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Lifestyle | 02.09.2015

Therapeuten auf vier Beinen

Tiere sind unvoreingenommen und akzeptieren alle Menschen so, wie sie sind. Das macht sie zu ausgesprochen guten „Therapeuten“. Sie helfen Kindern ebenso wie Senioren und Menschen mit Behinderungen – zum Beispiel am Therapiehof Partnerpfote in Ternberg.

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Pferd Nanine wird am Therapiehof mit Fingerfarben bemalt. (© Therapiehof Partnerpfote)

Wenn Birgit Pfaffhuber mit Therapieziege Sina an der Leine in eine Schulklasse kommt, hält es die Schüler kaum auf ihren Sesseln. Alle wollen die Ziege mit dem braun gefleckten Fell streicheln ... 

„So viel ich weiß, sind unsere Ziegen weltweit die einzigen, die stubenrein sind und mit im Auto fahren können“, erzählt Pfaffhuber. Sie leitet das Ausbildungs- und Therapiezentrum Partnerpfote in Ternberg sowie eine Zweigstelle des Vereins „Tiere als Therapie“. „Tiere eignen sich deshalb so gut als Therapeuten, weil sie unvoreingenommen sind und alle Menschen so akzeptieren, wie sie sind“, sagt Pfaffhuber weiter. „Die Wertigkeit fällt weg. Menschen machen sich von jemand anderem sofort ein Bild und stecken ihn – wenn auch unbewusst – in eine Schublade. Tiere machen das nicht.“

 

Besserer Zugang zu Menschen

Und so kommt es, dass die ausgebildeten Vierbeiner einen weitaus besseren Zugang zu Menschen haben können. Sie fungieren sozusagen als Eisbrecher und wecken Emotionen – egal ob bei Kindern, Senioren oder Menschen mit Behinderungen. Birgit Pfaffhuber und ihr Team sind in den verschiedenen Institutionen unterwegs oder empfangen ihre Klienten direkt am Therapiehof. „Die Bewohner der Lebenshilfe zum Beispiel freuen sich sehr, wenn sie zu uns kommen können“, erzählt Birgit Pfaffhuber. Dann wird – je nach Bedarf und Wunsch – mit den verschiedenen Tieren gearbeitet. Neben den Ziegen und Hunden gibt es nämlich noch ein Schaf, Kaninchen und Pferde.

 

Zeit als Qualitätskriterium

Sich für ihre Klienten die Zeit zu nehmen, die sie brauchen, ist für Pfaffhuber bei ihrer Arbeit besonders wichtig. Kinder mit einer Behinderung werden zum Beispiel für die Therapie nicht sofort auf ein Pferd gesetzt, sondern dürfen es erst einmal kennenlernen und ihre mögliche Scheu ablegen. „Ich möchte den Kindern die Zeit geben, dass sie selbst mitentscheiden können, wann sie tatsächlich aufsteigen wollen“, erklärt Pfaffhuber. 

 

Umgang mit Tieren lernen

Wenn das Team vom Ausbildungs- und Therapiezentrum Partnerpfote in Kindergärten und Schulen unterwegs ist, geht es in erster Linie um den richtigen Umgang mit Tieren, insbesondere mit Hunden. Die Kinder sollen dabei lernen, wie sie sich richtig verhalten, wenn sie auf einen Hund treffen. Oder etwa, dass sie in kein Haus hineingehen sollen, wenn sich ein Hund darin befindet. „Wenn man Angst hat, soll man auch keine has-tigen Bewegungen machen“, sagt Pfaffhuber. „Besser ist es, ruhig stehen zu bleiben und sich vom Hund wegzudrehen. Oft sind es ganz einfache Dinge, die es zu beachten gilt. Wenn man sie weiß, fühlt man sich allerdings gleich viel sicherer.“

Die Therapiehunde gehen dabei äußerst feinfühlig und sensibel vor. Wenn die Kinder im Morgenkreis sitzen und jedes Kind den Hund begrüßt, lässt dieser automatisch all jene aus, die Angst haben. Darauf sind sie geschult und es ist eine gute Ausgangsbasis für Birgit Pfaffhuber und deren weitere Vorgehensweise. 

 

Therapie mit Erwachsenen

Eine andere, nicht minder wichtige Funktion haben die Therapie-Tiere im Erwachsenenbereich, etwa in Seniorenheimen und Behinderteneinrichtungen. So ist es medizinisch erwiesen, dass das Geräusch, das bei Schafen und Ziegen beim Wiederkäuen entsteht, positiv auf das Herz-Kreislaufsystem wirkt. Die Ziege liegt ganz einfach neben den Bewohnern, alles Weitere geschieht von selbst. Zum Beispiel erinnern sich alte Menschen wieder daran, wie es war, als sie früher selbst Ziegen oder Schafe hatten. 

„Durch die tiergestützte Therapie erreichen wir vor allem eine Verbesserung der Lebensqualität“, sagt Pfaffhuber. „Die Menschen haben wieder mehr Freude am Leben, sie sind fröhlicher und motivierter beim Alltagsprogramm. Außerdem nehmen die Konzentrations- und Merkfähigkeit zu.“

 

Trainer und Motivator

Bei Demenz- und Alzheimer-Patienten lässt sich durch die Therapie mit Tieren das Fortschreiten der einzelnen Stadien verlangsamen. Die Gehirnarbeit trainiert und fördert das Kurzzeitgedächtnis. Zudem sind die Tiere ein guter Motivationsfaktor. Durch die Vierbeiner sehen die Senioren einen Sinn für ihr Tun. 

Immer mit dabei – egal ob im Kindergarten oder Seniorenheim – hat Birgit Pfaffhuber die Kaninchen. „Sie sind wichtig für die emotionale Seite“, erklärt sie. „Es geht darum, das weiche Fell zu spüren, sie zu streicheln und mit ihnen zu kuscheln. Und unsere Kaninchen lassen sich wirklich stundenlang knuddeln!“

Alle Tiere vom Therapiehof Partnerpfote sind übrigens speziell ausgebildet. Sogar die Ziegen und Schafe gehen an der Leine, sind stubenrein, beherrschen die verschiedensten Tricks und können problemlos mit einem Auto mitfahren. 

Mehr Infos gibt es im Web: 

www.partnerpfote.at

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Birgit Pfaffhuber, Leiterin des Therapiehofes Partnerpfote, mit Therapie-Ziege Sina. (© Therapiehof Partnerpfote)