Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 18.09.2019

Rund um die Uhr

Die 24-Stunden-Betreuung wurde vor elf Jahren in Österreich legalisiert. Auch in Oberösterreich ist der Bedarf ungebrochen, denn immer mehr Menschen möchten in ihrem Zuhause betreut werden.

Bild 1909_O_24-Stunden_shuttersto.jpg
© Shutterstock

Wenn die eigene Mutter, der Vater, pflegedürftig wird, stehen die meisten Angehörigen erst einmal vor vielen Fragen. Denn ein Großteil der alten Menschen möchte zu Hause bleiben und in den eigenen vier Wänden betreut werden. Doch was ist in dieser Situation zu tun? Wo gibt es professionelle Unterstützung? Wie lange dauert es, bis eine Betreuerin gefunden werden kann? Eine, die Antworten auf diese Fragen weiß, ist Zuzana Tanzer. Die Slowakin war vor mehr als 20 Jahren selbst eine der ersten 24-Stunden-Betreuerinnen aus unserem Nachbarland. Nachdem die diplomierte Krankenschwester damals knapp drei Jahre als private Betreuerin in Oberösterreich gearbeitet hatte, lernte sie ihren heutigen Mann kennen. Gemeinsam gründeten sie das Unternehmen „Altern in Würde“, das Betreuerinnen aus der Slowakei vermittelt und ihnen bessere Arbeitsbedingungen bietet, als sie Tanzer selbst zu Beginn erlebt hat.

Qualifikation überprüfen. Seit 2013 arbeitet die Agentur in Oberösterreich mit dem Roten Kreuz zusammen. Während das Rote Kreuz die Erhebung des Betreuungs- und Pflegebedarfs vor Ort und regelmäßige Qualitätsvisiten durchführt und auch die Betreuungssituation schriftlich dokumentiert, kümmern sich Zuzana Tanzer und ihre Mitarbeiter um die Auswahl von geeigneten Betreuungskräften. Für sie ist das eine der wichtigsten Aufgaben. „Nicht alle Personen, die in Österreich arbeiten möchten, sind zum Beispiel für die 24-Stunden-Betreuung geeignet“, erklärt sie. „Man muss die Qualifikation überprüfen und die Bewerber am besten persönlich auswählen. Pflegesuchende sollten deshalb immer kritisch hinterfragen, wie die Auswahl der Betreuer bei einer Agentur erfolgt. Agenturen, die direkt in den Heimatländern der Betreuungskräfte angesiedelt sind, haben den direkteren Zugang zu den Betreuern und können diese meistens auch persönlich vor Ort überprüfen.“ Eine gute Auswahl an Betreuern, die fachliche Bedarfserhebung und Vorbereitung des Betreuungsstarts nehmen laut Tanzer übrigens einige Tage in Anspruch. Angebote, die innerhalb von ein, zwei Tagen den Betreuungsstart versprechen, könnten darum meistens keine entsprechende Qualität garantieren. Acht sollte man auch bei „Billigangeboten“ geben. „Betreuerinnen, die für die Hälfte des üblichen Honorars arbeiten, das ab 70 Euro pro 24 Stunden losgeht, haben meist keine Qualifikation und sprechen nur wenige Worte Deutsch“, warnt Tanzer. „Qualität hat auch in der 24-Stunden-Betreuung ihren Preis.“

 

Bild 1909_O_Leben_Pflege_Tanzer.jpg
Zuzana Tanzer (© privat)

Chemie sollte stimmen. Wenn zwei Menschen 24 Stunden am Tag zusammen verbringen, sollten auch Chemie und Sympathie stimmen. Wer lange in diesem Bereich tätig ist, kann – wie Zuzana Tanzer – gut einschätzen, zwischen welchen Personen das der Fall sein könnte. „Wenn Betreuer jahrelang mit uns zusammenarbeiten, ist das für die richtige Auswahl natürlich ein großer Vorteil“, so die Agenturleiterin. Allerdings könne es passieren, dass sich diese gute Chemie im Lauf der Zeit verändert. Sie habe schon erlebt, dass hervorragende Beziehungen zwischen Betreuern und Betreuten plötzlich zu Ende waren. Auf der anderen Seite gebe es  Freundschaften, die sogar nach dem Tod der betreuten Personen jahrelang mit deren Familienangehörigen bestehen bleiben.

Grenze zwischen Pflege und Betreuung. Die größte Herausforderung sieht Tanzer im Bereich der 24-Stunden-Betreuung im Moment darin, dass die Grenze zwischen Pflege und Betreuung akzeptiert und in der Praxis auch gelebt werden müsse. Denn: Die Betreuerinnen sind keine Pflegefachkräfte und brauchen Unterstützung, wenn es um die Pflege geht. „Auch die Betreuten oder deren Angehörige brauchen bessere Aufklärung, damit keine falschen Erwartungen oder nicht erfüllbare Anforderungen entstehen“, betont Tanzer. Für sie sind deshalb Konzepte, bei denen die 24-Stunden-Betreuung mit der Fachpflege zusammenarbeitet, die Zukunft der 24-Stunden-Betreuung. Ein weiterer Punkt ist die demografische Entwicklung der Bevölkerung. „Es wird eine große Herausforderung, auch in Zukunft genügend qualifizierte Betreuungskräfte zu finden“, so Tanzer weiter. „Durch den steigenden Lebensstandard in den Heimatländern der Betreuungskräfte nimmt auch das Interesse an einer Tätigkeit in Österreich ab. Zudem bieten andere Länder bessere Bedingungen und finanzielle Abgeltung als Österreich. Es müssten daher Finanzierungskonzepte überdacht werden, um unsere erfahrenen 24-Stunden-Betreuungskräfte menschenwürdig zu entlohnen und sie nicht zu verlieren.“