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Lifestyle | 05.09.2017

So gelingt der Schulstart

Bald beginnt die Schule wieder. Nicht selten verwandeln sich erfahrene Kindergartenkinder allerdings in unsichere Erstklässler. Wir haben bei zwei Expertinnen nachgefragt, wie Eltern ihre Kinder unterstützen können und wann Hilfe von außen notwendig ist.

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© Shutterstock

Bei vielen Kindern ist die Vorfreude auf den ersten Schultag so groß, dass sie vor Aufregung fast umkippen, wenn es dann tatsächlich so weit ist. Und nach den ersten Wochen folgt nicht selten Enttäuschung: Tatsächlich ist die Schule oft nicht so aufregend, wie sich die Kleinen das vorgestellt haben.

„Der Schulanfang ist grundsätzlich etwas ganz Besonderes für jedes Kind“, sagt die Linzer Psychologin Isabella Baumgartner. „Doch es passiert immer wieder, dass diese Freude nach einer gewissen Zeit nachlässt und sich in Enttäuschung umwandelt, weil es im Alltag ganz anders ist, als es sich die Kinder vorgestellt haben. Darum ist es wichtig, den Kindern im Vorhinein zu erklären, was sie in der Schule tatsächlich erwartet und was sie lernen werden – zum Beispiel Rechnen, Buchstabenschreiben, Lesen.“

Vorstellung vs. Realität. Auch Kinesiologin Veronika Mitterdorfer arbeitet viel mit Kindern und weiß, wie weit Vorstellung und Realität manchmal voneinander abweichen. „Eltern können ihre Kinder darauf vorbereiten, indem sie mehrfach mit ihnen besprechen, wie ein Schultag ungefähr abläuft und was dort gemacht wird“, betont sie. „Man sollte das Kind auf den Boden zurückholen und auch selbst am Boden bleiben. Je entspannter die Eltern sind, umso entspannter können auch die Kinder sein.“

Ausgleich am Nachmittag. Sich bewusst machen sollten sich Eltern auch den Unterschied zwischen der spielerischen, behüteten Umgebung des Kindergartens und jener der Schule, in der erwartet wird, dass die Kinder über einen längeren Zeitraum still sitzen, sich konzentrieren und mit einer Sache beschäftigen können. „Das ist für viele eine große Herausforderung“, weiß Mitterdorfer. „Umso wichtiger ist der Ausgleich mit entsprechender Bewegung am Nachmittag. Außerdem fördert Bewegung die Entwicklung der feinmotorischen Fähigkeiten, wie man sie zum Beispiel zum Schreiben braucht. Wenn ein Kind in Bewegung ist, aktiviert das nämlich die Zusammenarbeit der beiden Gehirnhälften.“

Bewegung in der Natur. Dabei ist es übrigens gar nicht notwendig, den Kindern ein Programm zu bieten. Besser ist es, sie in der Selbstbestimmung zu lassen. Am Vormittag müssen sie ohnehin das tun, was die Lehrer von ihnen verlangen. Am Nachmittag können sie tun und lassen können, was sie gern möchten. Idealerweise allerdings nicht vor dem Fernseher oder Smartphone, sondern draußen in der Natur. „Bewegung im Freien ist ein essenzielles Bedürfnis von Kindern und bringt ihnen ganz viel“, erklärt Mitterdorfer. „Es wirkt sich positiv auf die Stimmung und Konzentrationsfähigkeit aus. Außerdem schlafen die Kinder leichter ein und durch. Und das hilft ihnen wiederum beim Lernen.“

Wie sich ein Kind in der Schule bzw. in einzelnen Leistungsbereichen entwickelt, lässt sich im Vorhinein nicht sagen. Eltern sollten allerdings keinen unnötigen Druck aufbauen oder Verunsicherung schaffen, indem sie davon reden, wie schwierig es werden kann. „Bis Weihnachten sollte man das Kind gut begleiten und beob­achten, wie es mitkommt“, erklärt Baumgartner. „Man kann auch einmal beim Lehrer nachfragen und zum Beispiel spielerische Übungen anbieten, wenn es mit der Feinmotorik noch nicht so klappt. Es gibt für Eltern grundsätzlich keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Man darf ruhig abwarten und schauen, wie es wird.“ Eigene Schulgeschichten und Erfahrungen sollten Eltern übrigens tunlichst nicht auf die Kinder projizieren. Sätze wie „Ich war auch immer schlecht in Mathe“ sind unterschwellige Botschaften, die für ein Kind hinderlich sein können. Besser ist es, wenn das Kind völlig unbelastet an die Sache herangehen kann. Eine große emotionale Hilfe für Kinder sind Rituale, an denen sie sich festhalten können. Das ist zum Beispiel eine fixe Zeit, wann sie in der Früh aufstehen müssen. „Manche Kinder brauchen mehr Anlaufzeit, darauf sollte man unbedingt achten“, betont Veronika Mitterdorfer. „Lieber ein paar Minuten früher aufstehen, als ständig auf die Uhr zeigen zu müssen. Außerdem gelingt dann ein entspannter Start in den Tag wesentlich leichter, und es bleibt Zeit für ein ordentliches Frühstück.“ Wichtig ist es auch, die Zeiten zum Schlafengehen einzuhalten. Die Kinesiologin sieht in ihrer Praxis sehr oft, dass viele Kinder zu wenig Schlaf bekommen. Dabei brauchen Volksschulkinder durchschnittlich zehneinhalb bis elf Stunden Schlaf. Schlafen sie zu wenig, leide die Konzentration darunter, so die Expertin.

