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Lifestyle | 11.06.2019

VOM SOFA AUF DIE TILLYSBURG

Wenn er nicht als „Papa Putz“ mit seiner Werbefamilie durchs Möbelhaus rockt, steht Hubert Wolf als Schauspieler und Kabarettist auf der Bühne. Bereits zum dritten Mal gastiert der gebürtige Braunauer im kommenden Sommer bei den Festspielen Schloss Tillysburg und ist dort in gleich zwei unterschiedlichen Stücken zu sehen.

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Hubert Wolf ist als Sohn von Nebenerwerbsbauern in Braunau aufgewachsen. Heute lebt der 52-jährige Schauspieler, Kabarettist und Werbestar mit Frau und Tochter in Wien.

Der Sommer naht und Hubert Wolf zieht es wieder in den idyllischen Schlosshof der Tillysburg bei St. Florian. Dort ist der Schauspieler und Kabarettist heuer einerseits als Fürst Plata-Ettin in Molnárs „Olympia“ zu sehen, zum anderen steht er als Andreas im Stück „Jesus und seine Hawara“ auf der Bühne. Was das Publikum erwartet, warum er keine Traumrolle hat und wie seine Eltern reagiert haben, als er der Bühne zuliebe sein Studium schmiss, erzählt der sympathische Schauspieler, der mit Frau und Tochter in Wien lebt, im Interview.

 Die nervigste Frage gleich am Anfang. Man nimmt Sie in der Öffentlichkeit eher als „Papa Putz“ aus der Lutz-Werbung wahr denn als Schauspieler und Kabarettist. Stört Sie das?

Nein, das stört mich insofern nicht, weil es eine ganz logische Ursache hat. Denn mit kaum einem anderen Engagement erhält man eine derart große Präsenz wie in der Werbung. Ich mache das mittlerweile schon seit 20 Jahren, und es ist gut so.

Somit sind Sie wahrscheinlich der längst dienende heimische Werbestar?
Das nehme ich an. Denn ein ähnliches serielles Konzept wie die „Familie Putz“ hat es meines Wissens im österreichischen Fernsehen noch nie gegeben.

Wie laufen die Dreharbeiten zur Lutz-Werbung ab?
Die Dreharbeiten sind kurz und sehr intensiv. Wir drehen in zwei Blöcken, immer ein halbes Jahr, bevor der Spot erscheint. Wenn wir drehen, bin ich ungefähr eine Woche im Einsatz, dann habe ich wieder ein halbes Jahr Pause.

Wie sind Sie dazu gekommen?
Ganz unspektakulär und klassisch über ein Casting.

Sie sind in Braunau geboren und dort als Sohn von Nebenerwerbsbauern aufgewachsen. Wann war Ihnen bewusst, dass Sie Schauspieler werden möchten?Es war kein Kindheitstraum von mir, Schauspieler zu werden. Im Alter von 16 oder 17 Jahren war mir aber klar, dass ich beruflich etwas Kreatives machen möchte. Von der Schauspielerei oder vom Theater habe ich damals in Braunau allerdings recht wenig mitbekommen. Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich vielleicht zwei Theaterstücke gesehen. Ich habe aber mit Freunden in einer Schulband gespielt und dabei sehr schnell gemerkt, dass mir die Bühne taugt. Einzig das Instrument ist mir ein bisschen im Weg gestanden. (lacht) Ich war nämlich nicht der beste Musiker, aber die Show hat mir großen Spaß gemacht. Eines Tages gastierten Alfred Dorfer, Roland Düringer und Eva Billisich mit der Kabarettgruppe „Schlabarett“ in Braunau. Sie haben mich inspiriert. Ich habe mir damals gedacht: Das möchte ich auch probieren. Das war der Stand der Dinge, als ich von Braunau nach Wien studieren ging.

Haben Sie in Wien eine Schauspielschule gemacht?
Eine Schauspielschule habe ich mir nicht zugetraut, denn wenn jemand gesagt hätte: „Du kannst das nicht!“, hätte ich es womöglich bleiben lassen. So habe ich versucht, auf anderen Wegen einen Zugang zu finden. Der Einstieg war sehr schwierig, und als blutiger Anfänger mit wenig Geld in der Tasche hatte ich kaum eine Chance. Während meinem Studium habe ich verschiedene Schauspielkurse belegt. Irgendwann bin ich zu Regisseur Markus Kupferblum gekommen, der drei- bis viermal die Woche kostenlose Schauspieltrainings angeboten hat. So bin ich langsam in die Theaterszene reingekommen.

