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Lifestyle | 01.04.2021

Typisch Mann, typisch Frau?

Neuer Businessratgeber: Mann und Frau denken, fühlen und agieren unterschiedlich – gut so! Wie Unternehmen Diversität bewusst nutzen, hat sich das Autorenduo Ruth Terink und Richard Schneebauer angesehen.

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© Elisabeth Grebe

Warum können sich Männer besser räumlich orientieren, warum sind sie fokussierter auf Wettbewerb? Warum kommunizieren Frauen lieber und können sich besser in andere einfühlen? Wissenschaftler beschäftigen sich seit vielen Jahren mit solchen Fragen. Bisher konnte man sich nicht auf Antworten einigen. Ist es Veranlagung oder Erziehung – oder von allem etwas? Studien zeigen zum einen, dass es Überlappungen bei körperlichen, emotionalen und kognitiven Eigenschaften von Frauen und Männern gibt. Statistisch lässt sich andererseits sehr exakt zwischen „typisch männlich“ (Dominanz, Robustheit, Selbstvertrauen) und „typisch weiblich“ (emotionale Wärme, Sensibilität, Flexibilität) unterscheiden. Ruth Terink und Richard Schneebauer, die sich seit vielen Jahren mit geschlechterspezifischem Verhalten beschäftigen, gingen der Sache auf den Grund. Ihre Erkenntnisse flossen in ihren gemeinsamen Taschenguide, mit dem Ziel: ein neues Miteinander in der Berufswelt, bei dem sich die Kompetenzen der Geschlechter ergänzen und Mann und Frau einander auf Augenhöhe begegnen. Dass wir erst am Anfang einer neuen Entwicklung stehen, zeigen sie im Interview auf.

 

„Typisch Mann, typisch Frau?“ ist der Titel des druckfrischen Business-Ratgebers aus Ihrer gemeinsamen
Feder. Warum braucht es dieses Buch? Wurde diesem Thema bislang zu wenig Beachtung geschenkt?

Ruth Terink: Im beruflichen Kontext steht dieses Thema tatsächlich am Anfang. Was Unternehmen brauchen ist ein Dialog, der beide Seiten schätzt und nicht eine Seite abwertet. Die Zukunft gehört dem Würdigen und Nutzen der jeweiligen Unterschiede, ohne Stereotype zu verfestigen.

Richard Schneebauer: Es wird Zeit, das gute Miteinander zwischen Mann und Frau breiter zu diskutieren. Mit breiter meine ich, auch die Männer mitzunehmen. Männer nehmen das Thema nicht so richtig ernst, weil es sie verunsichert. Schließlich waren das bisher meist Frauenthemen.

 

Die Gender-Ära unter der Devise „Männer und Frauen sind gleich“ brachte zwar Fortschritte, schuf aber auch Konkurrenz, Konflikte und Verhärtungen. Was ist aus Ihrer Sicht der Ausweg aus dem Dilemma?

Terink: Wie Zukunftsforscher Matthias Horx sagt: Wir müssen uns von folgenden falschen Aussagen lösen: 1. Männer sind besser. 2. Es gibt keinen Unterschied. 3. Frauen sind besser. 4. Die Zukunft gehört der Gleichheit. Nichts dieser vier Aussagen bringt uns weiter. Wenn wir mit einer Haltung der Gleichwertigkeit in den Dialog gehen, erst dann entsteht Neues.

Schneebauer: Neben dem Gemeinsamen braucht es einen Mix aus frauenspezifischen und, auch wenn es eigenartig klingen mag und zu oft aufgrund der männerbündischen Vergangenheit falsch verstanden wird, männerspezifischen Foren, die mehr in den gegenseitigen Austausch gehen.

 

Wie können Unternehmen die unterschiedlichen Fähigkeiten von Männern und Frauen bewusst nutzen?

Terink: Wir alle tragen unbewusst Voreingenommenheit in uns. Wer das erkannt hat, wird offener und neugieriger. Diese Offenheit schafft die Möglichkeit, Führungsverhalten und Teamarbeit weiterzuentwickeln. Unternehmen, die Unconscious Bias (Anm.: Stereotype und unbewusste Vorteile) thematisieren, sind anderen voraus, was Kultur, Teamgeist und Profitabilität betrifft. 

 

Es hat den Anschein, dass der Markt nicht gerade von Büchern überflutet wird, die sich mit der Diversität in der Unternehmenskultur befassen. Stehen wir erst am Anfang dieser Entwicklung?

Terink: Ja, wir stehen am Anfang. Viele Unternehmen erkennen zunehmend, dass sie junge Talente nicht mit festgefahrenen Denkweisen gewinnen und halten können. 

 

Herr Schneebauer, was wünschen Sie sich von Männern im Business?

Dass sie sich eingestehen, dass sie „weiche“ Themen oft ablehnen oder zu wenig ernst nehmen. Väter sind ja auch keine schlechteren Bezugspersonen für Kinder, dennoch sind viele unsicher, ob sie es so gut hinbekommen wie die Mutter. Männliche Führungskräfte müssen lernen, mehr auf sich zu hören und sich auch Schwächen einzugestehen. Das ist kein Widerspruch zu Erfolg, ganz im Gegenteil. Es braucht nicht jeder alles können!

 

Frau Terink, was wünschen Sie sich von Frauen im Business?

Dass sie sich gut überlegen, wie weit sie sich wirklich anpassen wollen. Selbstbewusste Veränderungsvorschläge, zum Beispiel das Führen in Teilzeit, haben Erfolgschancen. Und ich wünsche mir von Frauen, dass sie sich weniger über Engagement, Fleiß und Fachkompetenz definieren, sondern ihre Berufslaufbahn strategischer denken.

 

Worin liegt der Schlüssel für ein gelingendes Miteinander?

Terink: Erstens Selbstreflexion, zweitens Offenheit und drittens Dialog.

 

Buchtipp

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„Typisch Mann, typisch Frau? Wie Frauen und Männer noch besser zusammenarbeiten.“ Geschrieben für Frauen, Männer und Unternehmen. Haufe Verlag, ISBN 978-3-648-14262-2, € 9,95