Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 06.04.2021

Vom Acker bis zur Leberkäsesemmel

Gourmetfein steht für volle Transparenz

Bild 2104_N_Gourmetfein_Neu-3.jpg

Die Landwirtschaft befindet sich nicht erst seit Corona in einer Krise. Obwohl regionale Lebensmittel stark nachgefragt werden, kämpfen viele Höfe ums Überleben. Wie können negative Entwicklungen gestoppt werden und welche Rolle nehmen dabei Fleischproduzenten ein? Wir haben mit Fritz Floimayr, Gründer von Gourmetfein, darüber gesprochen, wie er mit einer einzigartigen Wertschöpfungskette und als Unterstützer des erfolgreichen Tierschutzvolksbegehrens eine gesellschaftliche Debatte angestoßen hat.

 

OBERÖSTERREICHERIN: Sie haben sich in den letzten Monaten immer wieder kritisch zur Entwicklung der Landwirtschaft geäußert. Was läuft aus Ihrer Sicht schief?

Fritz Floimayr: Seit dem EU-Beitritt haben 80 Prozent der heimischen Schweinebauern aufgeben müssen, laut Landwirtschaftskammer könnten bis 2025 weitere 9.000 Höfe für immer schließen. Wem das keine Sorgen bereitet, hat nicht verstanden, wie wichtig unsere Landwirtschaft ist. Da geht‘s um die Selbstversorgung, um die Vitalität der Regionen, um den Tourismus, um die Zukunft des ländlichen Raums. Wir müssen viel mehr von diesen Zusammenhängen erklären, damit Konsumenten auch ihrer Verantwortung am eigenen Teller nachkommen können.

Der Konsum von Schweinefleisch hat in der Zeit kaum abgenommen, ist den Konsumenten egal, woher ihr Fleisch stammt?

Der Mehrheit mit Sicherheit nicht, aber wir erfahren viel zu oft nicht, woher es wirklich stammt. Solange es erlaubt ist, dass die Herkunft verschleiert wird, solange werden Menschen nicht bewusst konsumieren können. Der massenhafte Import von Billigfleisch aus dem Ausland verstärkt die bestehenden Probleme noch. Wir importieren damit das Tierleid und die Naturzerstörung und heizen das Bauernsterben an. Und irgendwann gibt‘s bei uns keine Bauern mehr, dafür Unmengen an Fleisch aus China und Russland. Wollen wir das?

Die Erzeugung von Fleisch ist doch mit einem erheblichen Aufwand verbunden, wie kann man so billig produzieren?

Wer auf Kosten der Tiere, der Natur und der Landwirte produziert, kann sich natürlich viel Geld sparen. Denken wir etwa an den brasilianischen Regenwald, der auch für den Anbau von billigem Soja brennt, das bei uns dann verfüttert wird. Wer hätte gedacht, dass diese Art von Soja nach wie vor sogar innerhalb des AMA-Gütesiegels eingesetzt wird, Hunderttausende Tonnen jedes Jahr? Das ist Raubbau an der Zukunft unserer Kinder und das lehnen wir daher ab. Und natürlich ist die Kleingruppenhaltung von Tieren bei uns weitaus aufwendiger als die anonyme und automatisierte Massentierhaltung im Ausland. 40.000 Schweine in einer Halle, die sich tagelang selbst überlassen bleiben, sind da keine Seltenheit. So entstehen zu extrem hohen, wahren Kosten unverschämt niedrige Preise.

Was sagen Sie Menschen, die meinen, dass Fleisch auch leistbar bleiben muss? 

Denen sage ich, dass man an den Gourmetfein-Produkten sieht, dass guter Geschmack, höchste Qualität und garantierte Regionalität absolut leistbar sind. Auf die Portion gerechnet, sind es nur ein paar Cent mehr, die übrigens auch direkt bei unseren rund 200 Partnerbauern ankommen. Das muss es uns wert sein. Die Rechnung für billiges Fleisch zahlen die leidenden Tiere in der ausländischen Massentierhaltung und wir alle mit unserer Gesundheit, verseuchten Böden und einer sterbenden kleinbäuerlichen Landwirtschaft.

 

Bild 2104_O_Gourmetfein-10.jpg
Gourmetfein-Gründer KommR Fritz Floimayr

Sie verzichten auf Glyphosat, Regenwald-Soja und Langstrecken-Tiertransporte, ihr Leberkäse gilt als „Klima­champion“. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Als Familienunternehmen wollen wir den Grund und Boden, den wir mit unseren Partnerbauern bewirtschaften, auch der nachfolgenden Generation noch intakt überlassen. Die Einstellung der Konsumenten ändert sich gerade stark in diese Richtung. Wir haben also das große Glück, dass unsere persönliche Haltung sich mit den Wünschen der Kunden deckt und wir daher unseren eigenen Werten entsprechend produzieren können. Das beste Beispiel dafür ist eben unser Leberkäse, bei dessen Erzeugung 50 Prozent weniger CO2 ausgestoßen wird. Das ist ein ganz konkreter aktiver Beitrag zum Klimaschutz.

