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Lifestyle | 09.10.2019

Wechseljahre: Schluss mit den Mythen

Woran denken Sie, wenn Sie das Wort „Wechseljahre“ hören? Hitzewallungen, alt und dick sein, Unfruchtbarkeit, Schluss mit Sex, Depression? Lange Zeit galten die Wechseljahre als „Verlustalter“. Das ist längst überholt: Sie sind keine Krankheit und schon gar nicht das Ende.

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© Shutterstock

Ddie Wechseljahre sind – genau wie die Pubertät – Jahre der Hormonumschwünge, die körperlich und seelisch intensiv ausfallen können. Können, aber nicht unbedingt müssen. Frauen erleben sie ganz unterschiedlich, so unterschiedlich wie sie selbst und ihre Leben sind. Jede beschreibt die Zeit anders. Rund ein Drittel der Frauen hat keinerlei Beschwerden, ein Drittel leichte, ein Drittel leidet stark.

Elisabeth (55):

Vor etwa zehn Jahren begann es mit starkem Brustspannen. Das Ausziehen des BHs hat echt weh getan. Die Regel hatte ich einmal mehr, einmal weniger. Ich war oft erschöpft und hatte Kopfweh. Kein Wunder, es war eine stressige Zeit, in der mir für kurze Momente auch so richtig heiß wurde. Meine Kinder waren zwölf und 17, also gerade post- bzw. pubertär, da war einiges los. Meine Mutter war gerade gestorben und mein Vater zu betreuen, und die Arbeit forderte mich. Alles, was ich untertags nicht hinbekam, machte ich in der Nacht. Meine Lust auf Sex hatte gar keinen Raum. Ohne die liebevollen Hinweise meines Partners, dass „es wieder einmal nett wäre“, hätte ich Sex vergessen. Meinem Körper fiel es schwer, sich einzulassen. Wenn es nach langen Berührungen gelungen ist, war es befriedigend. Nach der letzten Regel brauchte ich auch noch zwei Jahre, bis klar war, dass ich Sex ohne Verhütung genießen kann. Super! Jetzt sind die Kinder aus dem Haus, ich mache viel Sport, auch Krafttraining (besser als Hormontherapie und zur Osteoporose-Prävention, meine ich), rauche nicht mehr und esse weniger. Ich fühle mich körperlich wieder viel besser. Beim Sex nehme ich ab und zu Kokosöl als Gleitmittel. Das passt. Auch als Paar finden wir wieder neu zueinander, was anstrengend, aber auch bewegend ist.

Eine natürliche Umbruchphase. Am Ende der Wechseljahre stellen die Eierstöcke einen Großteil ihrer Produktion ein. Die Östrogenproduktion pendelt sich auf ein Minimum ein. Testosteron bildet sich weiterhin sowohl in der Nebenniere als auch in den Thekazellen des Eierstocks. Deshalb haben die meisten Frauen im Wechsel einen relativen Testosteronüberschuss und entwickeln einen Bart. Auf die Fähigkeit, Lust zu erleben, hat Östrogen nicht unmittelbar Einfluss. Wenn Frauen die Lust auf Sex fehlt, gefällt ihnen vielleicht nur nicht, wie sie ihn mit ihrem Partner erleben, und haben Kompromisse satt. Mittelbar beeinflusst Östrogen die Fähigkeit zur sexuellen (körperlichen) Erregung, denn weniger Östrogen bedeutet weniger Produktion des NOs (Stickstoffmonoxid), welches wir aber brauchen, damit die Blutgefäße sich weiten und mit Blut füllen können. Die Schleimhäute werden trockener und dünner, sie verlieren an Elastizität und sind weniger durchblutet. Die Scheide dehnt sich nicht mehr so gut, ohne die passende Stimulation wird sie nicht mehr feucht. Wenn Finger, Dildo oder Penis trotzdem eindringen will, tut es nicht nur weh, die Gefahr, dass die empfindliche Schleimhaut verletzt wird, ist größer. Deshalb ist es wichtig, dass der weibliche Körper gut erregt ist und die Scheide so richtig feucht wird. Vielleicht braucht Frau dafür mehr Zeit als früher, vielleicht erregt sie jetzt etwas anderes. Es helfen auch Gleitmittel, Hyaluron-Präparate oder lokal angewandte Östrogenpräparate (die der Arzt bzw. die Ärztin verschreiben), die für einen guten „Schutzfilm“ in der Scheide sorgen. Brüste und Schamlippen fühlen sich weniger prall an, weil das Bindegewebe schwächer wird. Die Vorhaut der Klitoris zieht sich etwas zurück, aber all das schließt Lustgefühle dennoch nicht aus.

Menopause mit 33? Etwa ein Prozent aller Frauen unter 40 Jahren ist von einem vorzeitigen Klimakterium betroffen, bei den unter 30-Jährigen sind es 0,1 Prozent. Genauso wie bei Frauen, die zeitgerecht in die Wechseljahre gekommen sind, liegt die Ursache für ein „Klimakterium praecox“, einen frühen Beginn des Wechsels, darin, dass die Eizellen aufgebraucht bzw. bei einer Entfernung der Eierstöcke nicht mehr vorhanden sind und damit auch die Produktion von Östrogenen und Gelbkörperhormon zum Erliegen kommt. In vielen Fällen sind genetische Störungen die Ursache. Krebserkrankung und -therapie können auch ein Grund sein. Diese Situation kann körperlich und psychisch sehr irritieren. Eine rasche Unterstützung durch Hormonspezialisten hilft, auch diese Hürde gut zu meistern.

Eine Chance, die eigene Sexualität neu zu entdecken. Viele Frauen erleben in den Wechseljahren ein Gefühl der Befreiung. Sie haben Lust, neue Erfahrungen zu sammeln, die eigene Sexualität neu zu entdecken und andere Spielarten kennenzulernen. Nicht immer ist diese Reise ein Spaziergang – für die Frau wie auch für ihren Partner. Machen Sie es sich leicht, holen Sie sich Unterstützung! Gerne begleite ich Sie auf Ihrem Weg.

 

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BUCHTIPP: „Kompass Wechseljahre. Von Hitzewallungen bis Gewichtszunahme: Hormontherapie – ja oder nein?“ von Anneliese Schwenkhagen und Katrin Schaudig; Verlag TRIAS, ISBN-13: 978-3830460794

Ausführliche Informationen zum Thema auch in dem Folder „Wiener Programm für Frauengesundheit“, als PDF zum Downloaden (selbst-ist-die-frau-wegweiser-wechseljahre.pdf) oder unter Tel. 01/4000-842 00 kostenlos zu bestellen.