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Entspannter Talk mit Chefredakteurin Ulli Wright im SO/Vienna Hotel in Wien.

Wann bekamen Sie Ihre erste Rolle?
Ich war sicher schon zwei Jahre in Wien, als mir Markus Kupferblum eine Zweisatz-Rolle in seinem Stück „Penthesilea“ von Kleist angeboten hat. Mein Studium habe ich damals eher halbherzig betrieben, somit ist auch nichts weitergegangen. Kurz bevor „Penthesilea“ auf die Bühne kam, bin ich wieder einmal bei einer Prüfung gesessen, für die ich nichts gelernt habe; ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich nie mehr auf die Uni gehen würde. Da ältere Kollegen „Penthesilea“ in der Fassung von Kupferblum zu schräg fanden, haben sie sich nach der Reihe verabschiedet – und plötzlich hatte ich die Hauptrolle inne.

Wie ist es Ihnen dabei ergangen?
„Penthesilea“ von Kleist ist sicher eines der schwierigsten Stücke im deutschsprachigen Raum. Wir haben uns sechs Monate lang intensiv mit dem Text und dem gesamten Stück beschäftigt. In dieser Zeit habe ich spielerisch irrsinnig viel gelernt. Das Stück selbst ist zwar nicht wahnsinnig gut geworden, aber es war mein erster Schritt in die Schauspielerei, und ich konnte mich damit erstmals selbst erfahren. Noch im selben Jahr bin ich ins Serapionstheater gekommen, ein reines Körpertheater, und ich habe auch in Karl Welunscheks Nestroy-Stück „Liebesgeschichten und Heiratssachen“ mitgewirkt. Bei dieser Produktion waren auch Adi Hirschal, Karl Markovics und Wolfgang Böck dabei. Dann ist es richtig losgegangen, denn sobald man einiges auf der Bühne gemacht hat, wird man gesehen und weiterempfohlen. Somit kam der Stein ins Rollen.

Was haben Ihre Eltern dazu gesagt, dass Sie das Studium geschmissen haben und Schauspieler wurden?
Ich habe ihnen das natürlich schonend beigebracht und sie wirklich langsam drauf vorbereitet. (lacht) Ich habe ja selber lange nicht gewusst, ob es mit der Schauspielerei klappen wird. Irgendwann, als die Zeit reif war, habe ich sie zu einer Aufführung eingeladen. Sie sind gekommen und haben gesehen, dass es funktioniert.

Wie viel bringt man von sich selbst in eine Rolle ein?
Man bringt sich in jede Rolle immer auch selber ein, und im Idealfall packt man das, was gefragt ist, aus. Dabei erweitert man seinen Horizont. Wenn man sich nicht selbst einbringt, wirkt es aufgesetzt.

Sie haben bei TV-Serien wie „Kommissar Rex“, „Kaisermühlenblues“, „Trautmann“ oder „Schnell ermittelt“ gespielt. Was taugt Ihnen mehr: Bühne oder Fernsehen?
Im Vergleich zu dem, was ich auf der Bühne gemacht habe, habe ich im Fernsehen relativ wenig gemacht. Ich weiß, wie es vom Alltag her ist, wenn man vier bis fünf Theaterstücke im Jahr spielt, aber wie das ist, wenn man wirklich viel fürs Fernsehen dreht, das kenne ich nicht.

Kommenden Sommer stehen Sie bereits zum dritten Mal bei den Festspielen Schloss Tillysburg auf der Bühne. Worauf darf sich das Publikum freuen?
Heuer steht mit „Oympia“ von Ferenc Molnár eine überraschende und durchaus ironische Komödie am Programm. Mit „Olympia“ geht es in jedem Fall in derselben Linie weiter wie vor zwei Jahren in Arthur Schnitzlers„Komtesse Mizzi“ und im Vorjahr in Hugo von Hofmannthals „Der Schwierige“. Alle Stücke bearbeiten die Zeit um die Jahrhundertwende und befassen sich mit der gehobenen Gesellschaft. Wobei „Olympia“ fast ein bisschen ein Krimi ist. Die Struktur des Stücks hat einige Wendungen, die man nicht erwartet. Es geht vor allem um Standesdünkel und ein starkes Duell zwischen Mann und Frau. Der gute Ruf ist das Wichtigste, und dafür wird viel geopfert.

