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Lifestyle | 17.02.2020

Verliebt in vier Minuten?!

Redakteurin Denise Derflinger versucht sich im Speed-Dating – und ist danach Profi, wenn‘s um Keilriemen geht!

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© Shutterstock

Ein Mittwoch im Dezember. Es ist 18:55 Uhr, und meine Freundin und ich bahnen uns glühweingeschwängert den Weg durch die Linzer Gassen, dauerkichernd untergehakt. Sie leger gekleidet in Schwarz, habe ich meinen Minirock aus dem Schrank gekramt und mit einem Oversizedpulli in Marsala kombiniert. „So Pantone 2015!“, ihr Kommentar. Ob gut oder schlecht, ich frage nicht nach. Kichere. Gehe durch die Tür. Und da stehen sie, aneinandergereiht wie die Sardinen in der Büchse. Wissend, dass gerade einmal vier Minuten ihr Leben verändern könnten. Denn was, wenn meine Freundin, ich oder eine der anderen zehn Frauen in Kürze der passende Topf zum Deckel wird – oder gar die große Liebe? Was, wenn genau hier, in einer Linzer Cocktailbar, der Stoff für die schönste aller Romanzen seinen Anfang nimmt und ein Happy End nicht nur in Thailand für Ausrufe des, nunja, Entzückens sorgt?

Ja, ich hab‘s getan, liebe Leserinnen und Leser: Speed Dating ist mein Zauberwort der Stunde. Und so werden wir, meine einzige Single-Freundin und ich, eben in jener Cocktailbar vom freundlichen – und ob unseres Kicherns leicht irritierten – Barkeeper und Speed Dating-Initiator zu unseren Plätze gewiesen, auf den Startpfiff wartend. Achtung, fertig, los! Bernd, Bartträger und Baumeister ist der erste, der mir gegenübersitzt. Sieht mich mit seinen (zugegeben) tollen grauen Augen an, erzählt von seinem Job, seinem Haus, seinem Auto. Seinem Auto, seinem Motor, seinen Keilriemen, seiner Speziallackierung. Ich erzähl‘ ihm von meinem E-Bike. Die Glocke schrillt: Next! Jakob, der Motorradfahrer, möchte da beginnen, wo Bernd aufgehört hat, doch ich packe tiefsinnigere Fragen aus: Wo siehst du dich in zehn Jahren, was ist deine Firmenphilosophie und was würdest du tun, wenn du eine Frau wärst? Jakob guckt irritiert, ich entschuldige mich, sorry, Journalistin, Berufskrankheit. Glocke schrillt. Next!

Klaus ist 34, ehrlich an mir und meinen Hobbys interessiert und ich lerne: Je plötzlicher die Glocke schrillt, desto besser das Gespräch. Wir wollen uns gar nicht voneinander lösen und sind gerade dabei, die Namen unserer Zwillinge auszudiskutieren, als sich schon der Nächste auf den Platz gegenüber schiebt. Der Joe sieht zwar cool aus, aber ein richtiges Gespräch möchte sich einfach nicht entwickeln. Selbst mein Running Gag, der mit dem „Erzähl: Name, Alter, Kreditkartennummer?“ zieht bei ihm nicht. Während wir die peinliche Pause mit Schlucken unseres Rotweins füllen, wage ich einen Seitenblick auf meine Freundin, die sich soeben in den Augen ihres Gegenübers verliert, selig lächelnd und mit flirty Augenaufschlag. Dank Körpersprachenspezialist Stefan Verra weiß ich: uh oh. Hier ist etwas zu holen! Und wende mich erneut meinem Dating-Partner zu. Schweigen. Kurze Diskussion darüber, welche Speziallackierung beim Auto am schnittigsten ist. Hab‘ ja schon dazugelernt dank Bernd und Co. Schweigen. Glocke. Next!

Eineinhalb Stunden wird jedes Individuum so genau wie möglich in der kurzen Zeitspanne unter die Lupe genommen und über Götter (der Alex ist zum Hinduismus konvertiert) und die Welt philosophiert. Bis mir der Bernd wieder gegenübersitzt, der Kreis hat sich geschlossen. Während einige der Speed-Dater sich erst noch erholen, starten andere in Richtung Bartresen zu einer Ansammlung von 24 kleinen Schachteln, die nur darauf warten, mit Telefonnummern gefüttert zu werden.

Und während schon die ersten Sympathie-Verwandten gemeinsame Sache machen, husche ich aus dem Lokal. Immerhin hab‘ ich noch etwas vor, höchst geheim! Kurz später treffe ich MEIN Objekt der Begierde – beim „echten“ Date, immerhin schon das dritte mit demselben Mann. Und während der geduldige G. auf meine Ankunft wartet, fühle ich mich fast ein bisschen schuldig, obwohl die Fronten im Vorhinein geklärt wurden: „Sonst muss meine Freundin ja alleine hin!“ Auf mein „Sorry, dauerte länger beim Speed Dating.“ wird nur gegrinst, zurückgelehnt und mit Weizen darauf angestoßen, dass mir dort nicht die Liebe meines Lebens begegnet ist. Und dann so slow gedatet wie nur möglich, mit einer guten Prise Romantik.

Zwei Dinge habe ich an diesem Abend gelernt: dass ich ein Kennenlernen lieber auf die altbewährte Weise angehe. Und dass der Satz „Wenn du eine Tetris-Figur wärst, welche wäre es?“ nicht unbedingt der beste Icebreaker ist.