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Lifestyle | 26.04.2022

Psychische Probleme bei Kindern & Jugendlichen

Um den steigenden Bedarf der medizinischen Versorgung gewährleisten zu können, wurde eine neue Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum-Standort Grieskirchen installiert.

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Psychische Probleme bei Kindern & Jugendlichen durch Verlust der Alltagsstruktur gestiegen. © Klinikum Wels-Grieskirchen / Nik Fleischmann

Nach zwei Jahren Ausnahmesituation darf es nicht verwundern, dass sich gerade in einer Lebensphase der körperlichen und psychischen Entwicklung Probleme zeigen, die im Alltag sichtbar werden – das sind Symptome und Beschwerden bis hin zu manifesten psychiatrischen Krankheitsbildern“, macht Adrian Kamper, Leiter der neuen Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum-Standort Grieskirchen, deutlich. „Dazu zählen depressive Symptome, Angstzustände und Essstörungen, Selbstverletzungen, Selbstmordankündigungen und Selbstmordversuche. Wegschauen und Abwarten sind keine Lösungsansätze. Auch ein ‚Jetzt reiß dich zusammen!‘ ist nicht die geeignete Botschaft. So einfach ist es leider nicht.“ Erste Hilfe erhält man im niedergelassenen Bereich (Haus- und Fachärzte, psychologische Beratungsstellen) sowie telefonisch über Krisenhilfe OÖ (0732 2177), Telefonseelsorge OÖ (142) und Rat auf Draht (147) oder online (www.rataufdraht.at, www.elternseite.at).

Der Weg ins Krankenhaus. Derzeit liegt eine hohe Frequenz an Anfragen zur stationären oder auch tagesklinischen Aufnahme in der Kinder-und Jugendpsychiatrie vor. In die Aufnahmeplanung fließen verschiedene fachliche und strukturelle Faktoren ein. „Sie beinhalten die Hauptsymptome bzw. Inhalte der Schilderungen, geäußerte Verdachtsdiagnosen und Vordiagnosen, daraus resultierend unsere fachliche Einschätzung der Dringlichkeit zur Aufnahme, unterstützt von telefonischen Rückfragen und zeitnahen ambulanten Terminen zur besseren Einschätzung“, erklärt Kamper. „In diesem Rahmen erfolgt auch eine grundsätzliche Klärung unserer fachlichen Zuständigkeit oder Nicht-Zuständigkeit vor dem Hintergrund unserer Möglichkeiten und unseres definierten Versorgungsauftrages. Dabei beachten wir die vorrangige Versorgung von Kindern und Jugendlichen unseres Einzugsgebietes im Sinne einer regionalen Versorgung.“ Zentrale Anlaufstelle für akute psychiatrische Krisen zur akut stationären Versorgung im Sinne des Unterbringungsgesetzes bleibt für Kinder und Jugendliche das Kepler Universitätsklinikum Linz.

Erste Kontakte. Ambulante Erstgespräche vor einer Aufnahme erfolgen im Sinne von Triage- bzw. Clearinggesprächen. „Hier werden durch das Kennenlernen der Abteilung Ängste und Sorgen genommen sowie Rahmenbedingungen im Vorfeld geklärt – es findet eine erste Beziehungsgestaltung statt“, so der Experte für Kinder und Jugendliche. Ein möglichst strukturiertes Vorgehen hilft, eine effiziente Versorgung anbieten zu können. „Telefonische Anfragen werden wochentags von acht bis zwölf Uhr entgegengenommen und stehen in direkter Verbindung mit strukturierten Fragen durch dafür geschulte Pflegemitarbeiter, die bei Kriseninhalten dies unmittelbar an Ärzte weiterleiten.“ Bei hoher Dringlichkeit sind Anfragen auch außerhalb dieser Zeit möglich, sodass von einem Vorschlag eines Sofortkontaktes bis zum strukturierten Vorgehen mit Ambulanztermin oder Aufnahme in die Warte- und Planungsliste differenziert werden kann. „Auch kann so bei akuten psychiatrischen Krisen bzw. Notfällen das weitere Vorgehen bereits am Telefon besprochen werden.“ Ausgenommen bei hoher Dringlichkeit und unmittelbarer Einberufung sollte eine ärztliche Zuweisung durch Allgemeinmediziner, Pädiater oder Kinder- und Jugendpsychiater zum Zeitpunkt des Ersttermins mitgebracht werden.

Mehrdimensionale Therapie im multiprofessionellen Team. Bei einer stationären bzw. tagesklinischen Aufnahme der Kinder und Jugendlichen erfolgt die Therapie durch eine Vielzahl an spezialisierten Berufsgruppen: Neben dem ärztlichen Team mit Kinder- und Jugendpsychiatern sowie Kinder- und Jugendfachärzten mit Zusatzqualifikation sind dies Pflegefachkräfte, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Musiktherapie und Kunsttherapie, Klinische Heilpädagogik, Sozialpädagogik, Klinische Soziale Arbeit, funktionelle Therapien, wie Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie, sowie Diätologie. Auch besteht eine intensive Zusammenarbeit mit der Heilstättenschule, welche direkt am Klinikum-Standort Grieskirchen installiert ist.

Etwas Besonderes: die Etablierung einer neuen Abteilung. „Dies ist sicherlich ein außergewöhnliches Ereignis und Erlebnis“, freut sich Kamper. „Die Möglichkeit der Mitgestaltung in struktureller und fachlicher Hinsicht bietet die Chance, die medizinische Versorgung der Kinder und Jugendlichen optimal vorzubereiten. Dieses umfangreiche Projekt wurde mit der Zielsetzung der deutlichen Verbesserung der medizinischen Versorgung von psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen aus gestartet.“ Trotz der mehrjährigen COVID-19-Pandemie wurde dieses Ziel nicht aus den Augen verloren, sodass im Jänner 2022 der Start der neuen Abteilung der Kinder- und Jugendpsychiatrie möglich wurde. „Nun beginnt der Abschnitt wohl intensiver Monate der inhaltlichen Entwicklung, der Etablierung von Abläufen und der Teamentwicklung, da eine beachtliche Vergrößerung des multiprofessionellen Teams notwendig ist – eines motivierten Teams, welches sich praktisch neu formiert. Die ersten Wochen sind sehr positiv verlaufen.“ 

 

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Psychische Probleme bei Kindern & Jugendlichen durch Verlust der Alltagsstruktur gestiegen. © Klinikum Wels-Grieskirchen / Nik Fleischmann

„Ein ‚Jetzt reiß dich zusammen!‘ ist nicht die geeignete Botschaft. So einfach ist es leider nicht.“

Prim. Dr. Adrian Kamper, Leiter der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin für Kinder und Jugendliche, Klinikum Wels-Grieskirchen

 

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Viele Kinder und Jugendliche sind derzeit von depressiven Symptomen, Angstzuständen, Essstörungen und Selbstverletzungen betroffen. © Klinikum Wels-Grieskirchen / Nik Fleischmann