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Lifestyle | 08.11.2021

Schluss mit perfekt!

Kinder, Job, Haushalt, Partnerschaft, ständiger Terminstress: Immer mehr Mütter fühlen sich völlig ausgelaugt und überfordert. Die Pandemie hat es für viele noch schlimmer gemacht. Höchste Zeit, endlich auch ein bisschen auf sich selbst zu schauen, liebe Mamas!

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© Text: Nicole Madlmayr, Ulli Wright Fotos: Shutterstock, privat

Jetzt mache ich endlich etwas nur für mich! Diesen Vorsatz fasst vermutlich jede Mama irgendwann einmal, um ihn dann im Chaos des Familienalltags doch wieder über Bord zu werfen. Zwischen Terminstress, Haushalt, Job und den Bedürfnissen aller anderen Familienmitglieder kommen die eigenen meist zu kurz. Das Ergebnis: Mama ist dauermüde, ihre Gedanken hängen ständig in der „Müsste-hätte-könnte-sollte-Schleife“ fest und das Einzige, was sie wirklich möchte, ist, einfach mal Ruhe zu haben und exakt nichts machen zu müssen.

Dass sich Mütter immer öfter völlig ausgelaugt und überfordert fühlen, liegt vor allem an der Mehrfachbelastung, der sie täglich ausgesetzt sind. Sie fühlen sich dafür verantwortlich, dass der Familienalltag läuft. Einer Studie des deutschen „rheingold institut“ zufolge sehen sich neun von zehn Frauen als „Managerin der Familie“. Jede zweite Befragte übernimmt zudem Haushaltstätigkeiten lieber selbst, als sie an den Partner zu delegieren, und jede Dritte sieht in ihrem Partner überhaupt ein weiteres Kind. Das alles macht einer Frau das Leben nicht leichter.

Unrealistische Erwartungshaltungen und Ansprüche. Dazu kommen unrealistische Erwartungshaltungen gegenüber Müttern sowie hohe Ansprüche – besonders auch von den Mamas an sich selbst. Ständig versuchen sie, perfekt zu sein. Schließlich sieht man ja auf Instagram & Co., wie es geht …

Die deutsche Autorin und Dreifach-Mama Nathalie Klüver kann diese Mär von der immer glücklichen Mutter schon lange nicht mehr hören. Denn ja, natürlich sind Kinder ein Geschenk, doch tatsächlich dürfen auch negative Gefühle zu einem Leben als Mama gehören. „Es ist völlig normal, auch mal müde, genervt und unglücklich zu sein“, schreibt sie in ihrem Buch „Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein“. „Das Leben mit Kindern ist oft ganz schön anstrengend – und keiner bereitet einen darauf vor. Leider werden diese negativen Gefühle als Mama auch oft als nicht normal dargestellt. Vielen Müttern ist vor der Geburt ihres ersten Kindes nicht klar, dass auch diese Gefühle auf sie zukommen werden. Sie berichten, dass sie vollkommen ahnungslos und mit absolut falschen Vorstellungen an das Elternleben herangegangen sind.“

Frauen fühlen sich als Versagerinnen. Erfüllen sie mal nicht die Erwartungen, die die Gesellschaft, Medien, die eigenen Eltern oder andere Mütter an sie haben, fühlen sich Frauen gleich als Versagerinnen. Sie fressen ihre Sorgen und Gedanken sehr oft lieber in sich hinein, anstatt sie mit anderen zu teilen. Sie beißen so lange die Zähne zusammen, bis es einfach nicht mehr geht. Und welche Mutter kennt dieses Gefühl nicht, wenn sie schon wegen einer Kleinigkeit die Beherrschung verliert, schreit und weint?

Darum ist es besonders wichtig, dass sich Frauen gut um sich selbst kümmern. Denn nur so sind sie für den Familienalltag und dessen tägliche Herausforderungen gewappnet. Für Autorin Nathalie Klüver ist eine Zauberformel, um mehr Zeit für sich selbst zu haben, Nein sagen zu lernen. Sowohl im Job als auch im privaten Bereich. Frauen neigen nämlich dazu, aus dem Streben nach Harmonie heraus sich zu viele Dinge aufzuhalsen und immer erst die Bedürfnisse aller anderen zu erfüllen.

Mehrfachbelastung unterschätzt. Manuela Irene Koller ist Lebens- und Sozialberaterin in Feldkirchen und weiß, wie schwierig dieser Spagat im Leben einer Frau sein kann. „Für alles, was man liebt, setzt man sich meist besonders ein. Das ist auch gut so, denn es gewährleistet, dass unsere Kinder umsorgt und in liebevoller Umgebung aufwachsen können“, sagt sie. „Viele Mütter leben diesen ,Urinstinkt‘ sehr hingebungsvoll und mit hohen Ansprüchen an sich selbst. Allerdings wird der Tatsache, dass es hier oft zu einer Mehrfachbelastung durch Kindererziehung, Beruf und Haushalt kommt, meist zu wenig Beachtung geschenkt.“

Kommen dann noch außergewöhnliche Belastungen wie Homeschooling, soziale Isoliertheit und wichtige gesundheitliche Entscheidungen für sich und die Kinder durch die Pandemie dazu, kann das permanenten Stress verursachen. Wird nicht rechtzeitig gegengesteuert, kann es sein, dass man bis zur völligen Erschöpfung rackert und geradewegs in ein Burn-out schlittert (siehe auch Interview S. 19).

