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Lifestyle | 18.11.2021

Öko-Bau mit „Wow“

Von Anfang an war es das Ansinnen von Anna Winkler und Max Eisl, neue Pfade in der Errichtung ihres Aparmenthauses hoch über dem Wolfgangsee zu beschreiten. Wie es gelang, mit „Balthasar Volcano“, wie die vier Premium-Ferienwohnungen heißen, von der ersten Planungsminute einen eigenen, innovativen, ökologischen und nachwachsenden Weg zu gehen, beleuchten die jungen Pioniere im Interview.

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© Balthasar Volcano

Die Vision, Lärchenrindenplatten als Gebäudedämmstoff einzusetzen, hatte ihr Entwickler Günther Kain aus Bad Goisern bereits 2010. Statt das Abfallprodukt im Ofen landen zu lassen, ließ die wissenschaftliche Auseinandersetzung die Idee reifen, die Rinde – wie für einen Baum – auch für Gebäude zu nutzen. Umfangreiche Versuchsreihen haben Kains Forschungsergebnisse bestätigt. Mit dem Start-up barkinsulation® hat der Lektor an der Fachhochschule Salzburg vormalige Studenten zur Produktion der ersten Dämmplatten gewonnen.

 

Balthasar Volcano, das erste Gebäude mit Lärchenrindendämmung. Balthasar Volcano in St. Wolfgang ist weltweit das erste Gebäude, das die Lärchenrindendämmung als Außenfassade trägt. Neben den herausragenden Dämmeigenschaften ist es vor allem das reine Naturprodukt, das Anna Winkler (35) und Max Eisl (39) überzeugt hat, sich auf den ersten Livetest einzulassen. Obendrein wird das Forschungsprojekt von der FH Salzburg begleitet. Anna Winkler und ihr Partner Max Eisl sind stolz, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen. Wie aus der Vision Wirklichkeit wurde und was ihnen wichtig ist, erzählen die beiden Eigentümer einer regionalen Werbeagentur persönlich im Interview. Außerdem geben sie mit großartigen Bildern Einblicke in die gelungene Umsetzung.

 

Ein neues Dach über dem Kopf zu haben und auf so viel eingebrachte Energie, Kreativität, Schweiß und Zeit zurückblicken zu können, wie fühlt sich das an?

Anna und Max: Nach dreieinhalb Jahren des Planens und Umsetzens fällt uns ein riesiger Stein von Herzen, jetzt so weit zu sein.

 

Bewusst zu leben, generationenübergreifend zu denken und zu handeln – die viel zitierte Nachhaltigkeit ist heute aktueller denn je. Für euch Zeitgeist oder Lebenseinstellung?

Anna: Das ist für uns auf jeden Fall eine Lebenseinstellung. Wir haben zwar keine Kinder, versuchen aber alles zu tun, um für unsere nächsten Generationen ein Stück weit eine bessere Welt zu hinterlassen. Der richtige Umgang mit der Natur, Tier- und Pflanzenwelt ist uns ein sehr großes Anliegen.

 

Waren die ökologischen Meilensteine Grundvoraussetzungen, schon bevor der Bau begann?

Max: Im Zuge der Planung haben wir laufend neue Ideen und Materialien entdeckt. Unser Architekt Karl Lepic hat uns zum Beispiel von einem Vortrag über Lärchenrinde und deren ausgezeichneten Dämmeigenschaften erzählt. So haben wir Günther Kain kennengelernt, der sich damit in der Forschung beschäftigt. Da die Rinde deponiert oder verheizt wird, erschien uns das als logische Konsequenz, sich mit der Verwertung dieses Naturmaterials näher auseinanderzusetzen. Von der Firma barkinsulation® aus Hallein haben wir einen Prototyp für unsere Lärchenrindendämmung herstellen lassen. In der Zeit seit der Produktion hat das Unternehmen ein voll zertifiziertes und vollständig ökologisches Bindemittel entdeckt, das in Zukunft Anwendung findet. Dieses imprägniert die Platten zusätzlich, was es für die Außenanwendung noch interessanter macht. Alleine durch den Anstoß zu dieser Entwicklung hoffen wir, unseren Beitrag zu leisten, und dass die Industrie früher oder später auf diesen Dämmstoff aufmerksam wird.

 

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© Balthasar Volcano

Was die Gebäudedämmung mit Lärchenrindenplatten betrifft, seid ihr in gewisser Weise Pioniere?

