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Lifestyle | 22.09.2015

Thom Trauner – eine Atelierstory

Er ist gelernter Lithograf und Grafiker mit einer starken künstlerischen Ader. Tiefgründig, interessant und lässig ist nicht nur seine Kunst, sondern auch Thom Trauner selbst. Zu Besuch im Atelier des Scharnsteiner Künstlers.

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Thom Trauners Werke. (© Anja Gubo)

Es mag der Hut sein, den er selten abnimmt, oder seine gelassen milde und in sich ruhende Ausstrahlung – die künstlerische Ader sieht man Thom Trauner jedenfalls schon an. Und spätestens nach Betreten seines Ateliers, in dem einem sofort die Reinheit und Reduziertheit der Farben in seinen Bildern und das große malerische Können des Künstlers ins Auge stechen, ließe sich diese nicht mehr abstreiten. 

Thom Trauners künstlerische Gabe ist aber nicht nur in malerischer und zeichnerischer Hinsicht zu bemerken, sondern auch in musikalischer: Er war lange Zeit Mitglied der Punkrock-Band “Frontal”, spielte dort Saxophon und Keyboard. Dass sowohl die unangepasste Punkmusik seine Malerei als auch umgekehrt die Malerei seine Musik beeinflusst hat, ist naheliegend. Fest steht, mit seinen Bildern schafft Thom Trauner Werke, die das Denken des Betrachters in Gang bringen. Genau das ist auch das Ziel des Künstlers: Er will den Betrachter tiefer blicken lassen und dass dieser nicht an der Oberfläche und der ersten Deutlichkeit der Bildsprache hängenbleibt. 

Im Selbststudium entwickelte Thom Trauner seine eigene künstlerische Hand-schrift auf Basis der Primärfarben Gelb, Magenta und Cyan. Ausgehend von Medienfundbildern, zumeist Porträts von  Frauen, entstehen dann seine in die Tiefe gehenden, durch “schärfende Unschärfe” gekennzeichneten, mehrheitlich großformatigen Ölbilder. 

 

Thom, wie und in welchem Alter sind Sie zum Malen gekommen? 

Ich male, seit ich den Pinsel halten kann (lacht). Ich habe immer schon gemalt, schon als Schüler, und auch bei Zeichenwettbewerben teilgenommen. Im Laufe der Zeit habe ich die verschiedensten Techniken durchprobiert. Als Autodidakt habe ich mir alles selbst beigebracht – oft nicht so, wie es üblicherweise in Schulen und an Kunstunis gelehrt wird. Ich hatte natürlich engagierte Lehrer in der Schule, war einmal bei einem Kurs bei Arnulf Rainer, was sehr interessant war, aber das ist auch schon alles. Es kam nach der Schule natürlich schon zu der Frage „Studieren oder nicht?“, doch ich entschied mich für den Lehrberuf und trotzdem auch Kunst zu machen. 

Einerseits bin ich als Autodidakt unbeeinflusster, andererseits hat man es so natürlich auch schwieriger, weil man sich alles selber aneignen muss. Es hat sich alles entwickelt, war nicht geplant. Irgendwann hat sich meine Technik herauskristallisiert. 

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Künstler mit Hut. Thom Trauner in seinem Atelier. (© Anja Gubo)

Was ist die Hauptthematik Ihrer künstlerischen Arbeit? 

Fundbilder von Frauen, deren Handlung und Umfeld entfernt wurden, wodurch nur mehr die Portraits überbleiben. Ich zeige diese Frauen, ihren Blick, wie sie den Betrachter anstarren. Die Thematik ist immer relativ ähnlich bei mir. 

 

Was zeichnet Ihren Stil aus? Was ist Ihre Technik?

Ich arbeite mit Medienbildern, Fundbildern aus dem Internet. Diese dienen als Vorlage. Beim Malen verwende ich dann nicht die klassische Palette – ich mische mir nicht die Farben zusammen und male dann –, sondern nur die Grundfarben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz, die ich am Schluss vermische. Die Farben entstehen also erst auf der Leinwand. Durch die Reinheit der Farben, nachdem diese rein übereinander in Lagen aufgetragen werden, sind die Bilder sehr farbenprächtig und eigentlich unrealistisch. Beim Betrachten ergibt sich dann allerdings ein gewisser Realismus.

 

Warum sind Ihre Motive immer Frauen? 

