Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 22.09.2021

Verwenden statt verschwenden

Noch immer landen Berge von Lebensmitteln unnötigerweise im Müll – auch in Österreich. Mehr als die Hälfte davon stammt aus den privaten Haushalten.

Bild 2109_O_Lebensmittel.jpg
© Shutterstock

Die Verschwendung von Lebensmitteln wird immer massiver. So zeigt ein neuer Report der Umweltschutz-
organisation WWF, dass statt der bisher geschätzten 33 Prozent mittlerweile sogar 40 Prozent der produzierten Nahrungsmittel weltweit nie gegessen werden. Grund für diesen Anstieg sind neue Zahlen aus der Landwirtschaft. Denn alleine vor, während und nach der Ernte gehen demnach jährlich geschätzte 1,2 Milliarden Tonnen genießbarer Lebensmittel verloren. Dazu kommen rund 931 Millionen Tonnen entlang der Lieferketten und rund 400 Millionen im Bereich des Konsums. In Summe sind das 2,5 Milliarden Tonnen an Lebensmitteln, die eigentlich zum Verzehr gedacht wären. Würde man Lastwagen damit beladen, wäre das eine Kolonne, die zwei Mal zum Mond und zurück reicht.

Vom Feld bis zum Teller. „Diese enormen Verluste zeigen die besondere Bedeutung des bisher – auch in Österreich – vernachlässigten Landwirtschaftssektors“, erklärt Olivia Herzog, Expertin für Lebensmittelverschwendung beim WWF Österreich. „Wir müssen alle Bereiche vom Feld bis zum Teller einbinden. Nur so können wir die sinnlose Verschwendung wertvoller Ressourcen stoppen und das Klima besser schützen.“

Laut dem Report ist die Lebensmittelverschwendung für rund zehn Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Das ist knapp zwei Mal so viel wie der jährliche Ausstoß des Autoverkehrs in der EU und den USA zusammen. Der WWF fordert daher einen umfassenden Aktionsplan gegen diese immense Verschwendung. Dafür müssten unter anderem Marktbeschränkungen für Produkte wie Obst und Gemüse angepasst werden. „Landwirte brauchen faire Handelsbedingungen und Möglichkeiten, Ware spontan und lokal abzusetzen, bevor sie droht, zu verderben“, so die Forderung des WWF.

Besonders wenn tierische Produkte weggeworfen werden, setzt das dem Klima zu. Denn: 40 Prozent der Klimagase durch die weltweiten Verluste in der Landwirtschaft sind laut WWF auf Produkte tierischen Ursprungs zurückzuführen. „Gerade bei ressourcenintensiven Produkten wie Fleisch ist es wichtig, dass diese nicht im Müll landen“, betont Olivia Herzog. „Ein respektvoller Umgang mit Lebensmitteln kann einen wichtigen Beitrag zu Klima- und Artenschutz liefern.“

Private Haushalte ganz vorn dabei. Auch die Zahlen für Österreich sprechen eine eindeutige Sprache: Bei uns landen rund 760.000 Tonnen Lebensmittel im Müll oder werden gar nicht erst geerntet. 53 Prozent davon gehen auf das Konto privater Haushalte. In einem durchschnittlichen Haushalt wird etwa ein Viertel der gekauften Lebensmittel weggeworfen. Die Gründe dafür sind unter anderem eine schlechte bzw. fehlende Einkaufsplanung, falsche Lagerung und übertriebene Vorsicht beim Mindesthaltbarkeitsdatum.

Am häufigsten im Müll landen übrigens Brot und Backwaren, gefolgt von Obst und Gemüse. Bei diesem herrscht am Markt zudem ein harter Preisdruck. Die für Ware minderer Qualität erzielbaren Preise sind oft so gering, dass es billiger kommt, die „zu kleinen“ Erdäpfel oder die „fleckigen“ Birnen zu entsorgen. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dass bei den Konsumenten ein Umdenken stattfindet. Die Optik von Obst und Gemüse hat meist kaum einen Einfluss auf die Qualität. Anomalien an der Schale zum Beispiel sind völlig normal und natürlich. Nicht jeder Apfel kann wie poliert aussehen.

Das können Sie gegen Lebensmittelverschwendung tun!

Gut planen

Mit einem geplanten und überlegten Einkauf können Sie der Verschwendung von Lebensmitteln wirkungsvoll vorbeugen. Idealerweise erstellen Sie am Wochenende oder Anfang der Woche einen groben Speiseplan und kaufen entsprechend ein. Frisches Obst und Gemüse lieber mehrmals die Woche einkaufen – das vermindert das Risiko, dass es verdirbt.

Richtig lagern

Haben Sie gewusst, dass Äpfel und Bananen nicht nebeneinander aufbewahrt werden sollten? Die Äpfel lassen Bananen nämlich schneller nachreifen, sodass diese bereits nach wenigen Tagen nicht mehr schmecken. Im Kühlschrank gilt das FIFO-Prinzip (First in, first out). Das bedeutet: Lebensmittel, die Sie gerade erst gekauft haben, wandern nach hinten in den Kühlschrank. So werden automatisch jene Dinge zuerst verbraucht, die schon länger darin sind.

Nicht verführen lassen

Lassen Sie sich von Angeboten oder Rabattaktionen nicht verleiten! Bei „3 für 2“-Aktionen, Megapackungen oder einem Kübel Orangen sollte man vorher gut überlegen, ob man die Produkte auch wirklich essen oder verwerten kann. Und gehen Sie nie hungrig einkaufen, sonst wandern Dinge in Ihren Einkaufswagen, die Sie erst wegwerfen müssen!

Reste verwerten

Essensreste lassen sich oft einfrieren oder kreativ verkochen – ganz nach dem Motto „Love Your Leftovers“. Saisonales Obst und Gemüse hat man häufig in großen Mengen, wenn es reif und frisch geerntet ist. Vieles lässt sich trocknen oder zu Marmelade oder Kompott verarbeiten. Gemüse, wie Kohlsprossen, kann man blanchieren und portionsweise einfrieren.

Auf den Kompost

Auch wenn man alle diese Strategien beherzigt, wird es in jedem Haushalt noch Lebensmittelabfälle geben. Diese landen dann idealerweise auf dem Komposthaufen oder in der Biotonne. Für Stadtwohnungen gibt es mittlerweile die sogenannte Wurmkiste, mit deren Hilfe man selbst kompostieren kann.