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Lifestyle | 13.10.2021

Schwarze Sterne über Linz

Im vierten Band seiner Worschädl-Krimireihe setzt Thomas Baum auf einen unter die Haut gehenden Plot, ideenreiche Wendungen, einen filmischen Schreibstil und ein Thema, das aktueller nicht sein könnte: Cyberkriminalität. Der Linzer Autor im Interview.

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© Sarah Baum

Die Cyberkriminalität hat seit der COVID-19-Pandemie stark zugenommen, doch schon die Jahre davor war sie von einer kriminalistischen Randerscheinung zu einem ernst zu nehmenden Problem geworden. Sein Gespür für topaktuelle und fesselnde Themen hat den Linzer Autor Thomas Baum dazu veranlasst, genau dieses Thema in einen spannenden Plot für sein aktuelles Buch zu verpacken. Es trägt den Titel „Schwarze Sterne“ und erscheint am 12. Oktober beim Haymon Verlag.

 

Die Handlung. Obwohl Cybersicherheit nicht zu seinen Spezialgebieten gehört, muss sich Kommissar Robert Worschädl in die Abgründe des Cybercrime wagen, in denen sich sonst nur üble Hacker herumtreiben, denn eine Programmiererin kommt auf brutale Weise ums Leben. Schnell kommen Zweifel an der eigenen Wahrnehmung auf: War die Ampel wirklich grün, über die ich gefahren bin? Bin ich in meinem Zuhause in Sicherheit? Ist mein Arbeitskollege der freundliche Mensch, für den ich ihn bisher gehalten habe? Die Menschen in Linz können sich selbst nicht mehr trauen. Ampelanlagen spielen verrückt, Lichter gehen unvermittelt aus. Und dann ist da plötzlich ein Erpresserschreiben …

 

Der Autor. Thomas Baum ist ein viel beschäftigter Mann. Neben seiner Tätigkeit als psychologischer Berater und Lehrbeauftragter an der Kunstuniversität Linz schreibt er erfolgreich Theaterstücke und Drehbücher, hat dafür auch schon mehrere Preise eingeheimst, etwa den Kulturpreis des Landes Oberösterreich oder den Österreichischen Volksbildungspreis. Aus Baums Feder stammen u. a. der Kinohit „In 3 Tagen bist du tot“ sowie Folgen für TV-Serien wie „Tatort“ und „Winzerkönig“. Aber auch die Kriminalromane des Linzers können sich sehen – oder besser: lesen – lassen. „Schwarze Sterne“ ist bereits sein vierter Roman mit dem sympathisch-knorrigen Protagonisten Robert Worschädl als Linzer Chefinspektor. Mit der Krimireihe schafft es Thomas Baum, die Genres des internationalen und regionalen Spannungsromans geradezu perfekt zu verbinden.

 

Oberösterreicherin: Herr Baum, wie kam Ihnen die Idee zu „Schwarze Sterne“, in dem Sie ein sehr aktuelles Thema behandeln?

Thomas Baum: Vor einiger Zeit hatte ich beim Einschalten meines Computers am Desktop eine fett geschriebene Erpressernachricht auf dem Bildschirm. Die Drehfassung zum Kinofilm „In 3 Tagen bist du tot“ und einige meiner Drehbücher zur Serie „Der Winzerkönig“ waren verschlüsselt. Zum Glück allerdings war da alles schon produziert und gesendet. Ich weiß nicht mehr, wie viele Bitcoins fürs Freischalten verlangt wurden, jedenfalls habe ich sofort entschieden, keinen Cent zu bezahlen. Damals habe ich realisiert, dass es so eine
Cyberattacke auch bei einem kleinen Ein-Personen-Unternehmen geben kann. Seither lebe ich mit dem Bewusstsein, dass jederzeit jemand von außen meine Daten einsehen und das Innenleben meines Computers steuern kann. Das hat mich schon sehr beschäftigt und auch inspiriert.

 

Warum haben Sie Linz als Schauplatz Ihrer Krimireihe gewählt?

Linz ist mein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. Ich mag die Kompaktheit dieser Stadt, in der viel Unterschiedliches Platz hat: Industrie, Kunst, digitales Know-how, Bodenständigkeit, universitäre Vielfalt – in dieser überschaubaren und zugleich weltoffenen Mixtur siedle ich Kriminalfälle an, die stets regionale und internationale Bezüge haben. Das organisierte Verbrechen kennt keine geografischen Grenzen. Aber meine Romane leben auch von kleinen Vorkommnissen. Von alltäglichen, unauffälligen Ereignissen, die mit einem Mal eine besondere und vielleicht sogar entscheidende Rolle spielen. Dafür bietet eine nicht allzu bekannte, nicht allzu grelle und nicht allzu komplexe Stadt wie Linz den geeigneten Rahmen. 

 

Sie schreiben auch Drehbücher – beeinflusst diese Arbeit Ihre Kriminalromane?

Ja, wie beim Schreiben von Drehbüchern wünsche ich mir auch beim Roman am Ende jedes Kapitels einen „Trampolin-Effekt“, der die Geschichte im Kopf der Leser zum Fliegen bringt, der die Fantasie und die Gedanken beflügelt. Nicht nur beim Entwickeln filmischer Szenen, auch beim Roman ist es für mich entscheidend, in welchem Moment meiner Figuren ich ein Kapitel beginne und beende. Ich vergleiche das gerne mit der Druckanzeige bei Schnellkochtöpfen. Spannend wird es, wenn es im Topf brodelt, wenn der Druck ein gewisses Niveau erreicht hat, die inneren und äußeren Konflikte wirksam werden. Wenn der Druck seinen Höhepunkt erreicht, wird es höchste Zeit, wieder auszusteigen.  Beim filmischen Schreiben habe ich außerdem gelernt, dass die nicht erzählten Teile einer Geschichte mindestens so wichtig sind wie die erzählten. Die Erzähllücken schaffen beim zusehenden oder lesenden Publikum den Raum, um unbewusst oder bewusst an der Geschichte mitzubauen und das Eigene mit der stattfindenden Geschichte zu verbinden. 

 

Welche Projekte stehen als Nächstes an?

Diesen Sommer habe ich damit verbracht, mit einer Kollegin das Treatment (Anm.: eine Vorstufe zum späteren Drehbuch) für einen Kinofilm auf die Beine zu stellen. Die Vorlage in Form eines Psychothrillers stammt von ihr, das Drehbuch soll im kommenden Frühjahr fertig sein. Konkreteres möchte ich aber noch nicht verraten. Danach ist ein Drehbuch für einen Fernsehfilm geplant. Und dann muss wieder Zeit für einen nächsten Fall rund um Chefinspektor Robert Worschädl sein …