Max: Es war für uns kaum zu glauben. Diese Idee klingt so einfach wie logisch und dennoch hat bis heute kein Haus der Welt eine Außendämmung, die mit unserer vergleichbar wäre. Wir freuen uns sehr, uns dafür entschieden zu haben und sind ebenso gespannt, wie sich das Material verhalten wird und welche Ergebnisse die zahlreichen verbauten Sensoren den Wissenschaftlern liefern werden. Und sollten sie in ihrer eigentlichen Funktion jemals ausgedient haben, bedarf es keiner kostenintensiven und umweltschädlichen Entsorgung. Das Naturmaterial verrottet am hauseigenen Kompost oder düngt die Gartenpflanzen. Nachhaltiger kann Dämmung nicht funktionieren.

 

Mit Balthasar Volcano steht ihr in einer der schönsten Regionen unseres Landes und in einem sich ständig entwickelnden und boomenden Tourismusmekka. Welche Rolle spielt Balthasar Volcano im Angebotsportfolio dieser vielen Beherbergungsbetriebe?

Max: Wir sind ein kleiner Beherbergungsbetrieb mit einem ungewöhnlichen Konzept. In unserer Region gibt es kaum vergleichbare ökologische Objekte, die als Vermietungsobjekt genutzt werden und wir streben zusätzlich die Zertifizierung mit dem österreichischen Umweltzeichen an. Davon gibt es in unserer Region noch sehr wenige Häuser. 

 

Anna, als Grafikerin und Kommunikationsdesignerin liegt Ihnen das Gestalten und Verschönern schon von berufswegen am Herzen. Wie gehen ressourcenschonende Produktion, nachhaltiges Bauen und Design zusammen?

Anna: Das geht auf jeden Fall zusammen, aber es ist schwierig. Trotzdem sind wir überzeugt, dass es uns mit Balthasar Volcano gelungen ist, das Beste aus beiden Welten zu vereinen.

 

 

Heißt im Einklang mit der Natur zu sein, für euch auch, sich mit der Architektur und durch die Materialauswahl optisch in die Umgebung einzufügen?

Anna: Einer unserer Hauptgedanken war, dass das Gebäude beim Herauffahren so wenig wie möglich auffällt, aber trotzdem einen Wow-Effekt erzielt. Insgesamt sind es 250 Quadratmeter, die man aber nicht als wuchtig wahrnimmt. Mit den begrünten Dachflächen fügt es sich gut in die Natur ein. Wir haben versucht, neue Wohnkonzepte umzusetzen. In der heutigen Zeit müssen wir unseren Wohnraum effizienter nutzen, um den Flächenverbau zu reduzieren, was wir mit unserem Konzept auch zeigen wollen.

 

 

 

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© Balthasar Volcano

Was war Balthasar Volcano, bevor er geboren wurde?

Anna: Es hat vor rund neun Jahren begonnen, als ich damals das Elternhaus von Max gesehen hatte und mir dachte, das wäre perfekt für eine Frühstückspension. Es stellte sich heraus, dass es mit diesem Haus so nicht klappen würde, weshalb wir uns immer wieder nach anderen Objekten umgesehen haben. Schließlich entschied sich die Familie, das alte Gebäude herzugeben. 

Max: Mein Großvater hat diesen Platz als einer von 13 Geschwister erhalten und in den Nachkriegsjahren ein Haus darauf errichtet. Dieses alte Gebäude war allerdings am Ende seiner Kräfte. Es zu sanieren, wäre dem bekannten Film „Hinterholz 8“ gleichgekommen, weshalb wir uns entschlossen, es abzutragen und den Platz neu zu bebauen. 

 

Die Reise und Phase des Baus ist abgeschlossen. Mit der Eröffnung begebt ihr euch auf einen neuen Weg. Was wollt ihr in fünf Jahren über euch und Balthasar Volcano erzählen können? 

Max: Wir hoffen, in fünf Jahren sagen zu können, dass wir mit unserem Bau nachhaltig etwas bewirkt haben und damit ein Stück weit auch Inspiration für andere Projekte gewesen sind.

 

Was wünscht ihr euch für die Bewohnerinnen und Bewohner eurer Ferienwohnungen?

Anna: Wir wohnen selber auch im Haus und haben unser Büro hier, da genügt ein Blick aus dem Fenster auf den See oder ein Kaffee auf der Terrasse im Garten – das ist für uns Genuss pur und das besondere Gefühl, das wir auch unseren Gästen beim Aufenthalt im Balthasar Volcano wünschen.