Frauen sind für mich interessanter zu malen. Der männliche Körper ist meiner Meinung nach auch nicht so ästhetisch; es reizt mich nicht, ihn zu malen. Der einzige Mann, den ich je gemalt habe, bin ich selbst (lacht). Die Bilder, die ich, meist aus dem Internet, als Vorlage nehme, sind nicht bloß Motivvorgabe, sondern ich habe schon immer eine gewisse Idee dahinter. Es sind immer Bilder – Blicke, Gesichtsausdrücke –, die ich interessant finde, die mich anspringen. 

 

Wie kommen die Ideen? 

Das ist etwas ganz Spontanes. Man hat ein Motiv, das von der Thematik her passt und malt drauf los. 

 

Sie spielten von Anfang der 1980er-Jahre bis vor Kurzem in der Punkband „Frontal“. Hatte die Punkmusik einen Einfluss auf Ihre Kunst?

Das ist eine gute Frage. Unsere Musik, der Punkrock, war ja sehr unangepasst, das hat meine Malerei sicher beeinflusst, ja. Oder umgekehrt. Oder es hat beeinflusst, wie ich bin: unangepasst. Man hat durch die Musik eine andere Herangehensweise an die Malerei oder eben durch die Malerei eine andere Herangehensweise an die Musik. Leider hat sich unser Sänger in Guatemala City als Lehrer verpflichten lassen … 

 

In der Kronen Zeitung war einmal zu lesen, dass Sie ein Späteinsteiger seien, was Ihre Erfolge betrifft. Inwiefern?

Irgendwann, das war Mitte der 1990er-Jahre, hatte ich eine kreative „Tot-Phase“, der Punkt, an dem ich dachte, dass das, was ich mache, eigentlich nur schön ist. In dieser Phase habe ich viele meiner schönen Bilder einfach übermalt oder weggeworfen, weil sie einfach nicht bestanden haben bei mir. Nach der kreativen Nullphase habe ich quasi neu angefangen mit dem Malen und mit Ausstellungen. 

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(© Anja Gubo)

Was waren Ihre größten Erfolge als Künstler?

Ein großer Erfolg war, als ich einer der fünf Gewinner des Aquarell-Wettbewerbs „Meister von morgen“ im Leopold Museum in Wien wurde, wofür es ein paar tausend Einreichungen gegeben hatte. Der Herr Professor Leopold hat mich noch persönlich ausgewählt. Die Bilder der fünf Gewinner wurden vom Museum angekauft. Dadurch gab es natürlich mehr Interesse an meiner Kunst. Als Erfolg ist sicher auch der Ankauf eines meiner Bilder durch den Kunstliebhaber Kommerzialrat Heinz Angerlehner zu sehen oder die Ankäufe der Stadt Wels. Erfolg ist immer relativ, die eben genannten sind halt Erfolge, die man herzeigen kann. 

 

Geben Sie Ihre Kunst auch weiter, z.B. an Kinder oder Jugendliche?

Das muss sich ergeben. Ich beschließe nicht von mir aus, Kurse zu machen, aber wenn jemand an mich herantritt, gebe ich mein Wissen zu gewissen Techniken gerne weiter – allerdings nicht meine Kunst, denn es soll niemand ein Klon von mir werden. Einmal habe ich mit einer integrativen Schulklasse in Wels ein zweitägiges Projekt gemacht mit dem Titel „Portrait – Das Streben nach Glück”. Ich habe wenig eingegriffen in den Schaffensprozess der Kinder, habe die Schüler einfach malen lassen. Im Endeffekt sind trotz – oder gerade wegen der – wenigen Anweisungen und Denkanstöße von mir tolle Kunstwerke entstanden und es haben sich spannende Sachen herauskristallisiert. Die Schüler waren total kreativ und voller Freude und Begeisterung bei der Sache. 

 

Haben Sie Vorbilder?

Ein Vorbild ist sicher Claude Monet. In seinen Bildern verliere ich mich, ich könnte ewig davorstehen. Überhaupt die Impressionisten, etwa auch VanGogh, interessieren mich. Aber auch Gerhard Richter gefällt mir, dessen Werke auf dem Kunstmarkt die teuersten eines lebenden Künstlers sind. Ich bin auch gegenüber moderner Kunst sehr aufgeschlossen. 

 

www.thomtrauner.com 

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(© Anja Gubo)