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Lifestyle | 26.06.2022

Spiritual Care: Medizin für die Seele

Doris Wierzbicki nimmt sich einem Thema an, das im Klinikalltag oft zu kurz kommt: der „geistigen Fürsorge“. Sie trifft damit genau den Nerv der Zeit. Ein Leitfaden für Führungskräfte und Mitarbeitende, um besser auf Fragen nach dem „Warum“ vorbereitet zu sein.

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© privat

Spirituelle Zuwendung ist nicht nur eine Sache von Theologen. Als Seelsorgerin der Klinik Diakonissen Linz, aber auch als Referentin bei Fortbildungen im Bereich Spiritual Care, erlebt Doris Wierzbicki immer wieder, dass Mitarbeitende sich wünschen, PatientInnen, BewohnerInnen in Pflegeeinrichtungen, KlientInnen im Bereich der Behindertenarbeit, ja sogar Kindern, Antworten auf spirituelle Fragen geben zu können. Mit ihrem neuen Praxisbuch will sie sensibilisieren und verschiedene Methoden in die Hand geben, um mit diesem Bedürfnis besser umgehen zu lernen. Bei den Diakonissen Linz läuft die Implementierung des Spiritual-Care-Ansatzes bereits seit einigen Jahren erfolgreich als Pilotprojekt  - mit folgendem Resumée: Neben der höheren PatientInnenzufriedenheit sei die MitarbeiterInnenzufriedenheit beachtlich gestiegen und es habe sich das Arbeitsklima im Haus sehr verbessert.

 

Frau Wierzbicki, Spiritualität scheint in der heutigen Gesellschaft zunehmend wichtiger zu werden, obwohl Menschen immer weniger kirchlich eingebunden sind. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?
Ja, das stimmt. Sehr stimmig beschreibt dies der Theologe und Pädagoge Anton A. Bucher (Anm. d. Red.: Bucher, Psychologie der Spiritualität, 2014). Immer mehr Zeitgenossen wollen als spirituelle Wesen ernst genommen werden, ob am Krankenbett oder in der Therapie. Interessant ist auch, dass gerade die harten Wissenschaften, speziell Quantenphysik und Neurophysiologie, bisher noch nie gesehene Einblicke in das Phänomen des Spirituellen liefern.

 

Was hat Sie zu dem einfühlsamen Buch „Spiritual Care in der Praxis“ veranlasst?
Neben der medizinischen Versorgung der PatientInnen wird das Krankenhauspersonal sehr häufig auch mit spirituellen Fragen konfrontiert. Da das Personal in diesem Bereich jedoch oft nicht geschult ist, führen derartige Fragen zu Unsicherheit und Überforderung. Ich möchte zeigen, wie die Implementierung von Spiritual Care, unabhängig von Konfessionen und Religionen, in einen effektiven Klinikalltag gelingen kann.

 

Was sind das für Fragen, welche die Menschen beschäftigen?
Aus eigenen Erfahrungen wissen wir, dass wir manchmal mit dem Schicksal hadern, uns ungelöste Konflikte belasten und uns ungewollte Veränderungen enorm fordern. In der Krankheit können diese Situationen Energie binden, die wir für den Genesungsprozess brauchen. Es stellen sich Fragen, wie: „Warum ich?“, „Wer bin ich noch, wenn ich nicht mehr selbst für mich sorgen kann?“, „Wie soll das alles weitergehen?“ Ein sensibles Eingehen auf solche Fragen durch Mitarbeitende und SeelsorgerInnen kann viel im Heilungsprozess und in der Pflege bewirken.

 

Buchtipps

Bild 2206_O_Buchcover_SpiritualCa.jpg
„Spiritual Care in der Praxis“ richtet sich an Führungskräfte, Mitarbeitende in Spitälern, Einrichtungen der Langzeitpflege und Interessierte. Verlag Kohlhammer, ca. € 39 ISBN 978-3-17-039770-5