Smartphone & Co. Und auch der Medienkonsum – Stichwort Smartphone – ist immer öfter ein Thema. „Ich sehe das sehr kritisch“, sagt Mitterdorfer. „Die elektromagnetische Strahlung beeinträchtigt die Funktion unserer Zirbeldrüse, die wiederum den Biorhythmus steuert und für den Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig ist. Sie sorgt dafür, dass wir gut ein- und durchschlafen können. Bekommt die Zirbeldrüse zu wenig Tageslicht, gerät sie aus dem Gleichgewicht.“

Dieses Ungleichgewicht ist dann dafür verantwortlich, dass man sich erschöpft und müde fühlt. Denn während des Schlafes kommen die körpereigenen Reparaturmechanismen in Gang, und auch die für Kinder so wichtigen Wachstumshormone werden in dieser Zeit ausgeschüttet. Zu wenig oder schlechter Schlaf wirkt sich negativ auf das Immunsystem aus. Die Kinesiologin empfiehlt deshalb mindestens eine Stunde Pause zwischen dem letzten Handy- bzw. TV-Konsum und dem Zubettgehen, damit das Gehirn zur Ruhe kommen kann.

Doch nicht nur der Start in der Volksschule kann zur Herausforderung werden, auch der Wechsel ins Gymnasium oder in die Neue Mittelschule ist für viele ein schwieriger Schritt. „Es ist insofern ein problematischer Sprung, als die Anforderung an die Selbstständigkeit der Kinder so hoch ist“, weiß Isabella Baumgartner. „Das wirft viele aus der Bahn, weil sie mit dieser Selbstorganisation vollkommen überfordert sind.“ Das sei laut der Expertin allerdings ganz normal, da die neuro­nale Entwicklung des Gehirns diese geforderte Selbstständigkeit erst im Alter von 13 bis 15 Jahren vorsieht.

Das Lernen lernen. Besonders wichtig ist deshalb, dass Eltern ihre Kinder in organisatorischen Belangen unterstützen und zum Beispiel darauf achten, dass der Stoff in den einzelnen Fächern überschaubar und somit leichter lernbar bleibt. Oftmals geht es auch darum, das Lernen richtig zu lernen. „Es hilft den Kindern, wenn Eltern sie begleiten und unterstützen“, sagt Baumgartner. „Gemeint ist damit aber nicht, dass sie mit ihnen lernen sollen. Vielmehr geht es um Dinge, wie Lernpläne und einen Kalender mit allen wichtigen Prüfungs- und Schularbeitsterminen zu erstellen, ein Ordnungssystem für die Schulsachen zu schaffen und den Stundenplan im Überblick zu haben.“


Tipps für den Schulstart

  • Lange aufbleiben und ausschlafen – in den Ferien darf das sein. In den letzten fünf Tagen vor Schulbeginn sollte man allerdings darauf achten, dass die Kinder wieder früher ins Bett gehen. Dann gelingt die Umstellung leichter.
  • Ausreichend Schlaf ist auch während der Schulzeit sehr wichtig. Zu wenig Schlaf ist oft dafür verantwortlich, wenn sich Kinder weniger gut konzentrieren können.
  • Am Nachmittag sollten sich Kinder am besten in der Natur bewegen. Das gleicht den Bewegungsmangel in der Schule aus und ist auch gut für die Stimmung.
  • Wenn Kinder sich schwer tun, neue Kontakte in der Schule zu knüpfen, können Eltern das unterstützen, indem sie zum Beispiel immer wieder mal Mitschüler zum Spielen einladen. Fühlt sich ein Kind im Klassenverband wohl, trägt das ebenfalls zu einer besseren Lernfähigkeit bei.
  • Bei älteren Kindern kann ein gemeinsamer abendlicher Spaziergang zu einem schönen Ritual werden, bei dem man den Tag Revue passieren lässt. Dabei erfahren Eltern oft mehr über den Schultag, als wenn sie direkt nachfragen.
  • Besonders nach dem Wechsel ins Gymnasium sind viele Kinder mit der dort geforderten Selbstständigkeit überfordert. Eltern sollten sie deshalb in organisatorischen Belangen unterstützen.
  • Ballett, Fußball, Klavierstunde: Auch die Freizeitaktivitäten sollten nach dem Schulstart  angeschaut und möglicherweise reduziert werden. Was geht sich aus? Was braucht das Kind wirklich und was verursacht nur unnötigen Stress?