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Lifestyle | 12.10.2021

Unser Gehirn als Dramaqueen

Das menschliche Gehirn reagiert intensiv auf negative Nachrichten. Positive Meldungen hingegen langweilen uns leicht. Warum das so ist und wie man sein Gehirn überlisten kann, erklärt Lebensberater Franz Landerl.

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© Shutterstock, FOThOMarkowetz

Die Zeiten sind herausfordernd. Seit eineinhalb Jahren bestimmt die Pandemie unser Leben. Aber war davor wirklich alles besser? Nein, sagt Lebensberater Franz Landerl. „Die Welt ist natürlich nicht perfekt, aber wir neigen dazu, die Vergangenheit zu beschönigen und uns unnötige Sorgen um die Zukunft zu machen. Das ist kontraproduktiv, weil man nur im Hier und Jetzt leben kann.“

OBERÖSTERREICHERIN: Die Pandemie hat uns alle gefordert und fordert uns nach wie vor. Aber war früher, also vor Corona, tatsächlich alles besser?

Franz Landerl: Natürlich nicht! Es war weder besser noch schlechter, aber wir neigen dazu, Dinge positiver in Erinnerung zu behalten, als sie tatsächlich waren. Die Vergangenheit wird oft beschönigt und sogar glorifiziert. Mit der Realität hat das allerdings meistens nicht sehr viel zu tun. Neben den Medien, die sehr oft ein verzerrtes Bild der Welt zeigen, dazu noch die sozialen Medien, sind es schon wir selbst, also unser Kopf, der solche Fehleinschätzungen begünstigt.

Sie sagen, dass unser Gehirn eine Dramaqueen sei. Warum reagieren wir auf negative Nachrichten so viel intensiver als auf Positives?

Unser Gehirn steht tatsächlich auf Drama. Wir reagieren auf negative Meldungen deutlich intensiver als auf positive Nachrichten, das haben Psychologen und Gehirnforscher in vielen Studien nachgewiesen. Diesen Zusammenhang nennt man Negativitätseffekt. Positive Nachrichten langweilen uns leicht. Wir suchen unbewusst ständig nach Dingen, über die wir uns aufregen können. Dinge, an denen wir uns reiben können. Das bedient unseren Wunsch nach Drama und nach dem guten alten Schwarz-Weiß. Besonders gut zeigt sich das jetzt an der Coronakrise. Verunsicherung, Halb- und Nichtwissen machen sich am Stammtisch ganz großartig – auch wenn das alles keinen Inhalt hat.

Wie kann man es schaffen, sein Gehirn zu überlisten oder umzuprogrammieren?

Indem man versucht, die Welt so zu sehen, wie sie ist. Natürlich ist sie nicht perfekt. Es gibt überall Missstände und Dinge, über die man sich zurecht aufregen kann. Jeder von uns könnte eine ellenlange Mängelliste schreiben, aber man könnte auch eine ebenso lange Liste über Fortschritte und positive Entwicklungen schreiben. Man muss sie nur sehen und sich bewusst machen. Wir werden geradezu überflutet mit Nachrichten und Informationen, darum ist ein erster wichtiger Schritt, vor allem negative Nachrichten nicht als faszinierende Unterhaltung zu betrachten. Denn die meisten haben für unser Leben keine direkte Bedeutung, wenn man ehrlich ist. Man kann seine Gedanken auch einer „Qualitätskontrolle“ unterziehen.

 

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© FOThOMarkowetz

Mag. Franz Landerl

Dipl. Lebens- und Sozialberater, Supervisor, BG-Sprecher der WKOÖ

4502 St. Marien

E-Mail: [email protected]