Darüber hinaus stehen Sie auch im Stück „Da Jesus und seine Hawara“ auf der Bühne im Tillysburger Schlosshof. Verraten Sie, was uns erwarten wird?
Es wird sicher spannend, denn das Kultbuch aus den 1970er-Jahren gibt es bis dato nicht als Bühnenfassung. Regisseur Niko Büchel wird es für die Bühne adaptieren. Das Buch ist praktisch ein wienerisches Evangelium und ein Klassiker des Wiener Dialekts. Das Stück wird sicher all jene begeistern, die Wiener Dialekt mögen. Jetzt müssen wir halt schauen, wie sich es auf die Bühne transportieren lässt.

Viele Theaterfreunde kennen Sie auch noch vom Theatersommer in Haag, wo Sie 2008 im „Gespenst von Canterville“ mitgewirkt haben. Seit wann sind Sie beim Sommertheater präsent und wie ist das Publikum?
Ich bin jetzt seit fast 30 Jahren Schauspieler, die vergangenen zehn Jahre habe ich jedes Jahr Sommertheater gespielt. Jedes Sommertheater hat sein eigenes Niveau, seine Nische und damit auch sein eigenes Publikum, das es anspricht. Es gibt Stücke, in denen es mehr um Klamauk geht, und auch solche, die sehr ernst sind. Das ist sehr verschieden. Die Festspiele Schloss Tillysburg haben ein sehr hohes Niveau und auch ein sehr anspruchsvolles Publikum.

„Olympia“ feiert am 4. Juli Premiere, „Da Jesus und seine Hawara“ am 11. Juli. Wie laufen die Proben ab?
Die Proben starten für uns Schauspieler in Wien, Mitte Juni übersiedeln wir dann nach St. Florian. Es wird für mich heuer sicher eine besondere Herausforderung, da ich in zwei Stücken parallel spiele.

 

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Bei den Festspielen Schloss Tillysburg ist Hubert Wolf in zwei unterschiedlichen Stücken, die parallel laufen, zu sehen.

Mittlerweile haben Sie auch vier Kabarettprogramme veröffentlicht. Schreiben Sie die Stücke selbst?
Ich schreibe alle meine Kabarettstücke selber. Das Erste, was ich im Leben überhaupt geschrieben habe, war ein Lied. Irgendwann hat- te ich mehrere Lieder beisammen und gestaltete daraus ein abendfüllendes Programm. Die Musik war bisher immer ein starker Part in meinen eigenen Stücken. 

Schauspieler, Musiker, Werbestar – Sie sind schon ein ziemlicher Allrounder.
Zur Musik bin ich gekommen, weil ich immer geglaubt habe, dass ich nicht singen kann. Davon habe ich mich befreit, indem ich mir selber ein Lied geschrieben habe. Auf diese Weise habe mir die Angst vorm Versagen genommen. Mittlerweile geht das mit dem Singen schon recht gut. (lacht)

Wenn man für eine lange Zeit mit ein und demselben Stück auf der Bühne steht, wird das nicht irgendwann einmal langweilig?
Da gibt es Abstufungen und verschiedene Schattierungen von Grau. Im Idealfall kann man selber beeinflussen, dass es nicht langweilig wird, indem man sich ständig weiterentwickelt. Auch wenn das die Zuschauer nicht wahrnehmen, aber in seinem eigenen Bereich hat man die Chance, kleine Wege anders zu gehen. Und wenn man sich auf diese Weise fordert, dann muss es keine Routine werden.

Wie wichtig ist Ihnen die Nähe zum Publikum?
Die Nähe zum Publikum ist mir sehr wichtig und fehlt mir bei einem Fernsehdreh extrem. Ich war es von Anfang an gewohnt, mit dem Publikum zu spielen. Das Publikum ist für mich wie ein Partner, wenn du eine Geschichte erzählst, weißt du sofort, wie du dran bist.