Vor allem Regionalität wird derzeit stark nachgefragt, doch nicht immer steckt auch in der Packung drin, was angeblich draufsteht. Verstehen Sie die Verunsicherung?

Natürlich! Es wird leider tatsächlich viel Schindluder getrieben und darunter leiden alle, auch diejenigen, die sauber produzieren. Wir haben uns früh die Frage gestellt, wie wir glaubhaft machen können, dass bei uns wirklich 100 Prozent Regionalität drinsteckt. Wir setzen hier auf volle Transparenz, auf eine hofgenaue Herkunftskennzeichnung, vom Acker bis zur Leberkäsesemmel. Bei uns steht sogar der Name der erzeugenden Bauernfamilie drauf, noch mehr Einblick geht nicht. Und das ist auch ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Landwirten. Wir sind stolz auf ihre Arbeit und das zeigen wir auch.

Was hat es mit der berühmten eidesstattlichen Erklärung von Gourmetfein auf sich? 

Das ist die zweite Seite der gleichen Medaille. Behaupten kann man viel, aber wer eine eidesstattliche Erklärung abgibt, der riskiert ernste rechtliche Konsequenzen, wenn er nicht hält, was er verspricht. Ich habe mich daher entschlossen, diese persönliche Haftung zu übernehmen, weil ich ein unmissverständliches Signal an unsere geschätzten Kunden aussenden wollte: Bei Gourmet-
fein steht der Eigentümer selbst zu dem, was das Unternehmen behauptet. Wir verarbeiten ausschließlich die Ware von unseren Partnerbauern, kein einziges Kilo stammt bei uns aus dem Ausland.

Also eine geschlossene Kette der Transparenz, vom Bauern bis zum Schlachthof?

Und darüber hinaus. Der Gourmetfein-Weg beginnt bei den Futtermitteln und endet an der Theke, in den Feinkostgeschäften von Zellinger oder bei unseren Partnern, egal, ob im Handel oder im Rahmen von MyMetzger. Es gibt immer mehr Orte, wo man Produkte aus dem Hause Gourmetfein, wie Leberkäse und Wurstwaren oder die OBERIO Hofgenau Fleischlinie beziehen kann. Das ist uns wichtig, bei uns gibt‘s keine anonyme Ware aus dem Nirgendwo, sondern Qualitätsprodukte mit klarer Herkunft und transparenter Geschichte. Nicht zu 15 oder 20 Prozent, sondern zu 100 Prozent. Das unterscheidet uns von allen anderen.

Auch in Österreich gibt es Kritik an den vorherrschenden Zuständen, insbesondere an den konventionellen Standards in der Schweinehaltung. Muss sich was ändern?

Wir müssen uns immer weiterentwickeln, Stillstand ist keine Option. Früher ging es darum, möglichst schnell möglichst viel zu erzeugen, das war auch die Anforderung nach dem Krieg. Heute ändert sich das Konsumverhalten der Menschen und auch ihr Bezug zur Nutztierhaltung, dem müssen wir Rechnung tragen. Wir bekennen uns zur Weiterentwicklung und ich persönlich kenne keinen Bauern, der nicht Teil dieses Fortschritts sein möchte. Aber es muss den Landwirten auch möglich gemacht werden. Wogegen ich mich verwehre, ist plumpe Symptombekämpfung am Rücken unserer Bauern.

 

Bild 2104_N_Gourmetfein.jpg
Bauernhof von Partnerbauer Herbert Pointner

Wie soll die Weiterentwicklung konkret aussehen?

Zum einen müssen Agrarförderungen zielgerichteter erfolgen, damit hohe Investitionen besser abgefedert werden können. Das reicht aber nicht. Wir müssen den Mehraufwand der Bauern in der täglichen Arbeit auch mit höheren Preisen abgelten. Genau das machen wir bei Gourmetfein, wenn wir im Schnitt rund 20 Prozent über dem Marktpreis bezahlen. Das ist die finanzielle Basis, die unsere Bauern für den Fortschritt brauchen.

Mein Anspruch dabei ist der Ausbau des „Feinkostladen Österreich“, ich sehe hier enorme Chancen für unsere Landwirtschaft. Dazu braucht es eine faire Verteilung von Fördergeldern, weg von den Konzernen hin zu den vielen kleinen, feinen Produzenten von Lebensmitteln. Für mich kommt die Absicherung der kleinbäuerlichen Betriebe einer Förderung von „Öko-Start-ups“ gleich, die im Zusammenspiel mit ebensolchen Veredlern zu den nachhaltigen Ernährern des Europas der Zukunft werden könnten. Da gibt‘s schon gute Beispiele. 

