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Lifestyle | 06.07.2022

Von Urlaubsstress und hohen Erwartungen

Hotelzimmer, Brechdurchfall und Fieberschübe statt Sonne, Strand und Sangria! Die psychologische Beraterin Klaudia Lux erklärt, wie man damit umgehen kann, wenn die Urlaubsrealität nicht den Erwartungen entspricht.

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© Shutterstock

Entspannt am Strand liegen, einen Cocktail in der einen und ein Buch in der anderen Hand. Die Kinder spielen im Sand, alles ist gut. So geht Urlaub! Die Realität sieht dann leider vollkommen anders aus. Erst der Mega-Stau, dann fehlt der Balkon am Hotelzimmer und die Kinder streiten unentwegt. Erholung? Fehlanzeige! Aus diesem Grund warnt Mediatorin Klaudia Lux vor zu hohen Erwartungen und rät stattdessen zu einer guten Planung im Vorfeld, damit alle im Urlaub auf ihre Kosten kommen.

OBERÖSTERREICHERIN: Die Urlaubszeit wird von den meisten Menschen heiß ersehnt. Warum wird diese Zeit dennoch oft zur Herausforderung?

Klaudia Lux: Vorfreude ist ja oft die schönste Freude. Doch je näher der Urlaubsantritt rückt, umso mehr haben wir das Gefühl, noch Hunderte Dinge erledigen zu müssen: im Büro den Schreibtisch leer räumen, die Wohnung noch durchputzen, die Klimaanlage vom Auto durchchecken – für viele geht der Arbeitsstress direkt in Urlaubsstress über.

Was bedeutet Urlaubsstress?

In unserer Vorstellung haben wir uns Sonne, Strand und Sangria am Pool ausgemalt. Daraus wird oft Hotelzimmer, Brechdurchfall und Fieberschübe, im Fachjargon „Leisure Sickness“ genannt. Das bis zum letzten Arbeitstag kämpfende Immunsystem hat endlich Zeit, sich zu melden. Und unsere Konfliktthemen mit Partner oder Kindern bleiben leider auch nicht zu Hause. Werden sie im Alltag gern überspielt, zeigt sich im Urlaub, dass man sich noch eine ganze Menge zu sagen hat – und zwar in gehobener Lautstärke. Dazu noch verspätete Flüge oder Lärm im Hotel, und schon ist alles angerichtet, was es für eine ausgewachsene Krise braucht.

Wie sieht es mit Erwartungen und fixen Bildern im Kopf aus?

Enttäuschung ist: Erwartung dividiert durch Erreichtes. Je kleiner der Zähler, desto geringer der Frust. Aber gerade im Urlaub wollen wir nachholen, was wir das ganze Jahr über vermisst haben. Alles freut sich, aber nicht immer auf dasselbe! Sie träumt vom romantischen Spaziergang am Strand, er will endlich Zeit für sich, radeln, surfen, schnorcheln. Sie will Kunst und Kultur genießen, er ein kühles Blondes in sicherer Entfernung von jeder Galerie. Wenn wir bekommen, was wir wollen, sind wir glücklich. Wenn wir nicht bekommen, was wir wollen, sind wir unglücklich. Wenn wir also unser Lebensglück davon abhängig machen, ob ein anderer etwas tut oder lässt, dann haben wir ein Problem. Und so kommt es, dass anstelle des perfekten Glücks nur Streit und dicke Luft herrschen. 

Wie wichtig ist „Paar-Zeit“  grundsätzlich in einem Urlaub?

Wichtig ist, die Erwartungen im Vorfeld zu klären und die Pflege der Paarbeziehung nicht rein auf den Urlaub zu verschieben. Leider ist die Zweisamkeit als Paar im Urlaub oft Luxus. Die Wände der Campingzelte sind dünn und hellhörig, die Kinder wollen tagsüber beschäftigt werden. Abends sind sie vom Animationsprogramm so aufgedreht, dass die erschöpften Eltern gern vor den Kindern wegschlummern. Da bleibt oft wenig Raum für romantische Gedanken. 

Wie kann es gelingen, im Urlaub nicht nur auf die Bedürfnisse der anderen zu achten, sondern auch auf die eigenen?

Zugegeben – ganz einfach ist das nicht. Gerade Mütter, deren Alltag oft sehr fordernd ist und trotzdem ohne Dank bleibt, sollten auf den entsprechenden Entspannungsfaktor im Urlaub achten. Gelingen kann dies mit einer guten Planung im Vorfeld: Um nicht wieder fürs Kochen, Abwasch und Wäsche allein verantwortlich zu sein, eignet sich ein Familienhotel mit entsprechendem Angebot besser als eine Ferienwohnung. Ruhe im Urlaub für sich selbst muss dann richtig organisiert werden: Ab mit den Kindern mit Papa zur Wasserrutsche oder notfalls auch in den Kinderclub und dann allein am Strand ein Buch lesen oder durch die Altstadt flanieren. Und kein schlechtes Gewissen aufkommen lassen, denn wie Michael Hyatt richtig bemerkt: „Sie können sich um niemanden kümmern, es sei denn, Sie kümmern sich zuerst um sich selbst.“ 

Sollte man seinen Fokus grundsätzlich auf das Positive legen, um einen entspannten Urlaub verbringen zu können?

Eine positive Grundstimmung sollte generell unser Ziel sein – und zwar täglich, nicht nur im Urlaub. Eigentlich sollten wir unser Leben so leben, dass wir uns im Urlaub nicht von unserem Leben erholen müssen. Manchmal geben wir die Verantwortung über unser Wohlbefinden auch an Umstände, wie dem fehlenden Meerblick, oder Personen, etwa die Schwiegereltern, ab, statt es selbst in die Hand zu nehmen. Wir können die Umstände allerdings nur selten und die anderen Menschen nie ändern, den Umgang mit ihnen und die Wirkung auf uns aber schon. Das haben wir selbst in der Hand!

Wenn man selbst gut drauf ist: Wirkt sich das auch positiv auf die Stimmung aller anderen Familienmitglieder aus?

Natürlich, und wie! Gute Laune ist ansteckend. Das Phänomen heißt emotionale Ansteckung. Es bedeutet, dass Menschen die Gefühle anderer übernehmen. Obwohl Gefühle unsichtbar sind, sind sie so ansteckend wie ein Virus. Verantwortlich dafür sind die Spiegelneuronen, die uns in kürzester Zeit mit den Gefühlen der anderen Person anstecken. Deshalb schlägt sich die eigene positive Stimmung unmittelbar auf die Stimmung aller nieder.

 

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„Unsere Konfliktthemen mit Partner oder Kindern bleiben leider nicht zu Hause, sondern begleiten uns in den Urlaub.“ - Claudia Lux

Klaudia Lux

Eingetragene Mediatorin

Psychologische Beraterin 

Coach / Supervisorin

 

Hauptstraße 26/4, 4040  Linz

Tel. 0664/3727981

E-Mail: [email protected]

www.kalumed.at