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Lifestyle | 17.12.2021

Vom Fliegen und Schneiden

Die Kärntner Video- und Textilkünstlerin Ina Loitzl stellt bis 20. März 2022 ihre aktuellen Arbeiten unter dem Titel „Vom Fliegen und Schneiden“ im Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels aus.

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© Pia Sternbauer, Arnold Pöschl

Durch die Kombination unterschiedlicher Techniken entstehen beeindruckende Objekte und Installationen, mit denen Ina Loitzl die BetrachterInnen zum Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen anregt. Im Museum Angerlehner zeigt sie tragische Figuren aus der griechischen Mythologie und beschäftigt sich in ihrer Serie CUTOUTS mit dem Körper der Frau, dessen natürlichen Eigenschaften und dem Begriff der Weiblichkeit. Wir haben mit der in Wien lebenden Künstlerin über ihren Zugang zur Weiblichkeit und ihre künstlerische Arbeit gesprochen.

 

OBERÖSTERREICHERIN: Frau Loitzl, was erwartet die BesucherInnen in Ihrer aktuellen Ausstellung?

Ina Loitzl: Die Technik, die sich durch beide Teile der Ausstellung zieht, ist der Scherenschnitt. Ich sage CUTOUT dazu, weil es eigentlich keine Schere ist, sondern ein Schneidmesser mit vielen Klingen. Die Ausstellung ist in zwei Bereiche aufgeteilt, im blauen Raum geht es um Ikarus‘ Absturz, den Generationenkonflikt zwischen Vater und Sohn, die Metamorphose von Ovid und die Geschichte des Scheiterns. In der Politik haben wir ja gerade viele Abstürze, das passt perfekt (lacht). Im zweiten Teil, dem roten Raum, geht es um feministische Themen, wie den weiblichen Körper, wie man als Frau damit umgeht und welche Bilder Frauen von außen aufgedrückt bekommen. 

 

Ihr kreatives Prinzip ist das Zusammenbringen unterschiedlicher Medien und Materialien. Welche Materialien kommen bei den im Museum Angerlehner ausgestellten Kunstwerken zum Einsatz? 

Es ist eine Animation ausgestellt, Collagen mit Nähelementen, Textilobjekte und natürlich ganz viel Scherenschnitt. Auch im Video und in den Collagen ist der CUTOUT vorhanden. Das Thema zieht sich durch die gesamte Ausstellung.  

 

Sie beschäftigen sich in Ihren Arbeiten viel mit dem weiblichen Körper und dem Frausein. Was ist Ihnen dabei wichtig, worauf möchten Sie aufmerksam machen in Ihrer Kunst?

Ich habe mir diesen Sommer einen Bikini gekauft und da ist in der Intimzone eine Schutzfolie eingeklebt. So etwas findet man in Badehosen für Männer nicht. Solange der Schambereich (dieses Wort alleine ist schon bedenklich) von Frauen immer noch als schmutzig und ihre Haare als zu erotisch gelten, finde ich das sehr problematisch. Wenn die Erziehung immer noch über die Frauen geht, die Gehälter immer noch niedriger sind, die Themen Menstruation und Wechsel immer noch vertuscht werden, das Selbstbewusstsein des weiblichen Körpers immer noch ein Thema ist, dann muss man auch immer noch feministische Kunst machen. 

 

Auf den ersten Blick sieht man bei Ihren CUTOUT-Arbeiten florale Muster. Erst auf den zweiten Blick lassen sich weibliche Geschlechtsorgane erkennen. Welche Intention steckt da dahinter?

Man kann sich meine Arbeiten ansehen und sagen „Ich sehe eine Blüte“ und das reicht auch. Man kann aber auch beides darin sehen. Es ist ein intimes Thema und da lasse ich es den BetrachterInnen frei, was sie darin sehen möchten. Das ist ja auch von Erziehung, Religion und vom Alter abhängig, wie offen man für dieses Thema ist. Witzigerweise werde ich trotzdem oft zensuriert, wo ich dann lache und mir denke, Leute schauen sich beim Busfahren Pornos am Handy an und hier wollen sie nicht mal eine Blüte zeigen. 

 

 

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© Pia Sternbauer, Arnold Pöschl

Inwieweit steht die Technik des CUTOUTS mit dem Thema des weiblichen Körpers in Verbindung?

Da bin ich eigentlich erst mit der Zeit draufgekommen. Ich arbeite mit Schnitten und sehe hier Parallelen mit den Einschnitten ins Leben. Die Geburt ist ein Einschnitt – mit welchem Geschlecht, zu welcher Zeit und in welchem Kulturkreis ich zur Welt komme, ist ein großer Einschnitt. Die Pubertät und die erste Menstruation und vor allem wie das in der Familie aufgenommen wird, ist ein wichtiges Ereignis. Ich hatte Glück, meine Mutter hat meine erste Periode mit Sekt gefeiert (lacht). Ich hatte sehr starke Schmerzen und eine starke Blutung und habe trotzdem die Periode immer als etwas Positives gesehen. Sexualität, Familie gründen, Schwangerschaft, Mutter werden, weibliche Krankheiten, Menopause … das sind alles wichtige Einschnitte.

 

Was bedeutet für Sie Weiblichkeit?

Für mich bedeutet Weiblichkeit positive Energie, Humor, Kraft, starke Sexualität und ein gutes Körperempfinden. Die Möglichkeit, Kinder zu bekommen, finde ich sehr schön. Weiblichkeit heute ist natürlich ganz anders als vor 100 Jahren.

 

Der Begriff „Feministische Kunst“ ist in den 1960er-Jahren entstanden, als Künstlerinnen aus traditionellen Frauenrollen ausbrechen wollten. Wieso ist 2021 feministische Kunst immer noch wichtig?

Nach der Ausbildung liegen die Künstlerinnen markttechnisch im Hinterfeld: Das betrifft museale Solo-
ausstellungen, Preisbildungen und besonders Nachlassverwaltungen. Ich habe auch das Gefühl, dass Frauen untereinander es sich nicht gerade leicht machen. Gerade weil man es als Frau schwerer hat, hat man in jungen Jahren kaum Ressourcen, andere zu unterstützen und man muss uralt werden, um die Früchte seiner Arbeit zu ernten. Um so mehr freue ich mich über diese meine bisher größte Präsentation.

 

Museum Angerlehner 

Thalheim bei Wels

www.museum-angerlehner.at

12. 09. 2021 – 20. 03. 2022 

So., 12. 12. 2021, 11 bis 15 Uhr: 

 

Workshop mit Ina Loitzl 

„CUTOUT“

13. 01. – 16. 01. 2022: 

LIVE CUTOUT im Museum