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Lifestyle | 21.02.2017

Um die Ecke gedacht: Ungewöhnlicher Schutz der Umwelt

Was macht man, wenn es mit „weniger Stromverbrauch und Heizung herunterdrehen“ beim Umweltschutz nicht getan ist? Dann muss man in anderen Dimensionen denken. Hier einige Beispiele zum Staunen.

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Der schlimmste Umweltverschmutzer ist die Weigerung, zu verzichten. Wer das jedoch kann, hat sehr viele Möglichkeiten. (© fotolia.com/drubig-photo)

 Im Privatleben versuchen es viele zumindest. Vor allem aber in der Industrie und im Handel, sowie im Tourismus gibt es jedoch viele Prozesse, die sich einfach nicht umgehen lassen. Sei es, weil von bestimmten – leider umweltschädlichen – Maßnahmen das ganze Endprodukt abhängt, oder weil der ganze Betrieb schlicht eine immense Menge an Energie benötigt.
Zugegebenermaßen denken wohl die wenigstens daran, welche Energiemaßnahmen beispielsweise bei der Herstellung der eigenen Zahnbürste aufgebracht werden oder ob die Kaffeetasse eine umweltschonende Produktion durchlaufen hat.
Der Schutz der Umwelt lebt jedoch in jeder Faser von kreativen Denkweisen und vor allem davon, dass sich, durch Denken im ganz großen Maßstab, oft auch Alternativen für die unumgänglichen Probleme finden lassen. So wie bei den Beispielen, die der folgende Artikel vorstellt.

 

  1. Wintersport mit gutem Gewissen

Unverfälscht weißer, in der Bergsonne glitzernder Schnee. Malerische Berghütten, auf denen man sich vor oder nach der Abfahrt zu einer Stärkung niederlassen kann. Langlauf-Loipen, die durch eine atemberaubende Winterlandschaft führen und so richtig Ruhe bringen – so sieht Wintersport für seine Anhänger aus. In Sachen Umweltschutz ist dieser Tourismuszweig, der ja nun gerade bei uns eine besonders hohe wirtschaftliche Bedeutung hat, eine echte Katastrophe in vielfacher Ausprägung:

  • Für die Skipisten werden Wälder gerodet und damit Bodenerosion Tür und Tor geöffnet
  • Der allnächtliche Einsatz von Planierraupen verdichtet nicht nur den Schnee, sondern macht auch den darunterliegenden Boden praktisch wasserdicht
  • Schneekanonen saugen pro Saison Millionen Liter aus Alpenbächen und Flüssen und legen diese trocken
  • Gleichsam benötigen die Kanonen Unmengen an Energie, um aus Wasser Schnee zu machen
  • Tiere werden durch die Wintersportler immer wieder aufgeschreckt und verlassen nach und nach die Gebiete

Den genauen Gegenentwurf will das Projekt Alpine Pearls schaffen, das in Österreich fünf Standorte hat. Insgesamt 25 Wintersportgemeinden aus sechs Alpenländern haben sich zu diesem ganz speziellen Tourismusverein zusammengeschlossen. Das Ziel: maximale Umweltfreundlichkeit. Und das wird vor allem dadurch erreicht, dass Autos in den Orten praktisch nicht benötigt werden. Daneben setzen die Mitglieder darauf, gerade die Faktoren zu vermeiden, die den Wintersport so schädlich machen, namentlich die Landschaftsveränderungen und eine wenig regenerativ gestaltete Energieversorgung. Mit Erfolg, laut der Geschäftsführerin von Alpine Pearls hat sich das touristische Interesse für nachhaltigen Wintersport in den ersten zehn Lebensjahren des Projekts massiv gesteigert.

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Wenn ganze Berghänge umgestaltet werden, um noch mehr Platz für Skitouristen zu schaffen, ist klar, dass darunter die Natur leidet. (© fotolia.com/drubig-photo)
  1. Sauberes Druckbild

Urlaubsfotos zu Postern machen, aus den Hochzeitsbildern ein Album erstellen, Flyer drucken – all das ist heuer nur einige Mausklicks entfernt. Und selbst langjährige Umweltschützer haben oftmals keine Idee, dass es auch dabei vergleichsweise leicht ist, Mutter Natur zu schaden. Das liegt vor allem an dem Zyklus der Produktion, die sich nicht, oder besser kaum, anders gestalten lassen können, ohne dass das Endresultat leidet:

  • Die Farben des jeweiligen Drucks müssen bestimmte Chemikalien enthalten, um sowohl gut am Papier zu haften als auch lange Jahre farb- und lichtecht zu bleiben.
  • Druckplatten müssen für jeden Auftrag erstellt, also belichtet werden, weil erst mit ihnen aus einem digitalen ein analoges Bild entsteht.
  • Das Papier muss bestimmte, ebenfalls nur umweltschädlich zu erzeugende Eigenschaften haben, um die Farbe gut anzunehmen und eine gute Qualität zu ermöglichen

