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Lifestyle | 16.10.2017

Süchtig nach Musik

Nachdem er sich die letzten 15 Jahre ausschließlich der Gitarrenmusik gewidmet hat, steht der Sänger, Musiker und Komponist Klaus Pruenster erstmals wieder als Sänger im Rampenlicht. Für einen Song konnte der „zugeroaste“ Linzer sogar Weltstar José Feliciano gewinnen.

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© Stefan Beiganz, Klaus Pruenster

 

Wir treffen Klaus Pruenster in seinem Studio in Linz-Urfahr und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hoch über den Dächern von Linz hat sich einer der erfolgreichsten Musiker unseres Landes, der in den 1980er-Jahren mit dem Hit „Wunderwelt“ die Charts eroberte, ein kleines Imperium aufgebaut. Zu Spitzenzeiten beschäftigte der gebürtige Vorarlberger dort, in seiner mehrfach ausgezeichneten Veranstaltungsagentur „eventcompany“, sieben Mitarbeiter. Vor dem Interview zeigt uns der 60-jährige Wahl-Linzer das Video zum Song „Streets of London“, für den er keinen Geringeren als den Weltstar und neunfachen Grammy-Gewinner José Feliciano gewinnen konnte. Das Video ist wie die Interpretation des Songs unverfälscht, pur und sehr berührend. Im Gespräch mit der
Oberösterreicherin erzählt der auch als Filmkomponist (u. a. „Klinik unter Palmen“) tätige Künstler, wie es zur Zusammenarbeit mit José Feliciano gekommen ist.

 

Ihr Comeback-Album als Gitarrist und Sänger trägt den Titel „Timeless“. Was hat Sie dazu bewogen, wieder als Sänger ins Rampenlicht zu gehen?

Der Anstoß ist von außen gekommen. Nachdem ich mich die letzten 15 Jahre ausschließlich der Gitarrenmusik gewidmet habe, hat mich eines Tages jemand gefragt, warum ich nicht mehr singe. Anfangs habe ich das abgelehnt, aber irgendwann wollte ich es wieder probieren. Und das habe ich gemacht. Herausgekommen ist das Album „Timeless“ mit zwölf Titeln.

 

Warum verzichten Sie auf dem neuen Album bei den gesungenen Titeln gänzlich auf Eigenkompositionen?

Ich habe mir Titel aus der Popgeschichte ausgesucht, die sich bewährt haben und die von zeitloser Eleganz sind. Daher auch der Name „Timeless“. Ich habe mich auch gefragt, wie Klaus Pruenster heute klingen würde. Und bin draufgekommen, das kann nur völlig trendunabhängig sein. Denn im Prinzip war und bin ich der personifizierte Gegentrend. Das zieht sich die ganzen Jahre hindurch. Egal, ob ich Film- oder Orchestermusik geschrieben habe, ich habe immer das gemacht, was ich machen wollte.

 

Das ist im Musikbusiness nicht selbstverständlich. Fühlen Sie sich privilegiert?

Natürlich gab es auch Jahre, in denen weniger los war. Aber mit der Gründung meiner Eventfirma im Jahr 1998 und dem Schreiben von Filmmusik habe ich mir ein zweites Standbein und damit eine solide Basis geschaffen.

 

Für den Klassiker „Streets of London“ konnten Sie Weltstar José Feliciano gewinnen. Wie ist diese Zusammenarbeit zustande gekommen?

Es war die Idee eines Agenten, der meinte, wir sollten versuchen, einen großen Star für eine Kooperation zu gewinnen. José Feliciano hat durch sein Haus in Niederösterreich und seinen Wiener Manager Helmuth
Schaerf einen Österreichbezug. Wir haben Kontakt mit seinem Management aufgenommen und meine Soloversion von „Streets of London“ präsentiert. Der Song aus den 70ern, der musikalisch wie inhaltlich auch aufgrund der Brexit-Debatte und des Terrors in London topaktuell ist, wurde sehr positiv aufgenommen. Das Feeling stimmte von Anfang an.

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Mit dem Song „Wunderwelt“ stürmte Klaus Pruenster in den 1980er-Jahren die Charts. Die vergangenen 15 Jahre hat er sich ausschließlich der Gitarrenmusik gewidmet. (© Stefan Beiganz, Klaus Pruenster)

José und Sie haben den Song unabhängig voneinander aufgenommen. Wie darf man sich das vorstellen?

