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Lifestyle | 17.02.2021

Raus aus der Unsichtbarkeit

Homeoffice, Homeschooling – gerade in einer Zeit, in der viele Frauen wieder in die Unsichtbarkeit verschwinden, braucht es mehr Frauen auf den Bühnen dieser Welt. Speaker Coach und Beraterin Claudia Novak hilft ihnen dabei, sich zu zeigen und einzubringen.

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© Antje Wolm

Vor Kurzem zeigte sich ORF-Moderatorin Nadja Bernhard mit einer großen nerdigen Brille im ZIB 2-Studio. Die  Annahme, dass es sich um eine Fake-Brille mit Fensterglas handelte, war einer Wochenzeitung sogar einen Einspalter wert. Via Facebook-Posting stellte die Moderatorin klar, dass sie die Brille aufgund ihrer Kurzsichtigkeit trägt, mit der Bitte, die „falsche und sexistische“ Meldung richtigzustellen, was nicht geschah. So wie Nadja Bernhard geht es vielen Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen. Denn leider werden im Vergleich zu Auftritten von Männern bei Frauen immer noch zu allererst Aussehen, Kleidung und erst sekundär ihre Inhalte bewertet. Auch wenn es um Expertise geht, haben Frauen immer noch das Nachsehen. So kamen vor Kurzem bei einer Fernsehsendung zum Thema „Angst und Corona“ sechs Experten zu Wort. Fünf von ihnen waren männlich, eine weiblich. Dass es weniger Expertinnen als Experten gibt, ist meist eine Ausrede, Frauen müssen sich aber auch selber an der Nase nehmen, selbstbewusst auftreten und sichtbar werden. 

Eine, die sich dafür einsetzt und Frauen für die Bühnen dieser Welt fit macht, ist Speaker Coach Claudia Novak, die im Frühjahr 2020 ihr Beratungs- und Coachingunternehmen Women on Stage! in Linz eröffnet hat. Im Interview erzählt die Juristin und Zweifach-Mama, wie  sich Frauen gegenseitig unterstützen können und wie wichtig es ist, authenisch statt perfekt zu sein.

 

OBERÖSTERREICHERIN: Frau Novak, von der Juristin bei der EU-Kommission zum Speaker Coach mit eigenem Unternehmen. Was hat Sie dazu bewogen, ihr Beratungsunternehmen Women on Stage! zu gründen?

Als Rechtsanwältin waren zielfokussierte Kommunikationsstrategien mein tägliches Brot, als Speaker Coach mache ich eigentlich nichts anderes, nur sprechen meine Kundinnen jetzt für sich selbst. Ich stärke sie in ihrem Fokus, ihrer Präsenz und Authentizität und bin überzeugt, dass „echte“ Menschen mit „echten“ Geschichten am meisten bewegen können. Das war auch mein Credo bei der internationalen TEDx Konferenz, die ich in Linz veranstaltet habe. Women on Stage! ist mir ein Herzensanliegen. 

 

Ihr Unternehmen haben Sie während des Shutdowns im Frühling 2020 gegründet, ein sehr mutiger Schritt.

Ja, es ist fast ironisch, dass ich mich in einer Zeit, in der sich alle gezwungenermaßen zurückgezogen haben, mit dem Thema Public Speaking selbstständig gemacht habe. Mit meinem Unternehmen will ich Frauen dabei unterstützen, in die Sichtbarkeit zu gehen. Aufgrund von Homeoffice und Homeschooling verschwinden viele Frauen einmal mehr in die Unsichtbarkeit und nehmen wieder sehr traditionelle Rollen ein, daher brauchen wir im Anschluss an diese Lockdowns wieder mehr Frauen auf unseren Bühnen. 

 

Welche Bühnen sind das?

Das müssen nicht immer große Bühnen sein, das wäre 2020 auch gar nicht möglich gewesen. Aber wir alle betreten im Alltag ganz viele Bühnen und es ist wichtig, diese bewusst wahrzunehmen und zu gestalten. Egal ob Rednerpult im großen Saal, Expertenrunde, Besprechung, Teamgespräch, Bewerbungsgespräch, Ansprache vor den Mitarbeitern oder Videobotschaften für die Website – meine Zielgruppe sind Frauen, die sich auf den unterschiedlichsten Bühnen bewegen. 

 

So nach dem Motto „The future is female“ ?

Das ist ein wunderbarer Slogan, dennoch bin ich überzeugt: The future is all of us! Unsere Gesellschaft braucht sowohl die weibliche als auch die männliche Perspektive. Ich glaube an die Kraft der Polaritäten und der Diversität. Aber leider bekommen Frauen immer noch viel zu wenig Möglichkeiten, ihre Kompetenzen zu zeigen. Bei Diskussionen im öffentlichen Raum oder auch bei Fernsehrunden gibt es zwar viele Moderatorinnen, aber sobald es um die Expertise geht, werden Männer als Experten geholt. 

 

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© Antje Wolm

Woran liegt das?

Frauen wurde über Generationen vermittelt, dass ihre Stimme im öffentlichen Diskurs keinen Platz hat und das sitzt unheimlich tief. Wir haben viele kulturelle Normen in uns, die wir nicht von heute auf morgen abschütteln können. Das ist ein Transformationsprozess als Gesellschaft und als Individuum. Männer schwangen Reden, Frauen entwickelten die Macht der kleinen Kommentare und andere Kompetenzen, die uns oft nicht bewusst sind. Aber wir sollten viel mehr unsere Stärken sehen. Als Mama schafft man zum Beispiel ganz oft einen atmosphärischen Rahmen, gestaltet und haltet den Raum für andere – genau das sind Kernkompetenzen von Leadership. Das ist eine Gabe, ein Wert. Wir schaffen aber auch oft die Bühne für andere und bleiben selber unsichtbar. 