Hinzu kommt, dass natürlich auch die Druckmaschinen ihren Strom dringend benötigen – und wer jetzt in Richtung Tintenstrahldrucker denkt, der das alles nicht benötigt, sollte bedenken, dass es hier um große Maßstäbe, hohe Zahlen geht, die in kürzester Zeit gedruckt werden müssen - eine Minute für ein Foto funktioniert nur am heimischen Drucker. Dass es jedoch auch innerhalb dieses stark einengenden Rahmens geht, ein Umweltschutzkonzept zu etablieren, zeigt das Unternehmen Onlineprinters. Dort wird zwar auch klassisch gedruckt, aber mit Umweltschutzgedanken. So kommen die Druckfarben statt in den industriell üblichen Kartuschen in 300 Kilo fassende Großtanks, was enorme Mengen an Plastikmüll spart. Unterschiedliche Druckaufträge werden auf einer Platte zusammengefasst, statt mehrere zu erstellen. Gleichsam wird das zu druckende Medium direkt von der Digitaldatei auf die Druckplatte belichtet – anstatt mit dem normalerweise üblichen Umweg über Filmplatten und der dafür nötigen chemischen Entwicklungsflüssigkeit. Auf diese Weise lässt sich ohne Reduktion der Qualität, nur mit etwas Mehraufwand ebenfalls Umweltschutz betreiben, wo er normalerweise nicht möglich wäre.

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Unterschiedliche Aufträge gemeinsam zu drucken erhöht zwar die Arbeit, nutzt den Platz auf Druckplatten und Papier aber perfekt aus. (© fotolia.com/Andrey Popov)
  1. Nachhaltige Körperpflege

Dass Plastik vor allem bei der Herstellung und beim Recycling eine Belastung für die Umwelt darstellt, ist nichts Neues mehr. Zudem werden dabei auch wertvolle Ressourcen wie Erdöl und Unmengen von Wasser benötigt. Das praktische und vielseitig einsetzbare Material ist jedoch aus unserem Leben kaum mehr wegzudenken.

Auch der Großteil unserer Kosmetikartikel ist in Kunststoffbehältern abgefüllt. Wer der Umwelt etwas Gutes tun will und sich nach Alternativen, beispielsweise aus Glas umsieht, wird in den meisten Drogerien jedoch lange suchen müssen. Selbst viele Hersteller von Naturkosmetik setzen auf Verpackungen aus Plastik. Wer sich die Mühe macht und etwas nachforscht, wird dennoch fündig. Vor allem kleine, regionale Hersteller setzen auf ein nachhaltiges Konzept auch bei der Verpackung. Neben Glas werden dann etwa auch Dosen oder Tuben aus Metall verwendet.

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Die meisten unserer Kosmetiktprodukte, welche wir täglich nutzen, befinden Sich in einer Hülle. Tube oder einerm Behälter aus Plastik. (© fotolia.com/VadimGuzhva)

Eine Familie aus der Nähe von Graz hat sich an das Experiment gewagt und versucht unter anderem das Badezimmer weitgehend frei von Produkten aus Plastik zu halten. Zugegeben ein sehr ehrgeiziges Vorhaben und nicht für jeden unbedingt nachahmenswert. Doch auch im Kleinen kann hier der erste Schritt zu mehr Nachhaltigkeit gemacht werden.

Ein wichtiger Punkt wäre beispielsweise, darauf zu achten, keine Produkte mit Mikroplastik zu kaufen. Die winzigen Kunststoffteilchen verbergen sich für viele unbemerkt in zahlreichen Pflegeartikeln. Kaum sichtbar für das menschliche Auge, stecken sie in Peelings, Zahnpastas oder Duschgels, um für eine bessere Reinigung der Haut zu sorgen. Dabei sind die mikroskopischen kleinen Plastikpartikel ein großes Problem für die Umwelt:

  • Über das Abwasser geraten die Kunststoffteilchen in Flüsse, Seen und Meere.
  • Die Kläranlagen können die winzigen Partikel nicht herausfiltern.
  • In der Natur dauert es Jahrhunderte, bis sich die Stoffe von selbst abbauen.
  • Über den Stoffkreislauf gelangt das Mikroplastik in die Mägen vieler Tiere und wird zur lebensbedrohlichen Gefahr für sie.

Forscher haben jüngst erstmals Mikroplastik auch in unserer Nahrung nachgewiesen. In Proben von Meersalz wurden fast 700 mikroskopische Plastikpartikel pro Kilogramm entdeckt. Deshalb sollte besser auf Produkte ausgewichen werden, die natürliche Peelingsubstanzen wie gemahlene Mandel- oder Kokosschalen verwenden.

All diese Einzelmaßnahmen halten vielleicht nicht den Klimawandel auf – jedoch lebt Umweltschutz dadurch, dass jede noch so kleine Möglichkeit ausgenutzt wird, um ein großes Ganzes zu erzielen. Und in diesem Reigen ist auch genügend Platz für kreative Umwege – wie das Ziel erreicht wird, ist zweitrangig, das Endergebnis Umweltschutz ist es, was zählt.

Wir selbst haben es mit jedem Kauf in der Hand, welchem Produkt wir den Vorzug geben. Wer sich dabei bewusst für einen umweltfreundlichen Artikel entscheidet, hat einen kleinen Beitrag zum Schutz der Natur beigetragen.