Zeitinseln für sich selbst schaffen.  Damit es gar nicht erst soweit kommt, ist es wichtig, sich selbst und seine Bedürfnisse nicht mehr hintanzustellen, sondern immer wieder Zeitinseln zu schaffen, um diese zu befriedigen. Dreifach-Mama Nathalie Klüver hat in ihrem Buch unzählige Tipps für mehr Me-Time gesammelt, die manchmal banal erscheinen und doch so guttun. Oder haben Sie schon mal daran gedacht, einmal in der Woche kurz nach den Kindern ins Bett zu gehen, um eine Extraportion Schlaf zu bekommen, oder einfach mal für ein paar Minuten in die Ferne zu schauen, dabei tief ein- und auszuatmen und das Gedankenkarussell bewusst zu stoppen?

Zudem sollten sich Mamas noch einen wesentlichen Punkt bewusst machen: Es fällt ihnen kein Stein aus der Krone, wenn sie um Unterstützung bitten bzw. angebotene Hilfe annehmen und nicht gleich reflexartig ablehnen. „Man muss nicht immer alles alleine schaffen“, betont auch Nathalie Klüver in ihrem Buch. „Im Gegenteil: Man darf und sollte Hilfe annehmen und sie auch einfordern. Die Männer müssen ihre Frauen entlasten und auch die Kinder können bei gewissen Haushaltstätigkeiten helfen. Mamas sind nicht die Dienstboten ihrer Kinder!“

Schluss mit Perfektionismus. Die Autorin empfiehlt Mamas übrigens folgenden Grundsatz: Schluss mit Perfektionismus! Man muss nicht perfekt sein, gut genug reicht auch! Denn wer immer 100 Prozent geben und alles zu 100 Prozent erledigen möchte, wird schnell feststellen, dass die Mühe erstens nicht gewürdigt wird und zweitens, dass es 80 Prozent Ergebnis auch getan hätten. Außerdem lohnt es sich, seine Prioritäten zu überdenken und neu zu setzen. Eine regelmäßige „Bestandsaufnahme“ hilft, wirklich Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.

Und stellen Sie sich eine Frage, die Ihnen bei dieser Unterscheidung helfen kann: Wollen Sie mit 80 auf Ihr Leben zurückblicken und sich dafür loben, das Haus immer in Schuss gehalten zu haben? Oder wollen Sie auf ein Leben voller Lachen und lustiger Momente zurückschauen?

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© privat

Christina Danner (37), Mama von Theo (9) und Noah (5), Senior PR- Consultant & Bloggerin:

„Gleich vorweg: Me-Time? Ja bitte, unbedingt und ohne schlechtes Gewissen! Als zweifache berufstätige Mama musste ich auch erst lernen, dass es vollkommen okay und auch notwendig ist, mir Zeit für mich zu nehmen. Zuerst mussten immer die Kinder versorgt, der Job und der Haushalt optimal erledigt werden. Abends war ich dann völlig erschöpft und ausgelaugt. Bis jemand sagte: „You can not pour from an empty cup!“ Und es stimmt! Seit ich mich besser um mich kümmere, habe ich mehr Energie für die Familie und bin ausgeglichener. Meine Me-Time? Ich versuche zumindest eine halbe Stunde pro Tag aktiv etwas für mich zu tun – sei es laufen, Yoga oder einfach nur mit einer Tasse Kaffee in die Luft schauen. Am liebsten bin ich in der Natur unterwegs, in den Bergen, wenn möglich alleine oder mit meinem Mann – hier kann ich so richtig abschalten. An alle Mamas da draußen: Kinder zu haben bedeutet nicht, sich selbst aufzugeben. Schaut auf Euch – und Eure Kinder werden es Euch danken!“

 

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© privat

Martina Weiß (40), Mama von Lukas (13), Lisa (11), Leon (6) und Lara (3), Diplom-Kinderkrankenschwester:

„Wenn ich nur wenig Zeit habe, also meistens, dann freue ich mich schon über eine kurze Wellness-Einheit – sprich, zehn Minuten alleine unter einer heißen Dusche! Zeit nur für mich zu haben, bedeutet mir viel und ist mir auch sehr wichtig. Darum mache ich zum Beispiel eine Cranio-Sacral-Ausbildung in Deutschland. Das ist für mich ein guter Ausgleich zum täglichen Trubel daheim, auch wenn ich von Außenstehenden immer wieder mal gefragt werde, warum ich mir so etwas auch noch anfange. Außerdem entspannt es mich, wenn ich eine Torte backe oder Sport mache – egal ob Tennis, eine Bauch-Beine-Po-Einheit oder eine Runde Walken mit Freundinnen. Zeit für mich bedeutet für mich auch, Zeit mit meinem Mann alleine zu verbringen. Leider kommt das mit vier Kindern zwangsläufig viel zu selten vor!“ 

