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Lifestyle | 21.11.2022

WELT 4.0

Die Geschichte der Menschheit ist geprägt von Revolutionen. Aktuell befinden wir uns inmitten der digitalen. Ein Blick auf ihre Licht- und Schattenseiten.

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© Shutterstock

Vom Jäger und Sammler zum sesshaften Ackerbauern und Viehzüchter, von der Herstellung von Werkzeugen und Waffen aus Bronze und Eisen zur Erfindung des Schießpulvers, von der Entdeckung des Feuers zur Erfindung der Elektrizität, von der Erfindung der Schrift zur Entwicklung des Buchdrucks, von der Erfindung des Rades zur Entwicklung des Verbrennungsmotors, von der Entdeckung der Kernspaltung als Energiequelle neuer Größenordnung zur nuklearen Massenvernichtungswaffe, von der ersten industriellen Revolution und der damit einhergehenden Massenproduktion durch Maschinen zur Erfindung des Computers und des Internets – der Mensch kann in seiner jahrtausendelangen Entwicklung von der Steinzeit in die Gegenwart viele großartige und unverzichtbar gewordene wie auch Gefahren bergende Errungenschaften verzeichnen. Die letzte große Erfindung, die unser aller Leben verändert hat, war das Internet, welches die zügig voranschreitende Digitalisierung der Welt ermöglicht. Ungeahnte Chancen und Möglichkeiten bietend, ist die Digitalisierung das Werkzeug, mit dem zukünftige Problem schon heute gelöst werden. Ihr Nutzen ist so hoch, dass jede Gefahr, die sie birgt, in Kauf genommen oder besser hingenom-men wird. Denn es sind längst nicht mehr wir, die über deren Sinn- und Zweckhaftigkeit entscheiden. Die Digitalisierung hat sich verselbstständigt und ist selbst zu einem unumkehrbaren Automatismus geworden. 

 

Gamechanger Internet.

Neben der Entschlüsselung des menschlichen Genoms ist die Entwicklung des Internets unbestritten der wichtigste Durchbruch in Wissenschaft und Technik der letzten 50 Jahre. Mit ihm wurde ein neues Kapitel der Menschheit aufgeschlagen. Was vor ca. 50 Jahren begann und sich Ende der 1990er- und in den frühen 2000er-Jahren etablierte, ist heute ein fester Bestandteil des täglichen Lebens für Milliarden von Menschen weltweit. Unvorstellbar, wären wir nicht allezeit mit allem und allen allerorts vernetzt. Die Möglichkeit der weltumfassenden Kommunikation, der unbegrenzte Zugang zu Informationen, die Erleichterungen sowie die Zeit- und Kosteneffizienz für die Geschäftswelt, die Verbesserungen von Produktionsprozessen in der Industrie, die Bedeutung für das Gesundheitswesen oder der hohe Unterhaltungswert, den die Digitalisierung bietet, sind nur einige wenige der schier unendlichen Möglichkeiten und Anwendungsbereiche des Internets, die die Welt revolutioniert haben. 

Kein Vorteil ohne Nachteil.

Das Internet ist die Droge, von der jeder ab einem immer jüngeren Alter abhängig ist. Das Jugendschutzgesetz schützt Kinder und Jugendliche in Österreich vor „besonderen Gefahren und schädlichen Einflüssen, die sich auf die körperliche, geistige, sittliche, seelische und soziale Entwicklung nachteilig auswirken können“, Schutz vor der geistigen Verwahrlosung und Verdummung durch den übermäßigen Konsum digitaler Medien ist hier allerdings ausgenommen. Doch der Grat zwischen unheilvollem Sucht- und anregendem Genuss- sowie sinnvollem Gebrauchsmittel ist schmal, mit der Digitalisierung kippt es sich allzu leicht von der einen auf die andere Seite. Internetsucht, Depression, Burnout, Schlafstörungen, Herzrasen, innere Unruhe, Reizüberflutung – eine Vielzahl psychischer Beschwerden und Erkrankungen werden auf unser digitalisiertes Leben zurückgeführt. Dass angesichts dessen andererseits die Förderung eines gesünderen Lebensstils und die Vorbeugung chronischer Krankheiten durch Fitnesstracker und „Smart Watches“ oder der leichtere Zugang zu medizinischer Hilfe ebenso der Digitalisierung zu verdanken ist, scheint nur auf den ersten Blick paradox. Denn kein Nutzen ohne Schaden, und so unverzichtbar die Vorteile, so groß sind die Schattenseiten der Technologie. Die Digitalisierung ist Fluch und Segen zugleich.

Neue Erscheinungsform der Kriminalität.