Es war sehr spannend, ein Duett in Angriff zu nehmen, ohne vorher zu wissen, wie die Stimmen harmonieren würden. Meine Parts wurden in meinem Studio in Linz aufgenommen, die Parts von José im Studio seines Managers. Die einzelnen Spuren wurden über das Internet ausgetauscht, gemischt wurde in den USA.

 

Wann haben Sie José das erste Mal getroffen und wie war es?

Wir haben uns das erste Mal bei unserem Videodreh in seinem Haus in Niederösterreich getroffen. Ich war ganz schön nervös. Ich habe großen Respekt vor José. Unglaublich, was er alles schon gemacht hat. Es war eine großartige Begegnung, und ich bin voller Demut, dass es zu dieser Zusammenarbeit gekommen ist. Als leidenschaftliche Gitarristen hatten wir sofort eine gemeinsame Basis.

 

Wann haben Sie begonnen, Gitarre zu spielen?

Ich habe als Autodidakt mit zwölf Jahren zu spielen begonnen. Nach der Musikschule habe ich in Vorarlberg Musik studiert. Ich bin auch Professor für Gitarre, unterrichte allerdings nicht mehr.

 

Sie leben seit gut 37 Jahren in Linz. Was hat Sie von Vorarlberg zu uns nach Oberösterreich verschlagen?

Ich wurde 1980 für ein Projekt der Ars Electronica vom Gründer der Rockband „Eala Craig“ nach Linz geholt. Ich wollte für drei Monate bleiben, jetzt bin ich immer noch da (lacht).

 

Damals haben Sie mit dem Titel „Wunderwelt“ die Charts gestürmt. Haben Sie damit gerechnet, dass der Song ein derartiger Erfolg werden wird?

Im Prinzip nicht. Ich bekam in Linz die Möglichkeit, in einem Tonstudio herumzuexperimentieren. Über die Ars Electronica bekamen wir den Prototypen eines Musikcomputers, und wir haben mit Steinen, Cognacgläsern, ja sogar mit Heizkörpern Töne erzeugt, aufgenommen und in den Computer eingespielt. Dadurch entstand ein ganz neuer Sound. Daraus haben wir einen Song produziert, diesen an Plattenfirmen geschickt und viele Absagen bekommen. Dann kam allerdings die Neue Deutsche Welle und das Magazin „Wiener“ hat mich 1981 zum „Star des nächsten Jahres“ gewählt. Der Entdecker von Falko hat den Artikel gesehen, mit uns Kontakt aufgenommen und den Song groß rausgebracht. „Wunderwelt“ wurde ein Hit, der Rest ist Geschichte. Daran sieht man, dass man auch das gewisse Quäntchen Glück braucht.

 

War „Wunderwelt“ Ihr größter Erfolg?

Kommerziell gesehen war „Wunderwelt“ mit Sicherheit mein größter Erfolg und auch jener Song, mit dem man mich identifiziert hat. Das ist auch gut so. Aber ich habe dieses Lied 20 Jahre nicht mehr gespielt. Jetzt, im Alter, singe ich auch „Wunderwelt“ wieder (lacht).

 

Der Urheber Ihrer gitarristischen Laufbahn ist der Schauspieler Christian Kohlund. Wie hat er das geschafft?

Wir sind sehr eng befreundet und treten häufig gemeinsam auf. Als ich Anfang 2000 für Christian Kohlund die Musik für ein Theaterstück geschrieben habe, hat er mich dazu motiviert, mein Spiel weiterzuentwickeln. Dann habe ich zuerst jahrelang intensiv geübt (lacht). Für die Eröffnung der Kulturhauptstadt „Linz 09“ bekam ich den Auftrag, eine Komposition für Orchester und Gitarre zu schreiben. Das war die sogenannte Feuertaufe, da ich den Part der Gitarre selbst mit dem Brucknerorchester gespielt habe. Der Erfolg dieses Konzerts gab dann den Ausschlag, wieder auf die Bühne zurückzukehren.

 

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Ich beziehe meine Kraft aus der Liebe zu meiner Familie und zu dem, was ich tue sowie der ständigen Bereitschaft zu lernen. Nie anfangen aufzuhören und nie aufhören anzufangen, das trifft es am ehesten. Musik ist für mich eine Art Seelen­therapie. Es gibt kaum etwas, was solche Glücksgefühle verschaffen kann wie das Musizieren. Wer aus diesem Kelch jemals getrunken hat, ist für immer süchtig.

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Mit dem Weltstar José Feliciano hat Klaus Pruenster den Song „Streets of London“ aufgenommen. Nach einem Konzert im Wiener Prater am 7. September verewigten sich die zwei Künstler am „tipp3 Walk of Stars“.