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Lifestyle | 11.01.2022

Weniger Stress, mehr Gesundheit

Dauerstress, Angstzustände, chronische Erschöpfung: Primaria Waltraud Bitterlich erklärt, warum psychische Erkrankungen immer mehr werden und wie man gegensteuern kann.

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© Rehazentrum St. Lambrecht GmbH

Primaria Waltraud Bitterlich ist ärztliche Leiterin von „Auszeit“, dem Gesundheitszentrum St. Lambrecht in der Steiermark. „Es kommen zunehmend Menschen zu uns, die nach einer Coronainfektion an Ängsten oder Depressionen, vor allem aber auch an chronischer Erschöpfung leiden“, erklärt die Medizinerin im Interview. 

 

MONAT: Können Sie nachvollziehen, dass im Moment immer mehr Menschen innerlichen Stress und auch Angst verspüren?

Dr. Waltraud Bitterlich:  Ja, das hat  etwas mit unserer evolutionären Ausstattung zu tun: Die Situationen, von denen wir uns am meisten bedroht fühlen, sind diejenigen, die wir als neuartig, unvorhersehbar und unkontrollierbar empfinden. In solchen Zeiten springt unser Alarmsystem vermehrt an. Es folgen uralte Reaktionsmuster, im Sinne einer Kampf- oder Fluchtreaktion. Problematisch wird es dann, wenn diese Reaktionen auf Herausforderungen nicht nur wenige Minuten andauern und wieder in Entspannung münden, sondern auf Hochtouren weiterlaufen. Hier können wir entgegenwirken und die Angst- und Stressspirale rechtzeitig durchbrechen.

 

Woran kann man erkennen, dass man in Richtung Burn-out schlittert?

Wichtige Hinweise auf eine dauerhafte Stressbelastung sind massive Erschöpfung und schlechter Schlaf über einen längeren Zeitraum. Oftmals sind wir auch leichter irritierbar und abgelenkt, fühlen uns schneller überfordert. Für Dinge, die uns normalerweise stärken, finden wir keine Zeit mehr oder haben einfach keine Energie. Hinzu kann eine Vielzahl an körperlichen Beschwerden kommen, wie Tinnitus oder Verdauungsstörungen, für die es keine klare organische Ursache gibt.

 

Wo setzen Sie in Ihrem Haus bei den Therapien an?

Zusätzlich zu klassischen psychotherapeutischen Verfahren verfügen wir über eine exzellente Expertise in den Bereichen Bewegung, Sport und achtsamkeitsbasierte Interventionen. Wir gehen innovative Wege, indem wir unter anderem verschiedene Sportarten mit therapeutischen Inhalten verknüpfen. Sportarten wie beispielsweise Klettern bieten sich sehr gut an, um Stresstoleranz auf einer ganzheitlichen Ebene zu trainieren. Wir schaffen Rahmenbedingungen, in denen Menschen bewusst neue Erfahrungen machen, ihren Handlungsspielraum erweitern und neue Verhaltensweisen erlernen und ausprobieren können. So entstehen nach und nach neue Pfade in unserem Gehirn.

 

Wann ist man bei Ihnen richtig? Wenn man bereits Beschwerden hat, ist es oft ja schon fast zu spät …

Unser Gesundheitszentrum bietet neben der klassischen psychiatrischen Rehabilitation auch Präventions- und Regenerationsangebote für Privatpersonen in den Bereichen psychische Gesundheit und Stressmedizin. Zwischen Gesundheit und Krankheit besteht ein fließender Übergang. Idealerweise beginnen wir, uns um unsere Gesundheit zu kümmern, wenn sie noch vorhanden ist. Zu verstehen, dass wir Gesundheit nicht „haben“, sondern unser Organismus sie stetig „herstellt“ und wir ihn dabei unterstützen können, ist ein wichtiger Ausgangspunkt. Als therapeutisches Team sehen wir unsere Aufgabe darin, Bewusstsein für diesen Gestaltungsprozess zu erzeugen und hilfreiche Anregungen zu bieten. Indem wir uns moderaten Herausforderungen in sicherer Umgebung aussetzen, können positive Anpassungsprozesse in Gang gebracht werden, sodass wir gestärkt daraus hervorgehen. Unsere Therapien fördern genau diesen Prozess.