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Lifestyle | 08.06.2020

Verhütung noch immer Frauensache

Die Anti-Baby-Pille feiert heuer ihr 60-Jahr-Jubiläum und steht nach wie vor für die große Revolution der Verhütung. Sie beschert uns seitdem unbeschwerte weibliche Sexualität.

Bild Anti-Baby-Pille_final.jpg
Illustration: Laura Koller

Haben Sie gewusst, dass Frauen in der Antike mit in die Scheide eingeführtem Krokodilkot versucht haben, sich vor Schwangerschaften zu schützen? Oder dass Fischschwimmblasen als Kondome benutzt wurden? Seit ewigen Zeiten beschäftigt sich die Menschheit damit, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Vor allem die Frauen selbst, weil sie diejenigen sind, die Schwangerschaften austragen, Kinder gebären und sie im schlimmsten Fall alleine versorgen müssen. 

Vor 60 Jahren kam sie dann, die Revolution der Verhütung: die Anti-Baby-Pille. Sie war der Ausgangspunkt für die modernen hormonellen Verhütungsmittel von heute. Spirale, Hormonpflaster, Scheidenring, Dreimonatsspritze – sie alle bauen auf den Erkenntnissen der Pille auf. Die Erfindung der Pille hat die konservative Welt der 60er-Jahre in ihren Grundfesten erschüttert. Nun gab es plötzlich ein hochwirksames Mittel, um eine unerwünschte Schwangerschaft zu verhindern. Und zusätzlich wurden Partnerschaften und Sexualität vom Problem, schwanger zu werden, entkoppelt. Die sexuelle Revolution begann! 

Als die Antibabypille dann Ende der 60er, Anfang der 70er-Jahre zumindest in den Industriestaaten breit (und auch für ledige Frauen) verfügbar wurde, bedeutete dies für Frauen eine Zeitenwende. Sichere Verhütung in den Händen der Frauen selbst eröffnete den Weg in die Unabhängigkeit und neue Bildungschancen.


Ist Pille gleich Pille?

Wie die Wissenschaftlerin für Evolutionspsychologie und Professorin für Sozialpsychologie, Dr. Sarah E. Hill in ihrem neuesten Buch „Wie uns die Pille verändert“ beschreibt und auch mit Studien belegt, greift die Pille in verschiedenste Wirkmechanismen des Körpers und auch des Gehirns ein. Frauen sollten wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie die Pille nehmen, um sich dann ganz klar dafür oder dagegen entscheiden zu können. 

Klara, 45: „Ich habe meinen Partner mit 18 kennengelernt. Wir hatten viel Spaß beim Sex und mit Kondom verhütet. Das hat gut geklappt, bis es einmal gerissen ist. Von da an konnte mich nicht mehr so richtig fallen lassen. Ich beschloss, die Pille zu nehmen. Am Anfang hat mich das sehr erleichtert, und ich hatte den Kopf beim Sex wieder frei. Nach zehn Jahren wollten wir ein Kind und ich setzte die Pille ab. Es hat eine Zeit lang gedauert, bis ich schwanger wurde, aber mir ist aufgefallen, dass ich lustvoller war. Ich initiierte wieder öfter Sex. Vielleicht war auch unser Kinderwunsch eine starke Motivation. Ich habe zwei Kinder geboren und dann die Kupferspirale einsetzen lassen. Eine Bekannte hatte mich vor Bauchkrämpfen und Übelkeit gewarnt – ich habe keines von beiden! Und der Sex passt auch.“

Es gibt heute an die 100 verschiedenen Pillenformulierungen, aus denen Frauen das Passende für sich wählen können. Dazu braucht es fundierte und ausführliche Aufklärung auch von Ärzt­Innen. Denn keine Verhütungsmethode ist für jede Frau in jedem Lebensabschnitt gleichermaßen gut geeignet, das gilt sowohl für hormonelle als auch nicht-hormonelle Lösungen. Das hängt von vielen Faktoren ab, wie etwa der Lebenssituation, dem Alter, individuellen Beschwerden oder Erkrankungen. Auch persönliche Vorlieben und Gewohnheiten spielen mit hinein. Reden Sie mit dem Gynäkologen/der Gynäkologin Ihres Vertrauens!

 

Verhütung für den Mann?

Obwohl sich heute immer mehr Männer bereit erklären, auch Verantwortung für die Verhütung übernehmen zu wollen, gibt es derzeit außer Sterilisation und Kondom kein wirklich probates Mittel. Die Letztverantwortung bleibt weiterhin bei der Frau. Wäre es dann nicht angebrachter, diese leidige Diskussion um Verhütung auf Krankenschein zu beenden und sie endlich einzuführen? So hätten alle Frauen – auch jene mit weniger finanziellen Ressourcen – gute Chancen, die für sie passende Verhütung zu finden und so auch angstlose Sexualität leben zu können.

Für uns Frauen ist der 60. Geburtstag der Pille auf jeden Fall ein Anlass zu feiern. Genießen wir die Möglichkeit einer unbeschwerten und selbstbestimmten Form der Sexualität!

 

Wenn Sie mehr wissen wollen: 

Interessante Broschüren zum Download: www.wien.gv.at/menschen/frauen/stichwort/gesundheit/verhuetungsbroschuere.html

www.wien.gv.at/gesundheit/beratung-vorsorge/frauen/frauengesundheit/schwerpunkte/lebensphasen/verhuetung-im-ueberblick.html

 

Unerlässliche Aufklärungsarbeit zur Geschichte der Verhütung und zu aktuellen Verhütungsfragen bietet das „Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch“ in Wien, das nicht nur online einen Besuch wert ist!

 

Text: Susa Haberfellner www.haberfellner-sexualberatung.at