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Victoria Felice (34), Mama von Luis (10), Toni (8) und Paulina (5), Medienberaterin bei der „Oberösterreicherin“:

„Ein ‚Mama-Time-out‘ genieße ich gerne beim Friseur oder bei meiner Kosmetikerin. Auch ein Shoppingtag oder ein Cappuccino mit meinen Freundinnen zählen zu einer willkommenen Abwechslung. Bei einem spannenden Buch – natürlich nur mit Happyend – kann ich auch gut abschalten. Selten opfere ich allerdings meine mäßige Freizeit, um Sport zu treiben. Am liebsten verbringe ich ein Wellnesswochenende in Guglwald mit meinem lieben Mann, den ich seit meinem 16. Lebensjahr kenne. Dort lassen wir uns rundum verwöhnen und tanken dabei wieder Energie.

Sollte sich ein kurzfristiges ‚Mama-Time-out‘ ergeben, bin ich überfordert und kann damit leider wenig anfangen. Eine Auszeit nütze ich aber auch gerne für Haus- und Gartenpflege. Beim Betrachten der getanen Arbeit empfinde ich Zufriedenheit, Dankbarkeit, fühle mich tiefenentspannt und vermisse im gleichen Moment meine drei Kids!“

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Doris Käferböck (34), Mama von Nora (5) und Martin (7), Konzernkommunikation RLB OÖ:

„Der Alltag mit zwei Kindern im  Alter von fünf und sieben ist schon fordernd. Da braucht man zwischendurch immer wieder kleine Pausen zum Durchschnaufen, Abstand gewinnen, Ruhe bewahren und Reflektieren. Mein Mann und ich haben glücklicherweise auf beiden Seiten engagierte Großeltern, die die Kinder auch mal übers Wochenende nehmen und uns so etwas Zeit zu zweit ermöglichen. Aber auch kleine Auszeiten im Alltag sind wichtig – die gönne ich mir meist abends. Richtig abschalten kann ich beim Backen, bei einem guten Buch und bei Spaziergängen mit meinen Nachbarinnen. Da besprechen wir die aktuellen Herausforderungen mit den Kindern und alles, was uns sonst gerade beschäftigt – bei diesem Austausch an der frischen Luft kann ich regelrecht durchatmen.“

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Christina Thallinger (37), Mama von Leo (2,5 Jahre) und Timo (6 Monate), selbstständig:

„Meine Kinder genießen die Zeit mit mir und wollen mich natürlich ständig um sich haben. Trotzdem brauche ich auch Zeit für mich und meinen Partner. Unsere Kleinen sind Gott sei Dank sehr gerne bei den Großeltern. Es fällt mir eine Last von den Schultern, wenn ich zwei bis drei Stunden alleine im Büro arbeiten kann und weiß, dass es meinen beiden gut geht. Der Spagat zwischen Haushalt, Kinder und Arbeit ist enorm. Man versucht, alles unter einen Hut zu bringen, und stellt sich selbst immer hinten an, deshalb braucht man hin und wieder eine Auszeit, um wieder Energie tanken zu können. Wenn die Kinder bei den Großeltern übernachten, fahren mein Partner und ich gerne Wellnessen. Aber auch zu Hause können wir beim Arbeiten im Garten oder im Haus gut entspannen. Es ist schön, wenn ich sehe, dass etwas weitergeht! Es müssen nicht immer Wellness oder Ausschlafen sein. Für mich ist erholsam, wenn ich mich einmal um niemanden kümmern muss und meinen Tag verbringen kann, wie ich will. Die Sorgen um die Kinder einfach abgeben zu können, ist für mich schon Erholung pur.“

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Simone Madlmayr (38), Mama von Annika & Marie (5), Verwaltungsangestellte:

„Wenn ich im Alltag mal Ruhe und ein bisschen Zeit nur für mich brauche, dann stehe ich 20 Minuten früher auf, bevor der Wecker für unsere Zwillinge läutet. Ich trinke dann in aller Ruhe meinen Kaffee und genieße die Stille. Das ist herrlich und tut mir gut. Von dem ganzen Trubel abschalten kann ich auch bei einem entspannenden Bad, beim Musikhören oder einer kurzen Auszeit, die ich allein auf unserem Balkon verbringe. Im Sommer spiele ich gern Tennis. Leider schaffe ich es viel zu selten auf den Tennisplatz, obwohl ich weiß, dass mir das Spaß macht und Kraft gibt!“