Mehr Fluch als Segen ist die dem Internet geschuldete beinahe uneingeschränkte Exponiertheit des eigenen Lebens und persönlicher Daten, die von der Mehrheit bewusst toleriert wird, sind doch die Verlockungen des World Wide Web längst zu groß, um ihnen zu widerstehen. Daten- und Identitätsdiebstahl haben sich neben der Coronapandemie, einem Katalysator für Cyberkriminalität, zu einer zweiten, stillen Pandemie entwickelt, von der Privatpersonen und Unternehmen gleichermaßen betroffen sind. Die fortschreitende Digitalisierung bietet einen reichhaltigen Nährboden für illegale Aktivitäten. Auch hier gilt: Der Einsatz von Technologien, etwa von Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen, hilft zum einen, die Sicherheit von Netzwerken und Daten zu erhöhen und schneller und automatisierter auf Angriffe reagieren zu können, zum anderen ist er auch für die andere Seite nicht mehr wegzudenken: für Cyberkriminelle, um die Angriffe noch raffinierter und schneller zu entwickeln.

Cyberangriffe nehmen rasant zu, werden immer komplexer und ausgefeilter und treffen längst nicht mehr nur mehr wenige Unglückliche. 2021 waren zwei Drittel der heimischen Händler Opfer von Betrug im Netz, ein Viertel bereits mehrmals. Aber nicht nur die Zahl der Opfer ist gewachsen, mit ihr erhöht sich auch das Schadensausmaß drastisch und reicht bis zur Existenzbedrohung von Wirtschaftsunternehmen, wohingegen das Risiko für die Straftäter gering ist. Denn diese passen sich flexibel an technische und gesellschaftliche Entwicklungen an, agieren global, immer raffinierter und schamloser in teils untereinander vernetzten Gruppierungen und schlagen dort zu, wo am meisten zu holen ist. Nicht zu vergessen in Zeiten hybrider Kriegsführung sind staatlich beauftragte Cyber-Spionageangriffe, also solche Attacken, die nicht nur oder nicht vordergründig monetären, sondern politischen Schaden anrichten sollen, etwa den Zweck haben, demokratische Gesellschaften zu destabilisieren. Nicht zuletzt finden auch Desinformation und Propaganda, die Manipulation der öffentlichen Meinung durch Falschmeldungen, dank des Internets ihre immense Verbreitung und gehören in Zeiten der sozialen Medien zu den mächtigsten Waffen gegen die Demokratie. 

Herr der Technik.

Obgleich die Tatsache, dass unsere modernen Gesellschaften mehr und mehr durch die digitale Transformation bestimmt sind, vielen Anlass zu Pessimismus gibt, so bleibt eine Sache unverändert: Es ist nach wie vor der Mensch, der die Technologie um sich herum gestaltet und an den Steuerhebeln sitzt. Er ist es, der eine Technologie so einsetzt, dass sie für die Mehrheit der Gesellschaft Vorteile bringt oder aber Schaden anrichtet. Solange dies der Fall ist, gilt es, darauf zu vertrauen, dass der Mensch nicht nur einen angeborenen Hang zum Bösen besitzt, sondern dass er auch und vor allem radikal gut ist. 

Lifestyle | 21.11.2022

Oberösterreich setzt auf CyberSicherheit

Oberösterreich soll zu einem national wie international sichtbaren Kompetenzzentrum für Cybersicherheit werden. Denn Politiker wie IT-Experten sind sich einig: Immer neue Technologien im Zuge der Digitalisierung erfordern auch neue Wege der Absicherung.

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V.l.: FH-Prof. DI Robert Kolmhofer, Departmentleiter Sichere Informationssysteme FH Hagenberg, Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer, Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat Markus Achleitner und Univ.-Prof. Dr. René Mayrhofer, Vorstand Institut für Netzwerke und Sicherheit, JKU Linz. © Land OÖ/Peter C. Mayr

Sicherheit“ ist angesichts der Vielzahl globaler Krisen, der Coronapandemie, eines brutalen Angriffskriegs auf europäischem Boden, von Atom-Drohungen, der Energiekrise, der Klimakrise sowie der Schwächung von Demokratien bei gleichzeitigem Erstarken von Autokratien, mehr als ein inflationär gebrauchtes politisches Schlagwort. „Sicherheit“ ist nicht nur eine der wichtigsten Säulen der Demokratie, sondern auch der Digitalisierung. Das Thema „Netzwerk- und Datensicherheit“ sehr ernst zu nehmen, dafür plädieren Experten einstimmig. Auch der Industrie- und Wirtschaftsstandort Oberösterreich, der ein attraktives Ziel für Cyberattacken und digitale Erpressungsversuche darstellt, will künftig verstärkt auf IT-Sicherheit setzen. Der Softwarepark Hagenberg, die neue TU Oberösterreich, das Institute of Digital Sciences Austria am Campus der JKU Linz, wo mit Oktober 2023 ein Studium mit Schwerpunkt Digitalisierung und digitale Transformation den Lehrbetrieb aufnehmen soll, sowie zahlreiche Unternehmen bringen hier das nötige Know-how und neue Impulse zum Schutz der öffentlichen und betrieblichen digitalen Infrastruktur gegen kriminelle Attacken. 

 

Sichere Daten, sicherer Standort. 

