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Lifestyle | 13.02.2017

Sexy auch ohne 90-60-90

Hängebusen, Schwabbelhintern: Die meisten Frauen sind mit ihrem Körper unzufrieden. Das hemmt auch im Bett. Sexualberaterin Doris Kaiser erklärt, wie man mit seinem Körper ins Reine kommen kann.

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© Shutterstock

Gefällt Ihnen Ihr Körper? Oder würden Sie gern das eine oder andere ändern, wenn Sie könnten? Damit sind Sie nicht alleine, denn die überwiegende Mehrheit der Österreicherinnen ist mit ihrem Körper nicht zufrieden. Ganz im Gegenteil – der Busen hängt, Bauch und Po schwabbeln, die Oberschenkel sind voller Cellulitedellen. „Sich mit seinem Körper auszusöhnen, zahlt sich aus", sagt Doris Kaiser, Sexualberaterin für Frauen in Linz. „Weil es ein unglaublich befreiendes Gefühl ist und es sich auch auf viele andere Lebensbereiche positiv auswirkt."

 

Sie sind Sexualberaterin speziell für Frauen. Warum ist gerade das weibliche Geschlecht dermaßen unzufrieden mit dem eigenen Körper?

Das hat viele Ursachen. Eine wesentliche Rolle spielen die Medien, die uns ständig Models mit scheinbar perfekten Körpern zeigen. Laut einer Studie fühlen sich 62 Prozent aller Frauen von diesen Bildern unter Druck gesetzt. Noch mehr – 70 Prozent – fühlen sich deprimiert, nachdem sie drei Minuten in einem Frauenmagazin geblättert haben. Unbewusst wird uns ständig suggeriert, dass wir nicht okay sind, so wie wir sind. Dazu kommen Themen wie Diäten oder das Kaschieren von Problemzonen, die dieses Gefühl noch verstärken. Man darf nicht vergessen, dass eine ganze Industrie – von Kosmetik bis hin zu Abnehminstituten – davon lebt, dass wir Frauen mit unserem Körper unzufrieden sind.

 

Ein Mann stellt sich nackt vor den Spiegel, streicht über seinen Nicht-Waschbrettbauch und denkt: „Das passt schon!" Frauen hingegen inspizieren jedes Speckröllchen und jede Cellulite-Delle ganz genau. Ist das tatsächlich so oder täuscht dieser gravierende Unterschied in der Selbstwahrnehmung zwischen Mann und Frau?

Ich würde sagen, dass der Unterschied früher viel größer war. Vor allem jüngere Männer achten durchaus auf ihre Figur und ihre Körperpflege. Auch das Kosmetikangebot speziell für Männer ist in den vergangenen Jahren massiv größer geworden. Ich habe allerdings den Eindruck, dass Männer sich nicht so sehr über die Optik definieren wie Frauen.

 

Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard hat gesagt: "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." Das scheint auch auf viele Frauen zuzutreffen ...

Frauen neigen dazu, sich ständig mit anderen Frauen zu vergleichen. Und wenn das dann junge und perfekt in Szene gesetzte Models sind, kann man nicht gut aussteigen. Das geht sich einfach nicht aus und es kann die Unzufriedenheit noch verstärken. Mit diesem Vergleichen sollte man unbedingt aufhören. Besser ist es, seine eigene Sichtweise zu verändern – weg von den Makeln, stattdessen hin zu dem, was einem an sich selbst gefällt. Denn jede Frau hat etwas, das schön an ihr ist.

 

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Doris Kaiser ist Sexualberaterin für Frauen. (© Eva Giritzer/Sprachbild)

In der Theorie hört sich das gut an, wie funktioniert das in der Praxis?

Man kann damit beginnen, liebevoller über sich selbst zu denken und sich auch so zu behandeln. Viele Frauen nehmen ihren Körper nur noch von außen wahr, wenn sie sich in einen Spiegel schauen, aber sie spüren ihn nicht mehr richtig. Das Eincremen nach dem Duschen kann so ein liebevolles Ritual werden. Indem man diese Minuten dazu verwendet, seinen Körper ganz bewusst wahrzunehmen und ihn zu verwöhnen. Das hört sich banal an, setzt aber einen Prozess in Gang, der dafür sorgt, den eigenen Körper auf positive Weise zu spüren. Dazu kommt, dass wir ruhig ein bisschen dankbarer für ihn sein können. Dass er gesund ist und uns tagtäglich so viele Dinge ermöglicht, die für uns ganz selbstverständlich sind. Diese Wertschätzung und der wohlwollende Blick fangen im Kopf an.

 

Wollen Männer denn Frauen mit perfekten Körpern? Oder setzen sich Frauen selbst unnötig unter Druck?

Die gute Nachricht ist, dass Männern unsere so genannten Makel oft nicht einmal auffallen. Und schon gar nicht, wenn sie sexuell erregt sind. Leider ist es so, dass viele Frauen, die ständig mit sich hadern, sich nicht vorstellen können, dass ein Mann sie sexy und begehrenswert finden könnte. Sie achten beim Sex auf eine Stellung, bei der sie möglichst gut aussehen, oder wollen lieber das Licht abdrehen. Das ist sehr schade, weil sie sich damit um ihre eigene Lust und Hingabe bringen, wenn sie sich nicht fallen lassen können. Und die Männer beschweren sich auch, weil sie halt sehr visuelle Typen sind und ihre Partnerin beim Sex schlicht und ergreifend sehen möchten. Darum versuche ich auch, mit jeder Klientin herauszufinden, was ihr hilft, sich sexy und begehrenswert zu fühlen. Das ist etwas sehr Individuelles, man darf sich da gern von Klischees rund um rote Lippen, Strapse und High Heels verabschieden. Erotik hat viele Gesichter und ist für jeden etwas anderes – und das ist gut so!

 

Sie haben zu diesem Thema sogar einen Online-Kurs konzipiert. Wie läuft das ab?

Da ich mit fast jeder Klientin an diesem Thema arbeite, habe ich mir einen Weg überlegt, wie ich auch Frauen erreichen kann, die nicht mobil sind oder sich eine persönliche Beratung nicht leisten können. In den Online-Kurs „FrauenKörperLiebe“ kann man jederzeit einsteigen und die Übungen dann machen, wenn man Zeit dazu hat. Es gibt unter anderem Videos, Arbeitsblätter und Meditationen, darüber hinaus noch meinen persönlichen E-Mail-Support. Die Teilnehmerin lernt so, ihren Körper immer mehr zu akzeptieren und wird dadurch selbstbewusster und zufriedener. Mit seinem Körper im Reinen zu sein, zahlt sich wirklich aus, weil sich diese Zufriedenheit nicht nur auf das Liebesleben, sondern auch auf viele andere Lebensbereiche positiv auswirkt.

 

Unsere Expertin:

Doris Kaiser, Sexualberaterin für Frauen,

Salzburger Straße 44, 4020 Linz

Tel.: 0650/2070272

E-Mail: [email protected]

www.doriskaiser.com