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Lifestyle | 27.10.2020

Tabuthema Feigwarzen

Sie sind hochansteckend und betreffen vor allem junge Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren: Feigwarzen sind gutartige Gewebswucherungen im Genitalbereich, die das Sexualleben allerdings massiv beeinträchtigen können.

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Thom Trauner

So weit verbreitet sie sind, sind sie doch noch immer ein Tabuthema: Feig-, Genital- oder Feuchtwarzen, im Fachjargon auch Kondylome genannt. Sie werden durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt weitergegeben. Infizieren kann man sich deshalb nicht nur beim Geschlechtsverkehr, sondern auch bei engem Körperkontakt. Bei jungen Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren treten sie besonders häufig auf. Die meisten Betroffenen leiden still darunter. Das muss nicht sein!

Nicht gefährlich, aber unangenehm.

Feigwarzen sind eine der am häufigsten übertragenen sexuellen Erkrankungen. Es handelt sich dabei um gutartige Gewebswucherungen an Geschlechtsteilen, After oder Enddarm. Oft werden Feigwarzen nicht als solche erkannt, da sie im frühen Stadium meist klein und flach sind. Die Warzen haben eine weißliche oder gräuliche Färbung und sind in der Größe unterschiedlich: von Stecknadelkopf-Größe bis zu knollenartigen Wucherungen, wenn sie unbehandelt bleiben. Grundsätzlich ist diese Erkrankung nicht gefährlich, kann jedoch erheblichen negativen Einfluss auf die (sexuelle) Lebensqualität haben. 

Bei Männern finden sich Feigwarzen meist im Bereich der Kranzfurche, des inneren Vorhautblattes sowie des Vorhautbändchens. Seltener kommt es zum Befall der Eichel selbst oder des Harnröhrenausganges. Im Analbereich werden die Feigwarzen seitlich gepresst und sind oftmals hahnenkammartig. Bei Frauen sind meist die großen und kleinen Genitallippen bis zum Scheideneingang mit oft blumenkohlartigen Läsionen betroffen. Gelegentlich treten die Warzen auch in der Scheide selbst, am Muttermund oder im Analbereich (über Analsex auch übertragbar) auf. Juckreiz, Blutungen, Ausfluss oder Brennen sind häufige Begleiterscheinungen von Feigwarzen. Zudem sind sie hoch ansteckend, auch mit Kondom ist kein sicherer Schutz vor einer Übertragung auf den Partner/die Partnerin gewährleistet. Die bei Intimrasuren möglichen kleinen Hautverletzungen erhöhen die Gefahr einer Infektion.

Psychische Beeinträchtigungen.

Neben den physischen Beschwerden kann es auch zu psychischen Beeinträchtigungen, wie Scham oder Angst vor Genital- oder Analkrebs, kommen. Dazu steigt die Angst, den Partner/die Partnerin wegen einer Ansteckung zu gefährden. Eine Infektion mit Feigwarzen erhöht das Risiko für bestimmte Krebsformen – vor allem für Gebärmutterhalskrebs – tatsächlich. Gerade junge Menschen, die betroffen sind, gehen aus Scham oft nicht zum Arzt, um sich behandeln zu lassen. So verzögert sich der Beginn einer passenden Therapie und der Leidensdruck verstärkt sich mehr und mehr. Und natürlich können all diese Faktoren das Sexualleben negativ beeinträchtigen.

 

Christian (28):

„Ich war 19 und hatte seit einem halben Jahr eine Freundin. Eines Tages sagte sie mir unter Tränen, dass ihre Gynäkologin Feuchtwarzen bei ihr festgestellt hat und ich auch zu einem Arzt gehen solle. Erst jetzt war mir klar, was bei meinen Intimrasuren manchmal zu bluten begonnen hatte. Kleine Warzen, die mir bis dahin nicht sonderlich aufgefallen waren. Ohne Drängen meiner Freundin hätte ich mich nicht zum Arzt getraut. Wie peinlich! Die Hautärztin verschrieb mir ein Mittel zum Betupfen der Warzen, verbot Intimrasur, Sex nur mit Kondom und empfahl, ein eigenes Handtuch zu benutzen. Das ging über ein paar Wochen so. Mit Schamhaaren fühlte ich mich grauslich. Ich traute mich nicht mehr, meine Freundin liebevoll zu streicheln, nackt kuscheln wurde immer verkrampfter. Ich habe versucht, sexuelle Situationen zu vermeiden, wollte sie auf keinen Fall weiter gefährden. Nach ein paar Wochen und einer Nachuntersuchung durfte ich wieder rasieren – blöderweise waren die Warzen nicht alle weg und sie verbreiteten sich weiter. Entsetzlich! Ich fühlte mich wie ein Aussätziger, auch meine Freundin litt unter ihrer Behandlung. Die Hautstellen, die wir mit den verschriebenen Lösungen behandelt haben, waren rot, empfindlich und brannten. Ich hatte unter der Vorhaut und im After auch schon Warzen, die wie kleine Brokkoli aussahen. Die Warzen haben wir dann mit Lasertherapie ‚wegbrennen‘ lassen. Bei meiner Freundin hat die Therapie geholfen. Bei mir kamen sie wieder und letztendlich half eine rezeptpflichtige Salbe mit Grünteeblätterextrakten. Es hat lange gedauert, bis ich mich wieder ganz entspannt auf sexuelle Situationen einlassen konnte. Jetzt habe ich seit drei Jahren eine fixe Beziehung und wieder zu einer befriedigenden Sexualität gefunden. Nach wie vor untersuche ich meine Genitalien immer wieder sehr genau und bin verunsichert, sobald ich eine Hautveränderung im Genitalbereich bemerke. Ich überlege, mich gegen HPV impfen zu lassen.“

 

Ausweg aus der schambesetzten Situation.

Der Weg zum Arzt/zur Ärztin (am besten Gynäkologie, Dermatologie oder Urologie) und eine ehestmögliche Behandlung sind unbedingt notwendig, nicht zuletzt auch um eine Übertragung auf andere Personen zu verhindern. Mit Offenheit, Aufklärung und guten Medikamenten kann für Sie dann ein Ausweg aus dieser schambesetzten Situation gefunden werden. Die Art der Behandlung richtet sich nach Warzentyp, Anzahl der Warzen, Größe und Lokalisation. 

Falls Sie sehr verunsichert sind und Beratung zu sexuellen Themen suchen, können Sie mich gern für ein Gespräch kontaktieren.

Susa Haberfellner www.haberfellner-sexualberatung.at