Kommen Sie noch öfter in Ihre oberösterreichische Heimat?
Über mein Engagement bei den Festspielen Schloss Tillysburg bin ich jetzt schon das dritte Mal in Folge im Sommer in Oberösterreich. Zu meiner Familie in Braunau komme ich ein- bis zweimal im Jahr.

Treffen Sie noch Freunde von damals in Braunau?
Viele von den Freunden, mit denen ich noch nahe in Kontakt stehe, sind auch nach Wien gegangen. Aber im Sommer habe ich ein Treffen vom ehemaligen Fußballverein, mit dem wir 1982 in Oberösterreich Juniorenmeister wurden. Da werde ich einige Bekannte sehen, die ich schon seit 30 Jahren nicht mehr getroffen habe.

Wie leben Sie? Haben Sie auch privat eine Familie?
Ja (lacht), ich habe eine Frau und eine Tochter. Wir leben in Wien.

 

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Vier Kabarett-Programme hat Hubert Wolf bereits veröffentlicht. Die Musik ist dabei immer ein starker Part.

Wäre es für Sie als Schauspieler jemals interessant gewesen, nach Deutschland, etwa in die Film- und Schaupielmetropole Berlin, zu gehen?
Vor der Familie hätte ich es bestimmt riskiert, aber da hat es sich nie so richtig ergeben. Danach war es schwierig. Und ich wollte eigentlich auch nicht mehr.

Wie darf man sich Ihr Leben als Schauspieler vorstellen? Was machen Sie, wenn Sie kein Engagement haben?
Sie meinen, was ich dann tagsüber so mache? (lacht) Es hat auch seine schönen Seiten, wenn man mal nicht so eingespannt ist. Aber wahrscheinlich geht es mir so wie anderen Freiberuflern: Entweder es kommt alles auf einmal zusammen oder dann wieder für eine längere Zeit nichts. Das ist sehr fordernd.

Gibt es eine Traumrolle?
Nein, eine Traumrolle gibt es nicht. Es hat mir immer getaugt, wenn etwas auf mich zukam, von dem ich keine Ahnung hatte. Jedes Mal, wenn ich mich in ein Stück und eine Rolle einlese, ist das für mich absolutes Neuland, aber das macht es eben interessant.

Was steht beruflich gesehen in naher Zukunft an?
Vorerst konzentriere ich mich voll und ganz auf die zwei Stücke auf Schloss Tillysburg. Dann spiele ich im Herbst in einer Komödie im Theatercenter Forum in Wien mit und habe für die nächsten Jahre schon drei weitere Anfragen. Vor Kurzem habe ich meine erste Regiearbeit mit dem Magier Paul Sommersguter abgeschlossen. Das ist eine Magic Comedy, die am 18. April in der Casanova Bar in Wien Premiere gefeiert hat.

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?
In meiner Freizeit denke ich darüber nach, was ich als Nächstes machen werde. Ich übe zum Beispiel Gitarrespielen und hoffe, dass ich zumindest in der Rente etwas Gescheites zusammenbringe. (lacht) Wenn ich einmal eine längere Pause habe, schreibe ich an einem neuen Stück, meistens kommt dann wieder ein Auftrag rein und lenkt mich ab. Es ist Fluch und Se- gen zugleich, wenn man vielseitig ist und auf verschiedene Arten arbeiten kann. Aber es ist gut so, wie es ist. Es ist viel Abwechslung da im Leben, wenn man nicht immer am selben Fuß stehen muss.

Lifestyle | 11.06.2019

FESTSPIELE SCHLOSS TILLYSBURG

Programm von 4. Juli bis 28. August: „Olympia“ „Da Jesus und seine Hawara“ „Kaiser Josef und die Bahnwärterstochter“ „Krach im Hause Gott“ Tickets: E-Mail: [email protected] Kartenhotline: Di. bis Fr. von 9 bis 12 Uhr Tel.: 0663/06444440 www.oeticket.com www.festspiele-schloss-tillysburg.at www.domainname.at