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Lifestyle | 10.11.2015

Tanzen als Auszeit vom Alltag

Tanzen ist Lebensfreude. Eine Auszeit vom Alltag. Balsam für die Seele. Ein Jungbrunnen. Dennoch werden die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit noch immer unterschätzt. Wer regelmäßig tanzt, tut Körper, Geist und Seele etwas Gutes – und das bis ins hohe Alter!

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(© Shutterstock)

Verschwitzte Promis, die mit ihren Nerven am Ende und manchmal sogar den Tränen nahe sind: Spätestens seit „Dancing Stars“ wissen wir, was für eine anstrengende und schweißtreibende Sportart Tanzen ist. 

Doch selbst wenn es nicht täglich und ganz so intensiv betrieben wird, fördert Tanzen die Gesundheit auf ganzheitliche Weise. „Es wird leider immer noch von vielen unterschätzt, wie gesund es ist zu tanzen“, sagt Christoph Hippmann von der gleichnamigen Tanzschule in Wels. „Es ist eine sanfte Sportart, die man bis ins hohe Alter ausüben kann. Zu unseren Stammkunden zählt zum Beispiel eine 81-jährige Linzerin, die noch mit großer Begeisterung dabei ist. Tanzen ist eine gute Möglichkeit, um länger fit und beweglich zu bleiben.“

 

Gut für Körper, Geist und Seele

Besonders trainiert werden dabei Rumpf-, Bauch- und Rückenmuskulatur. „Das hat vor allem mit der aufrechten Haltung zu tun, die man beim Tanzen braucht“, weiß Sabine Köglberger. Die Linzer Sportwissenschaftlerin hat selbst jahrelang aktiv bei Turnieren getanzt und sich intensiv mit den positiven Auswirkungen von Tanzen auf die Gesundheit beschäftigt. Was beim Tanzen ebenfalls gefördert wird: das Herz-Kreislauf-System, der Gleichgewichtssinn, die Reaktionsfähigkeit und die Orientierung im Raum – wo sind die anderen Paare, um Zusammenstöße zu verhindern? 

„Zusätzlich ist die Koordination gefragt“, erklärt Köglberger. „Arme und Beine müssen gleichzeitig in Kombination bewegt werden. Dazu muss man sich die verschiedenen Schrittfolgen merken. Das fördert die Leistung des Gehirns und hält den Geist wach.“ Darum ist Tanzen sogar ein gutes Mittel gegen Demenz (siehe Info-Box). 


Tanzen gegen Demenz

Das Tanzbein schwingen, soziale Kontakte pflegen und dabei ganz nebenbei sogar Demenz vorbeugen – so einfach kann eine wirkungsvolle Gesundheitsvorsorge im Alter aussehen. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Tanzen dem Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit vorbeugen kann und die verbesserte Trittsicherheit vor Verletzungen schützt. „Beim Tanzen werden motorische Aufgaben mit Erinnerungsprozessen verknüpft“, erklärt Primar Peter Dovjak, Leiter der Abteilung für Akutgeriatrie und Remobilisation am Salzkammergut-Klinikum Gmunden. „Schritte und Bewegungsabläufe müssen einstudiert und innerhalb kürzester Zeit reproduziert werden. Das ist ein effektives Training, um das Erinnerungsvermögen und kognitive Fähigkeiten zu trainieren.“

Neben dem positiven Effekt auf die geistige Leistungsfähigkeit ist Tanzen auch eine wertvolle Prävention gegen Stürze. „Man wird nämlich beweglicher und geschickter“, sagt Dovjak. „Und das hilft, Unfälle durch Stolpern, Ausrutschen oder Umknöcheln zu verhindern. Außerdem werden alle wichtigen Muskelgruppen gestärkt, was im Alter ebenfalls sehr wichtig ist.“


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(© Shutterstock)

Tanzen macht glücklich

Doch nicht nur Körper und Geist profitieren, wenn man sich regelmäßig dem Wiegeschritt hingibt – es ist auch Balsam für die Seele. „Beim Tanzen werden Glückshormone ausgeschüttet“, betont Christoph Hippmann. „Man fühlt sich wohler und erwiesenermaßen auch jünger. Das liegt mitunter daran, dass in den vergangenen Jahren ein Umdenken in den Tanzschulen stattgefunden hat. Weg von der perfekten Haltung und den starren Schrittmustern hin zu einer ent­spann­ten Bewegung mit einfachen Schrit­ten. Es geht darum, sich Musik und Rhythmus hinzugeben und in einen so genannten Tanzrausch zu kommen.“

Dann gelingt es nämlich auch, sich nach einem anstrengenden Arbeitstag zu entspannen und abzuschalten. Tanzen ist somit eine sanfte Art des Stressabbaus. Man konzentriert sich auf die Musik, den Partner, die Schritte – und vergisst den Alltag und mögliche belastende Gedanken. 

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Christoph Hippmann (Tanzschule Hippmann Wels) weiß: Tanzen ist eine Sportart für jedes Alter.

Wieder Anschluss finden

Besonders wichtig für Singles und ältere Menschen ist die soziale Komponente. In einem Tanzkurs oder bei einem Tanz­abend findet man ganz nebenbei Anschluss und verbringt Zeit mit Gleichgesinnten. „Damit ist Tanzen ein probates Mittel gegen die Vereinsamung“, stellt Hippmann fest. „In unserer Tanzschule gibt es zum Beispiel an drei Abenden Kurse für Singles bzw. Menschen ohne Tanzpartner, die sehr gut bei unseren Kunden ankommen.“ Nicht umsonst hätten sich die Tanzschulen laut dem Experten in den vergangenen Jahren von einem Ort des Erlernens zu einem Treffpunkt Tanz entwickelt. Auch für Paare, die durch das Tanzen ein gemeinsames Hobby gefunden haben. 

Ein Hobby, das sie zu zweit be­treiben und dabei qua­­li­tätsvoll Zeit miteinander verbringen können. „Es ist immer noch so, dass 80 bis 90 Prozent der Männer von ihren Frauen damit erst mal zwangsbeglückt werden“, erzählt Hippmann. „Vom ersten Gespräch über einen Tanzkurs dauert es übrigens durchschnittlich fünfeinhalb Jahre, bis die Paare tatsächlich zu uns kommen. Und dann sind es erfahrungsgemäß überwiegend die Männer, die der Ehrgeiz packt und die weitermachen wollen.“ Es zahlt sich also aus, als Frau dranzubleiben und nicht zu früh aufzugeben, schließlich hat sich Gesundheitsvorsorge noch nie so gut angefühlt!


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Sabine Köglberger, Sportwissenschaftlerin Linz

"Besonders Rumpf-, Bauch- und Rückenmuskulatur werden trainiert", so Sportwissenschaftlerin Sabine Köglberger.