Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 24.10.2022

Wechseljahre - Frau im Wandel

Die Wechseljahre sind für viele Frauen eine Zeit des Umbruchs, in der sie sich oft zum ersten Mal mit der Veränderung ihres Körpers auseinandersetzen. Noch im 19. Jahrhundert lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 44 Jahren, somit erlebten viele Frauen die Zeit der hormonellen Umstellung mit ihren Beschwerden gar nicht.

Bild 2210_O_Apothekerkammer-2.jpg
Mag. pharm. Susanne Sokoll-Seebacher, Apothekerin in Pinsdorf

Das Klimakterium ist trotz aller Unpässlichkeiten keine Krankheit, sondern ein natürlicher Prozess, in dem der Körper die Produktion von weiblichen Sexualhormonen (Östrogen, Progesteron) reduziert und dann ganz einstellt. Meist beginnen die Wechseljahre ab Mitte 40 mit einer verminderten Ausschüttung von Progesteron (Gelbkörperhormon), was zu Zyklusunregelmäßigkeiten wie starker Regelblutung oder stark verkürztem Zyklus führen kann. Auch psychische Veränderungen und Stimmungsschwankungen vor der Periode oder Brustspannen können ein Zeichen eines Mangels von Progesteron sein.

In der nächsten Phase des Klimakteriums nimmt der Östrogenspiegel stärker ab, was einerseits zum Ausbleiben der Regelblutung führt, aber auch zu den typischen Beschwerden wie Hitzewallungen, nächtlichen Schweißausbrüchen, Schlafstörungen, Scheidentrockenheit und häufig auch zu psychischen Beschwerden wie Stimmungsschwankungen und auch depressiven Verstimmungen. Diese Symptome können leider auch nach der letzten Regelblutung (Menopause) über einige Jahre bestehen bleiben. Die Aussicht auf einen längeren Zeitraum mit klimakterischen Beschwerden sind für viele Frauen ernüchternd.

Glücklicherweise bietet die Natur uns eine Vielzahl von Pflanzen, die zur Linderung führen können: Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) reguliert vor allem Zyklusstörungen in der Prämenopause, prämenstruelle Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Wassereinlagerungen oder Brustspannen. Trauben-
silberkerze (Cimicifuga racemosa) zeigt gute Wirkung bei Hitzewallungen und allgemeinen Wechseljahrbeschwerden. Salbei (Salvia officinalis) hilft bei starkem Schwitzen, als Salbeihydrolat-Spray erfrischend auch zur äußerlichen Anwendung am ganzen Körper. Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) wirkt ähnlich dem Gelbkörperhormon und lindert Zyklusstörungen am Beginn der Wechseljahre. Hopfen (Humulus lupulus) zeigt östrogenartige Wirkung und hilft sehr gut bei Schlafstörungen. Rotklee (Trifolium pratense) beinhaltet Isoflavone, die als pflanzliche Östrogene wirken. Sojaisoflavone werden aus der Sojabohne gewonnen und wirken ähnlich dem Östrogen. Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) zeigt akut gute Wirkung bei starker Regelblutung.

Zur äußerlichen Anwendung bei Scheidentrockenheit eignen sich natürliche Zubereitungen mit Granatapfelöl, Aloe Vera gemischt mit ätherischem Kamillen-, Sandelholz- und Rosenöl. Auch Rosenhydrolat ist ideal zum Besprühen des Intimbereichs bei akuten Beschwerden wie Juckreiz und Rötung durch trockene Schleimhaut.

Sollten die Heilkräfte der Pflanzen keine ausreichende Linderung der Beschwerden bringen, ist ein Gespräch mit Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt zu empfehlen. Dort wird Ihr Hormonstatus durch eine Blutuntersuchung bestimmt und Sie werden ausführlich beraten, ob eine Hormonersatztherapie möglich und auch nötig ist.

Meist wird eine Kombination von Estradiol als Gel zur Anwendung auf der Haut mit Progesteron als Kapseln zum Einnehmen oder zur vaginalen Anwendung verordnet. Bei starker Scheidentrockenheit wird häufig das Östrogen Estriol als Vaginalzäpfchen oder Creme (lokal angewandt) verschrieben.

Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, wie Stress und Anspannung klimakterische Beschwerden verschlimmern können, deshalb sind einerseits Entspannungsübungen (Autogenes Training, Yoga) als auch Sport und Bewegung als idealer Ausgleich ratsam. Auch wenn die Wechseljahre für viele Frauen beschwerlich sein können, ist es ein natürlicher Prozess, den wir Frauen auch als Chance für eine neue und spannende Lebensphase sehen sollten.