wir waren wie Feuer und Eis. Wie Nord- und Südpol. Da waren Eigenschaften, mit denen ich schwer umgehen konnte und so habe ich begonnen, in Generationen davor Erklärungen zu suchen.

Ergaben die Nachforschungen für Sie einen Sinn?

Ja, vieles hat sich für mich aufgeklärt. Mein Vater war das 13. von 14 Kindern. Ich stieß auf eine übertriebene Sparsamkeit von Geschwistern. Materielles hatte eine übermäßige Bedeutung. Es waren Druck und Erwartungshaltungen vorhanden, an denen immer wieder Familienmitglieder zerbrachen. Das zu verstehen hilft, mit der eigenen Situation besser umzugehen und mit Liebe und Respekt zu handeln. Es war mir auch wichtig, meinen Kindern keine „vererbten Lasten“ weiterzugeben.

Warum ist es so wichtig für Menschen, ihre Herkunft zu kennen?

Wir sind die Summe dessen, was unsere Vorfahren waren. Es ist in uns drinnen, dass wir wissen wollen, wo unsere Wurzeln sind. Auch geografisch gesehen. Stark äußert sich dieser Wunsch meist bei adoptierten Kindern. Dazu kommt, dass wir in einem Zeitalter leben, wo wir alles haben. Da rückt der Fokus stärker auf uns selbst und unsere Herkunft. Der Corona-Lockdown hat das noch einmal verstärkt.

Hoffen manche gar auf blaues Blut unter den Ahnen?

Durchaus (lacht). Gerade Österreich und die ehemaligen Kronländer Ungarn, Kroatien, Tschechien, Slowakei bis hin zu Mazedonien geben da ein interessantes Forschungsfeld ab. Es hat einen gewissen Reiz, ob man auf eine edle Ader stößt.

Wie gehen Sie vor?

Die Forschung beginnt bei den Großeltern und Urgroßeltern. Drei Bücher sind die Grundlage für die Ahnenforschung: Das Geburtenbuch. Das Trauungsbuch und das Sterbebuch. Personendaten sind gut erhebbar. Weiters greifen wir auf  Zeitungsarchive oder die Digitale Katastralmappe DORIS zu. Es ist das Zusammentragen vieler unterschiedlicher und vielschichtiger Informationen. Interessant wird es so richtig, wenn man Geschichten und Ereignisse dazu sammelt. Das erfüllt die Ahnentafel erst mit Leben!

Früher musste man in Kirchen- und Grundbüchern blättern, um Aufschluss über Stammbäume zu erhalten. Inwiefern erleichtern Medien wie das Internet die Suche heutzutage?

Erheblich. Als ich 1999 mit der Ahnenforschung begonnen habe, musste ich noch alles mühsam im Landesarchiv über Folien und Filme sichten. Heute geht das viel einfacher, weil alles digitalisiert ist.

Was kann ich als Auftraggeber beisteuern?

Je mehr konkrete Daten und Dokumente zur Verfügung gestellt werden, desto effizienter und zielgerichteter kann die Recherche erfolgen. Hilfreich sind etwa Urkunden von Geburt und Hochzeit, Tauf-, Trau- und Totenschein, Ausbildungsnachweise, Dienstzeugnisse, Ariernachweise aus dem Dritten Reich, Heimatscheine, Parten oder Totenbildchen, Grundbesitzscheine bis hin zu Kaufverträgen. Auch alte Fotos von Familienmitgliedern oder Grabtafeln können nützlich sein, ebenso wie Zeitungsausschnitte oder Adressbücher. Weiters gibt es in allen Familien meist mündlich überlieferte Familiengeschichten und Gerüchte, die Hinweisgeber sein können. Falls bereits Stammbaum oder Ahnentafel vorhanden sind, können wir auf diesen aufbauen oder diese erweitern. 

Bis zu wie vielen Generationen kann eine Familiengeschichte rückverfolgt werden? 

Acht bis zehn Generationen sind meist gut rückverfolgbar. Bei mir selbst reicht die Erhebung dreizehn Generationen zurück, bis ins Jahr 1580.

 

Bild 2103_O_Familienhistorik_Mayr.jpg (1)
© Mayrhuber
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© Mayrhuber

Familienhistorik

Stammbaum: 

vom Stammvater ausgehend (vorwärts).

Ahnentafel: 

von mir selbst ausgehend (rückwärts).

Wie Detektive erforschen Werner-Kurt Mayrhuber (St. Marienkirchen an der Polsenz) und sein Team die Spuren der Ahnen. Das Angebot reicht von der Ahnentafel als Geschenk für Hochzeit oder Geburt bis hin zur gesamten Familienchronik als Buch oder Tafel.  

Mehr auf: www.familienhistorik.at

 

 

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Werner-Kurt Mayrhuber ist Genealoge und stellt fest, dass sich immer mehr Menschen für ihre Vorfahren interessieren.