 

Was können wir Frauen dafür tun, sichtbarer zu werden?

Leider haben Frauen oft das Gefühl, (noch) nicht gut genug zu sein, haben Angst, sich zu blamieren oder dass hinter ihrem Rücken getuschelt wird. Auch in Zeiten von Female Empowerment und Female Leadership reden wir Frauen uns oft noch klein und stehen uns mit Selbstkritik und Perfektionsanspruch im Weg. In meinen Seminaren und Coachings locke ich Frauen aus ihrer Komfortzone und helfe ihnen, Sicherheit und Selbstvertrauen in der Exponiertheit zu entwickeln. Denn dann kann uns nichts so schnell aus der Ruhe bringen, auch keine kritischen Fragen. Ganz wichtig ist auch, dass wir Frauen uns gegenseitig auf die Bühnen heben und weiterempfehlen. Wir dürfen lernen, uns selbst und uns gegenseitig zu ermächtigen.

 

Wie können Sie mit  WOMEN ON STAGE! Frauen dabei helfen?

Viele Frauen haben eine Scheu davor, in die erste Reihe zu treten und sich zu exponieren. Es ist vielleicht eine Überwindung in die Seminare und zu den Coachings zu kommen, aber danach ist es keine Überwindung mehr, vor Menschen zu sprechen. Mit WOMEN ON STAGE! schaffe ich für Frauen einen geschützten Erlebnisraum, in dem sie sich ausprobieren und entfalten können. Wir arbeiten einerseits an den inneren,  individuell unterschiedlichen Hürden und andererseits gebe ich Werkzeuge in die Hand, die rhetorische Sicherheit geben. Mein Ziel ist, dass sich meine Kundinnen mit Freude zeigen und sich ihrer Authentizität bewusst werden. 

 

Wie verschafft man sich Gehör?

Gehör verschaffen wir uns, in dem wir uns zu allererst unseres eigenen Werts bewusst werden und uns nicht mehr unnötig klein machen. Mein Credo ist dabei immer die Augenhöhe von Mensch zu Mensch.   

 

Wie definieren Sie Authentizität?

Authentizität ist für mich die  Erlaubnis, dass wir echt und wir selbst sein dürfen. Das ist eine Steuerung von innen heraus, von einer inneren Wahrheit und Überzeugung und nicht etwas, wo man sich wieder von außen nach idealisierten Bildern orientiert. Da wäre man dann wieder im Gefallenwollen drinnen und extern gesteuert. 

 

Also besser authentisch als perfekt. Warum neigen wir Frauen zum Perfektionismus?

Wir Frauen neigen dazu, uns zu viel Druck zu machen, perfekt sein zu müssen, da wir bestimmten Bildern entsprechen möchten. Über die Medien verinnerlichen wir Bilder, wie wir gerne sein möchten und laufen dabei immer der „Karotte“ unseres eigenen Idealbildes nach, das wir mit unserem strengen Blick natürlich nie erreichen.

 

Woran liegt das? Fehlen uns Role Models?

Wir sollten persönliche Dinge, wie Locken oder eine markante Brille, als Alleinstellungsmerkmal hernehmen. Es ist wichtig, dass wir uns so annehmen wie wir sind. Zum Glück springen momentan auch viele Medien und die Werbeindustrie auf diesen Zug auf. Denken Sie an die Dove-Werbung mit Frauen wie du und ich, aber auch Nadja Bernhard ist ein gutes Beispiel, indem sie sich mit einer markanten Brille zeigt. Es gibt immer mehr Role Models, die Authentizität leben und genau solche Vorbilder braucht es in unserer Bildergesellschaft, die von Facebook und  Instagram geprägt ist.  Je technischer bzw. digitaler unsere Gesellschaft wird, desto mehr werden Attribute wie Menschlichkeit und Echt-sein zu unserem Asset.

 

Mittlerweile sind wir im dritten Lockdown. Wie hat sich Ihr Unternehmen entwickelt?

Je mehr die Lockdowns Frauen wieder in traditionelle Rollen drängen, desto mehr Bedarf entsteht, Frauen wieder den Weg auf die Bühnen zu ebnen. Ich freue mich, Unternehmen in diesem Prozess mit unserem Inhouse-Programm unterstützen zu können. Da ich auch auf Englisch arbeite, kann ich für international tätige Unternehmen wFrauen mit unterschiedlichsten Nationalitäten begleiten. Ich bin begeistert, wie sehr digitale Räume Platz für Entfaltung bieten. Einzelcoachings mache ich in meinem „Frauenzimmer“ teils per Zoom, teils analog in Linz. 

Am liebsten arbeite ich dennoch gemeinsam in einem Raum. Das nächste 2-Tage-Seminar THE STAGE IS YOURS! findet übrigens am 11. und 12. März 2021 in Linz statt. Das intensive TO YOURSELF! Selbsterfahrungs-
seminar rund um Frauen und ihre Bühnen findet von 30. April bis 2. Mai am Grafengut in Nussdorf am Attersee statt. 

 

WOMEN ON STAGE!

Dr. Claudia Novak, MSc

[email protected]

www.womenonstage.at

Lifestyle | 17.02.2021

Oberösterreicherin Gewinnspiel

Gewinnen Sie einen Platz für das zweitägige Basis-Seminar THE STAGE IS YOURS! am 11. und 12. März 2021 von jeweils 9 bis 17 Uhr im Wert von 655 Euro (im Moodroom, Hauptplatz 22 in Linz) und finden Sie heraus, wie Sie Ihre Persönlichkeit und Kompetenz bestmöglich zum Ausdruck bringen. Das Gewinnspiel finden Sie unter www.dieoberösterreicherin.at, Teilnahmeschluss ist der 9. Februar 2021.