Gourmetfein ist sowohl im Inland als auch im Ausland tätig, wie sind die Reaktionen? 

Wir stoßen auf großes Interesse! Der jüngst komplett erneuerte Feinkost Zellinger-Standort in Wels wurde in den ersten Tagen nach der Eröffnung regelrecht gestürmt, trotz Corona. Auch in Deutschland sind wir mit unseren Produkten bereits bei über 2.000 Partnern vertreten, Tendenz stark steigend. Und das nicht, weil wir billiger sind, sondern weil die besondere Rohstoffherkunft und die garantierte Regionalität mittlerweile absolute Alleinstellungsmerkmale von uns geworden sind, die die Konsumenten gerne belohnen.

 

Bild 2104_N_Gourmetfein_Neu-2.jpg
Gerald Jungmair. Einer von rund 200 Partnerbauern

Die hohen Produktionsbedingungen bei Gourmetfein und das besondere Engagement sind sicherlich zeit- und kostenintensiv, rechnet sich das überhaupt?

Die Frage ist doch, was es unsere Nachkommen kostet, wenn wir jetzt nicht handeln. Unsere Kinder werden uns in 50 Jahren verfluchen oder loben – wir haben es in der Hand! Ich verzichte gerne auf ein paar Prozent Profit, wenn ich weiß, dass ich meinen Partnerbauern eine sorgenfreie Zukunft ermögliche und die Natur erhalten bleibt. Natürlich müssen wir als Unternehmen ordentlich wirtschaften und ich bin davon überzeugt, dass der nachhaltige Weg auch der ist, der sich langfristig auszahlt, in jeglicher Hinsicht.

 

Lifestyle | 06.04.2021

2 Frauen, Generationen, Welten

Ein gemeinsames Anliegen garantiert Regionalität!

Bild 2104_O_Gourmetfein-2.jpg
Emilia Tscherne. Aktivistin beim Tierschutzvolksbegehren und bei Fridays For Future

Sie könnten auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein: hier die Wiener Schülerin Emilia Tscherne, Aktivistin beim Tierschutzvolksbegehren und bei Fridays For Future, dort die leidenschaftliche oberösterreichische Schweinebäuerin Gabriele Brandstötter, stolze Gourmetfein-Partnerin. Doch sie verbindet mehr, als man auf den ersten Blick meinen mag. Denn beide kämpfen auf ihre Weise für mehr Tierwohl und echte Regionalität.

Während Emilia vor wenigen Monaten auf Einladung von Gourmetfein-Geschäftsführer Fritz Floimayr zum ersten Mal selbst in einem Stall stand, verbringt Gabriele dort jeden Tag mehrere Stunden. In sozialen Netzwerken sorgte die fröhliche Bäuerin regelrecht für Furore, als durch ihre Mitwirkung in einem Video des Tierschutzvolksbegehrens bekannt wurde, dass sie sich manchmal sogar bei ihren Schweinen beim Verlassen des Stalles bedankt.

Das hat wohl so manches Bild zurechtgerückt. Was diese beiden Frauen verbindet, ist aber jetzt nicht nur die Stallerfahrung, sondern auch die Liebe zur Regionalität. Für Emilia, als junge Konsumentin aus der Stadt, die wenig, aber dafür sehr bewusst Fleisch konsumiert, steht der Bezug zur Region auch für ein Mehr an Tierwohl und Naturschutz. Deswegen achtet sie ganz genau darauf, woher das Fleisch stammt. Die Herkunftsangabe ist für sie ein Muss.

 

Bild 2104_O_Gourmetfein-9.jpg
Gabriele Brandstötter. Schweinebäuerin und stolze Gourmetfein-Partnerin

Für Gabriele hingegen ist es nicht nur eine Frage der persönlichen Überzeugung, es ist für sie auch der einzige Weg, wie die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Österreich fortgeführt werden kann. Ohne Partner wie Gourmetfein, die ihr die Abnahme der Schweine zu einem fairen Preis garantieren, haben familiäre Betriebe auf Dauer keine Chance. Umso schöner ist das Gefühl, wenn sie ihren Namen auf den Etiketten lesen kann.

Und hier treffen sich diese beiden starken Frauen wieder: Während Emilia nach einem langen Schultag zufrieden und ruhigen Gewissens in eine Leberkäse-Semmel beißen kann, weil sie dank der Herkunftsgarantie weiß, woher das Fleisch stammt, kann Gabriele zufrieden die letzte Runde im Stall drehen. Weil sie weiß, dass es da draußen Menschen wie Emilia gibt, die schätzen, was sie hier mit und für die Tiere leistet.