„Sichere Daten – sicherer Standort: Ergebnisse des Expertenforums ‚Cyber-Security‘“ lautete der Titel der Anfang November stattgefundenen Pressekonferenz, auf der Landeshauptmann Thomas Stelzer und Wirtschafts- und Forschungslandesrat Markus Achleitner die Schwerpunkte im aktuellen Regierungsprogramm für Oberösterreich präsentierten: eine stärkere Vorreiterrolle bei der digitalen Transformation von Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung, Gesundheitssystem und öffentlicher Verwaltung, die Stärkung und internationale Vernetzung des Forschungsbereiches Cybersicherheit und die damit verbundene Forcierung der Ausbildung von Cyber-Experten, die Digitalisierungsoffensive in der Pflege und im Gesundheitsbereich, eine vernetzte Standortstrategie im Kampf gegen Cyberkriminalität, die modernste Aufklärungstechnologien bei Polizei, Staatsschutz und Militär impliziert, sowie die Forcierung der Förderungen zur Digitalisierung der Klein- und Mittelbetriebe in Kooperation mit der Wirtschaftskammer OÖ. 

 

Auch andere Bundesländer springen auf diesen Zug auf. So bietet etwa die Fachhochschule Salzburg ab dem Studienjahr 2023/2024 einen eigenen Studiengang für Cyber-Security an. Besonders leidgeprüft in Sachen Cyberkriminalität ist in jüngster Zeit das Bundesland Kärnten, dessen Landesverwaltung in Klagenfurt auch ein halbes Jahr nach einem Hackerangriff Ende Mai noch mit den Folgen zu kämpfen hat. Auf der kürzlich in Klagenfurt abgehaltenen Sicherheitskonferenz zur Internetkriminalität kündigte Bundesinnenminister Gerhard Karner (ÖVP) polizeiliche Maßnahmen an, wie härtere Strafen für Online-Kriminelle im Netz, eine Aufstockung der Zahl der IT-Experten sowie eine Sondereinheit nach dem Vorbild der Cobra. Um das Bewusstsein für Cyberkriminalität zu schärfen, sollen Veranstaltungen wie jene in Klagenfurt in Folge in allen Bundesländern durchgeführt werden. Dass das Bewusstsein für die Risiken der Digitalisierung und im Speziellen für Cyberkriminalität wächst, ist die Grundvoraussetzung dafür, künftig auf „agieren statt reagieren“ zu setzen.  

 

 

Cybersafe:

Angebote für 

oö. Unternehmen 

Der IT-Cluster, das Information Security Network Oberösterreich, ein Netzwerk für die IT- und Softwarebranche, bietet ein umfassendes Angebot zum Thema Internet-Sicherheit:

Hack’aware – KMU-Security Quickcheck: Dies ist ein Tool, das einen schnellen Überblick über den Status der IT-Sicherheit in Unternehmen verschafft – als Orientierungshilfe, die als Grundlage für weiterführende Gespräche mit Cybersecurity-Profis dient. (www.digitalregion.at/hackaware)

AI & IT-Security Landscape: Eine digitale Landkarte verrät auf den ersten Blick, welche Unternehmen in den Bereichen Künstliche Intelligenz und IT-Security tätig sind und höchste Qualitätsstandards erfüllen. Die Landscape ist ein Vernetzungstool für potenzielle Kooperationspartner. (www.enlite.ai/insights/ai-landscape-austria)

Schulungsangebot „TAHITI“: TAHITI ist ein umfangreiches Weiterbildungsformat, entwickelt u.a. von der Johannes Kepler Universität Linz, dem Software Competence Center Hagenberg und mit dem IT-Cluster der oö. Standortagentur Business Upper Austria. (www.itcluster.at)

Erfahrungsaustauschrunde Informationssicherheit: Hier treffen sich regelmäßig IT-Verantwortliche und -Mitarbeiter mit Bezug zu Informations-
sicherheit und/oder Datenschutz, Chief Information Security Officer (CISOs), Datenschutzbeauftragte und andere Experten zum Austausch über Informationssicherheit und Datenschutz. 

Förderungen für Maßnahmen zur Verhinderung und Abwehr von Cybercrime: 

Im Rahmen der Initiative „Digitalregion Oberösterreich“ gibt es eine Förderung, die sich an kleine und mittlere oö. Unternehmen richtet. Förderbar sind Investitionen in Hardware/Software samt Implementierungsdienstleistungen und IT-Security-Maßnahmen technischer und/oder organisatorischer Art, die nachweislich der Weiterentwicklung, Einführung oder Verbesserung der IT-Security im Unternehmen dienen. (www.land-oberoesterreich.gv.at/229289.htm)

Weiters gibt es gemeinsame Unterstützungsmaßnahmen von Land OÖ und der Wirtschaftskammer OÖ, beispielsweise durch einen zusätzlichen Bonus für IT- Sicherheitsmaßnahmen im Rahmen des erfolgreichen Programms „Digital Starter“. (foerderungen.wkooe.at/digitalstarter22)