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Lifestyle | 26.02.2018

Öko-Kinderwagen aus dem Mühlviertel

Weltweit gibt es nur eine einzige Firma, die einen schadstofffreien Kinderwagen produziert – und diese sitzt im Mühlviertel. Peter Doppler hat sich mit „Naturkind“ auf eine Marktlücke spezialisiert, 80 Prozent der Kinderwägen werden exportiert.

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Stylish und ökologisch einwandfrei: die Kinderwägen von Naturkind. (© Naturkind/Werner Harrer)

Das Betriebsbaugebiet Lang­wiesen in Engerwitzdorf. Rund 15 Kilometer nordöstlich von Linz. Auf den ersten Blick würde man nicht vermuten, dass hier ein Unternehmen sitzt, das seit 2006 eine weltweite Marktlücke besetzt. Peter Doppler produziert hier unter dem Namen „Naturkind“ den einzigen schadstofffreien Kinderwagen. Hergestellt zu 100 Prozent aus Naturmaterialien sowie nachhaltig produzierten und somit unbedenklichen Materialien. Die Bio-Schafschurwolle stammt zum Beispiel von Bauern aus der Umgebung. Der Stoff für die Bezüge wird in Haslach gewebt, eingefärbt wird er in Vorarlberg, die Muster werden in Tirol gedruckt. Die Kokos-Matratze, auf der die Babys liegen, stammt aus der Naturfabrik Ahorn, der Kork für die Sitzfläche aus dem Innviertel. „Jedes einzelne Teil unseres Kinderwagens kommt aus Europa“, betont Peter Doppler. „Das war uns von Anfang an sehr wichtig. Wir wollten unsere Lieferanten kennen und die Wertschöpfung so regional wie möglich halten.“

Öko trifft Lifestyle. Das Ergebnis ist ein vollkommen schadstofffreier Kinderwagen, der als einziger weltweit die GOTS-Zertifizierung geschafft hat. GOTS („Global Organic Textile Standard“) ist weltweit der führende Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. Und in der neuesten Generation sieht der Öko-Kinderwagen auch gar nicht mehr nach Bio aus – wie Peter Doppler lachend betont: „Das war ein kleines Manko unseres Kinderwagens, auf das uns Eltern immer wieder aufmerksam gemacht haben. Dass ihm ein bisschen der Lifestyle-Faktor gefehlt hat. Also haben wir eine renommierte Salzburger Design-Firma beauftragt, das Design zu überarbeiten. Unser neues Modell ,Lux’ steht anderen Kinderwägen optisch jetzt in nichts mehr nach.“

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Firmenchef Peter Doppler. (© Naturkind/Werner Harrer)

Aufhören oder selbst herstellen? Entstanden ist die Idee für einen schadstofffreien Kinderwagen übrigens, als das Familienunternehmen Doppler in Gallneukirchen kaum noch Kinderwägen aus Europa anbieten konnte. „Meine Mutter hat 1975 mit dem Handel von Kinderwägen begonnen“, erzählt Peter Doppler. „Damals gab es viele europäische Fabrikanten. Anfang 2000 war es dann so, dass etwa 90 Prozent aller Kinderwägen aus Fernost kamen. Für uns war das so etwas wie ein Wendepunkt. Wir haben gesagt: Entweder wir hören auf oder wir machen selbst eine Kleinst­serie eines Kinderwagens, der hier produziert wird und hinter dem wir zu 100 Prozent stehen können. Wir haben dieses Projekt immer weiter entwickelt, mit der Produktion begonnen und im Jahr 2006 dann zwischen 20 und 25 Kinderwägen verkauft.“

„Naturkind“ als Testsieger. Zwölf Jahre später sind daraus 2.000 Stück pro Jahr geworden. Aufgrund der großen Nachfrage – vor allem, als der Naturkind-Kinderwagen bei einem Öko-Test im Jahr 2013 als Testsieger hervorgegangen und die Nachfrage explodiert ist – wurden die ursprünglichen Räumlichkeiten in Gallneukirchen zu klein. Neu gebaut wurde im Betriebsbaugebiet in Engerwitzdorf, und noch in diesem Jahr wird das Unternehmen seine Produktionsfläche aufgrund der ständig steigenden Nachfrage verdoppeln. Peter Doppler kann sich mit dem neuen Kinderwagen-Modell „Lux“ sowie der Erweiterung der Exporte auf den Benelux-Raum weiterhin eine jährliche Absatzsteigerung von rund zehn Prozent vorstellen. Unter den Kunden sind übrigens auch immer wieder Promis, wie etwa der deutsche Schauspieler Daniel Brühl. Er spielte unter anderem Niki Lauda im Film „Rush“ und ist 2016 Vater geworden.

Hohe Exportrate. Die Exportrate der Naturkind-Kinderwägen beträgt 80 Prozent. Besonders begehrt sind sie in Deutschland und Skandinavien. Für die Dänen musste Peter Doppler sogar eine Besonderheit in der Produktion berücksichtigen – und zwar brauchen dänische Familien einen Babykorb, der einen Meter lang ist. „Das hat damit zu tun, dass die Kinder dort in den Betreuungseinrichtungen in diesem mobilen Babykorb ihren Mittagsschlaf halten“, erklärt Doppler. „Darum muss der Babykorb eine Länge von einem Meter haben.“

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Auch der deutsche Schauspieler Daniel Brühl – er spielte Niki Lauda in „Rush“ – fährt einen Naturkind-Kinderwagen. (© Facebook)

Nachhaltige Partner. Bei der Auswahl der Vertriebspartner ist Peter Doppler ebenso anspruchsvoll wie bei seinen Zulieferern. Sie müssen zur nachhaltigen Firmenphilosophie passen und eine ausgezeichnete Beratung bieten. In Oberösterreich kann man Naturkind-Kinderwägen lediglich bei zwei Händlern kaufen – bei der Babypromenade in Pasching und der Naturfabrik Ahorn. Dort kann der Wagen „Probe“ gefahren, getestet und bestellt werden. Der Kinderwagen wird individuell an die Wünsche der Eltern angepasst und kommt entweder mit einem geräumigen Babykorb mit festem Rahmen daher oder mit einem leichteren flexiblen Tragenest. Der Preis ist übrigens weniger abgehoben, als man vielleicht vermuten würde: Der Sportwagen-Aufsatz, der die Basis für den Kinderwagen bildet, ist ab 799 Euro zu haben.

Kind immer im Mittelpunkt. Bei der Weiterentwicklung des Kinderwagens stehen für Peter Doppler immer die Bedürfnisse des Kindes an erster Stelle. „Es ist ein Wagen für das Kind, in dem es viele Stunden seines Lebens verbringt“, sagt der Vater eines fünfjährigen Sohnes. „Es soll sich wohlfühlen, gut schlafen und später bequem darin sitzen können. Wir haben Wagen und Zubehör über die Jahre immer weiterentwickelt, weil uns das eine oder andere in der Praxis aufgefallen ist. So gibt es bei unseren Accessoires keinen Sonnenschirm mehr. Aus eigener Erfahrung weiß ich – egal, wie man ihn befestigt und stellt, die Sonne scheint dem Kind nach einiger Zeit doch wieder ins Gesicht. Mein Sohn hat den Sonnenschirm überhaupt eher als Spielzeug benützt. Darum haben wir ein flexibles Sonnensegel entwickelt, das ganz einfach über das Kinderwagendach gespannt und jederzeit nach Bedarf nachgezogen werden kann.“