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Lifestyle | 09.04.2019

Warten auf den Traummann

Während Männer aktiv auf Partnersuche gehen, lassen sich Frauen lieber von ihrem Traumprinzen finden. Aber ist das überhaupt noch zeitgemäß? Wir haben nachgefragt!

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Die Linzerin Susanne Daller ist alleinerziehende Mutter und auch eine jener Frauen, die lieber von ihrem Traumprinzen gefunden werden möchte. (© Andreas Röbl)

Männer suchen aktiv nach einer Partnerin, Frauen hingegen warten lieber auf ihren Traumprinzen und lassen sich finden. Das besagt zumindest eine aktuelle Studie von ElitePartner, einer Online-Premium-Partneragentur. Aber ist das im echten Leben tatsächlich so? Ja, sagt die Linzerin Susanne Daller. Sie ist Mutter eines 13-jährigen Sohnes und – abgesehen von kurzen Unterbrechungen – seit elf Jahren Single. Aktiv auf Partnersuche begibt sich die 45-Jährige trotzdem nicht. „Ich glaube, dass es nur ganz wenige Frauen gibt, die nicht gern gefunden werden würden“, sagt sie lächelnd. „Es geht ja auch darum, gesehen und aus der Masse auserkoren zu werden. Wem schmeichelt das nicht?“

Dass Männer nicht nur im Internet, sondern auch beim Weggehen in Bars oder Clubs aktiv auf Partnersuche sind, kann Daller nicht nachvollziehen. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man beim Fortgehen keine g‘scheiten Männer kennenlernt – und das haben mir auch viele andere Frauen bestätigt“, erzählt Daller. „Für mich ist das immer ein bisschen ein Schaulaufen, jeder will sich bestmöglich präsentieren und verkaufen. Das ist gar nicht mein Fall. Wobei ich als alleinerziehende Mama abends ohnehin nicht so viel unterwegs bin – und es auch nicht möchte.“

Wo ist der Traumprinz? In der Studie gaben die befragten Single-Frauen außerdem an, dem Traummann am liebsten in alltäglichen Situationen begegnen zu wollen. Das kann Susanne Daller gut verstehen. Auch sie würde einen Mann gern beim Laufen an der Donaulände, in der Straßenbahn oder an der Supermarktkasse kennenlernen. „Wo sollte ich sonst jemanden kennenlernen?“, sagt sie. „Es bleibt noch die Arbeit, und es ist bekannt, dass das der Heiratsmarkt Nummer eins ist. Aber das hat bei mir bisher nicht funktioniert. Sehr viele andere Möglichkeiten als der Alltag bleiben dann nicht mehr. Vielleicht noch beim Sport, weil ich zum Beispiel sehr gern Tennis spiele. Ähnliche Interessen sind auch ein guter Ansatz. Oder bei einer Veranstaltung, wie einem Konzert oder im Kabarett. Das wäre dann insofern gar nicht schlecht, weil man davon ausgehen kann, beim Humor oder Musikgeschmack auf einer Wellenlänge zu sein.“

Mensch statt Profilbild. Und was müsste passieren, dass sich die 45-Jährige doch im Internet auf die Suche nach ihrem Traumprinzen begibt? „Grundsätzlich mag ich dieses gezielte Suchen im Internet einfach nicht“, sagt Daller. „Ich möchte zuerst dem Menschen begegnen und nicht seinem möglicherweise geschönten Profilbild. Wobei ich nicht mehr rigoros nein dazu sage. Ich kenne ja selbst Menschen, die ihre Partner über Online-Partneragenturen kennengelernt haben und mittlerweile sogar verheiratet sind. Ich spreche dem Prinzip also nicht grundsätzlich ab, dass es funktioniert, aber im Augenblick ist es für mich noch keine Option. Ich hoffe immer noch, dass ich jemanden im realen Leben kennenlerne. Wenn das allerdings noch länger nicht passiert, werde ich vermutlich früher oder später trotzdem einen Online-Versuch starten. Mal sehen, was die Zukunft bringt!“

 

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Psychologin Mag. Isabella Woldrich (© Klemens Fellner)

„Viele Frauen wollen sich eine Abfuhr nicht antun.“

 

Warum lassen sich Frauen lieber von ihrem Traumprinzen finden, anstatt wie Männer aktiv nach ihm zu suchen?

Auch wenn wir Frauen uns zum Beispiel beruflich emanzipiert haben, halten sich im Bereich Beziehung und Sexualität gewisse Grundmuster relativ hartnäckig - kein Wunder, wenn wir schon als Kinder das Märchen von Dornröschen hören. Da muss sich der Prinz erst durch die Dornenranken kämpfen, bevor er die Prinzessin wach küssen kann. Es ist eine altbekannte Strategie. Natürlich haben sich Frauen auch in Sachen Partnersuche emanzipiert und nehmen sich oft schon, was und wen sie wollen. Aber oft bleibt ein bitterer Nachgeschmack, denn für viele Frauen ist - wenn auch oftmals unbewusst - ein One-Night-Stand der Einstieg in eine Beziehung. Und wenn er dann am nächsten Tag nicht mehr anruft, kommt das böse Erwachen. Viele Frauen wollen sich so eine Abfuhr einfach nicht antun.

Aber heißt es nicht auch: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt?

Das stimmt natürlich. Aber Frauen sind ungemein selbstkritisch, da tut eine Abfuhr doppelt weh. Wenn ein Mann kein Interesse hat, nehmen sie das sehr persönlich, auch wenn das Gegenüber ganz andere Gründe dafür hat. Männer sehen das oft sportlicher und denken: „Wer nicht will, der hat schon“. Frauen geben sich bei einer Abfuhr die Schuld und starten gleich die nächste Diät, weil sie glauben, sie wären nicht attraktiv genug. Wenn Frauen aktiv auf jemanden zugehen – egal ob online oder persönlich –, lehnen sie sich mit ihrem Selbstwert weit aus dem Fenster.  Da bleiben viele lieber in der passiven Rolle und warten – ist zwar weniger erfolgversprechend, aber das Risiko der Demütigung ist gleich Null.

Wobei man als Frau ja durchaus nachvollziehen kann, dass es dem Ego guttut, wenn man umworben wird, oder?

Natürlich, aber man darf nicht vergessen, dass Männer am Anfang genauso Angst haben und unsicher sind. Zumal Frauen heutzutage oft nicht zimperlich sind, wenn sie eine Abfuhr erteilen. Darum hilft es, ihnen mit einem Blick oder Lächeln sozusagen ein Startsignal zu geben. Männer brauchen diese Einladung, dass sie um die Frau werben dürfen.

Bei manchen Frauen hat man das Gefühl, dass sie sich selbst im Weg stehen …

Wenn jemand schon seit Jahren vergeblich auf den Traummann wartet, dann sollte man die Strategie ändern. Oft ist es nicht damit abgetan, sich bei einer Online-Plattform anzumelden. Manchmal passt ein neuer Partner noch gar nicht in das Leben passt oder das Herz noch nicht offen für etwas Neues ist. Meistens gibt es unbewusste Gründe, die einen noch abhalten und die man erst klären sollte. Dann kann man irgendwann die Scheuklappen abnehmen und sieht plötzlich auch die „guten Männer“, die zu einem passen und erkennt ihn vielleicht direkt bei der Straßenbahn-Haltestelle, weil er schon seit Monaten immer neben einem steht.