Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 23.11.2016

Raus aus der Stressfalle!

Immer mehr Frauen fühlen sich in ihrem Alltagsleben gestresst und stellen ihre eigenen Bedürfnisse hintan. Auf Dauer führt das geradewegs ins Burnout!

Bild shutterstock_317390285.jpg
© Shutterstock

Familie, Job, Haushalt: Die Zahl der Frauen, die sich in ihrem Alltagsleben ständig gestresst fühlen, steigt immer weiter. Zeit für Entspannung und Hobbys? Fehlanzeige! Eine dramatische Entwicklung, denn wer seine eigenen Bedürfnisse auf Dauer vernachlässigt, ist auf dem besten Weg ins Burnout. Wir haben mit Psychologin Michaela Schöny vom Kepler Universitätsklinikum über Wege aus der Stressfalle gesprochen.

 

Mehr als die Hälfte aller österreichischen Frauen bis 60 Jahre fühlen sich laut einer Umfrage aus dem Jahr 2014 in ihrem Alltagsleben gestresst. Woran liegt das?

Michaela Schöny: Grundsätzlich muss man sagen, dass Stress nicht von objektiven Variablen abhängt, sondern vielmehr davon, wie jemand eine Situation subjektiv bewertet und darauf reagiert. Was für Kollegin A nicht weiter tragisch ist, kann bei Kollegin B eine enorme Stressreaktion auslösen. Das ist übrigens geschlechtsunabhängig. Eine wichtige Rolle bei Frauen spielt allerdings die Mehrfachbelastung durch Familie, Job und Haushalt und welche Erwartungen eine Frau damit verbindet. Je höher diese Rollenerwartungen sind, umso schwieriger ist es auch, sie zu erfüllen, und umso höher wird das Stresspotenzial.

 

Besonders Frauen neigen dazu,  immer an alle anderen zu denken und erst ganz zum Schluss an sich selbst – wenn dann noch Zeit bleibt. Sollten Frauen schlicht egoistischer werden, um nicht selbst auf der Strecke zu bleiben?

Das Wort „egoistisch“ ist sehr negativ behaftet. Ich empfehle Frauen vielmehr, zu lernen, auch einmal Nein zu sagen. Ein Nein bedeutet gleichzeitig ein Ja zu den eigenen Bedürfnissen. Das hat ganz viel mit Achtsamkeit zu tun, von Egoismus sind wir da weit entfernt! Vielen Frauen ist auch wichtig, welches Bild sie ihrem Umfeld nach außen hin vermitteln. Das kann ebenfalls Stress erzeugen. Besser ist es, sich davon zu lösen, von außen Anerkennung zu bekommen, und auch den Perfektionsdruck zu reduzieren, dem sich Frauen oftmals selbst aussetzen. Sich bewusst zu machen, dass dieser Perfektionsanspruch gar nicht notwendig ist, ist ein wichtiger Schritt.

 

Sie sprechen die eigenen Bedürfnisse an. Diese zu vernachlässigen, ist bereits Stadium drei von zwölf auf dem Weg ins Burnout. Ist Frauen das überhaupt bewusst?

Nein, ich denke nicht. Weil es ein schleichender Prozess über einen sehr langen Zeitraum ist. Man schläft nicht mehr ausreichend, man isst nicht regelmäßig, sondern zwischendurch, wenn es sich irgendwie ausgeht, weil alle anderen Dinge wichtiger sind. Passiert das über einen längeren Zeitraum, entsteht ein Ungleichgewicht, das in einem Burnout enden kann. Darum ist es sehr wichtig, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Stichwort Selbstfürsorge!

 

Gibt es Anzeichen oder Warnsignale, wenn man sich bereits auf bestem Weg ins Burnout befindet?

Meistens ist es der Körper, der sig-nalisiert, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ein wichtiges Zeichen sind Schlafstörungen. Jeder kennt das in Hochstresssituationen – wenn man nicht einschlafen kann oder nachts wach wird und sich das Gedankenkarussell unaufhaltsam dreht. Hält dieser Zustand länger an, ist es ein Warnsignal, weil der Körper nicht mehr fähig ist, sich zu erholen. Auch Spannungskopfschmerz kann ein Warnsignal sein, weil sich der Körper ständig in einem angespannten Zustand befindet. Bei diesen Anzeichen sollte man achtsam sein und hellhörig werden. Leider ist die Gefahr groß, dass man sie zwar kurzzeitig wahrnimmt, aber so im Stress ist, dass man – etwa mit Hilfe von Schmerzmitteln – in dem Hamsterrad weiterläuft.

 

Was sollte man stattdessen tun?

Sich die Frage stellen, was los ist und was der Körper braucht, um entspannen zu können. Dabei geht es auch um regelmäßige Bewegung und Aktivitäten, für die sich Betroffene keine Zeit mehr nehmen. Stressbewältigung heißt auch, dass Hobbys wieder einen Wert bekommen. Außerdem sollte man seine Denkmuster überprüfen. Ist es wirklich notwendig, zuerst alle Pflichten zu erfüllen und erst dann selbst dran zu sein? Oder kann ich lernen, Erholungsphasen zwischendurch einzubauen? Hier ist ein Umdenken gefragt.