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Lifestyle | 09.01.2017

Nach dem Seitensprung

Es ist ein Thema, über das nicht gesprochen wird. Und doch trifft es viele Paare irgendwann. Im neu erschienenen Ratgeber „Nach dem Seitensprung“ holt die amerikanische Autorin, Klinische Psychologin und Paartherapeutin Dr. Janis Abrahms Spring das Thema Seitensprung aus der Tabuzone.

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© Shutterstock

Janis A. Spring kann bereits mehr als 40 Jahre Erfahrung vorweisen, hat drei Bücher geschrieben, wurde ausgezeichnet für ihren hervorragenden Beitrag zur Psychologie-Praxis, bildet in den USA selbst jedes Jahr tausende Therapeuten aus und ist bekannt für die Originalität ihrer klinischen Fähigkeiten. In ihrem neuesten Buch „Nach dem Seitensprung“ widmet sie sich dem Tabuthema Seitensprung: Auf mehr als 300 Seiten bietet Spring Betroffenen Hilfestellungen und heilsame Tipps, wie man sowohl als Betrogene(r) als auch Betrügende(r) mit einem Seitensprung umgeht und ihn emotional bewältigen kann, leitet an, wie man bestehende Denk- und Verhaltensmuster analysieren und hinterfragen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen kann. Was uns am Buch besonders gefallen hat, ist, dass Spring nie (ver-)urteilt: Die Autorin verwendet anstatt der Begriffe „Betrogene(r)“ und „Betrügende(r)“ die Bezeichnungen „verletzter“ bzw. „untreuer Partner“, trennt weder in Opfer und Täter noch urteilt sie pauschal, ob Seitensprünge für sich genommen gut oder schlecht sind. Im Interview erklärt sie, warum.

 

Sie geben in Ihrem Buch keine generellen Empfehlungen ab, trotz eines Seitensprungs um jeden Preis zusammenzubleiben oder sich unbedingt zu trennen. Warum war Ihnen das wichtig?

Dr. Janis Abrahms Spring: Ich ermutige Partner dazu, wohlüberlegte Entscheidungen zu fällen: Ist eine Trennung unvermeidlich oder der Wille da, die Beziehung und das Vertrauen erneut aufzubauen? Ich befürworte nicht pauschal das Fortführen einer Beziehung, sondern den gesunden Prozess, wie man zu einer für beide Teile guten Entscheidung hinsichtlich der Zukunft der Beziehung kommen kann. 

 

Sie schreiben von „drei Stadien der Heilung“ nach einem Seitensprung – welche sind das?

Das erste Stadium ist, wenn der Seitensprung auffliegt. Man erfährt als verletzter Partner hier nicht nur einen Verlust in Sachen Vertrauen und Liebe, sondern auch die Angst um den Zerfall der Familie. Dieses psychische Trauma kann einen verrückt machen. Untreue Partner reagieren sehr unterschiedlich. Viele fühlen sich erleichtert und entlastet und sind nun bereit, nächste Schritte zu setzen. Während Stadium zwei müssen beide Partner eine durchdachte, nur ja nicht vorschnelle Entscheidung darüber treffen, ob man sich trennen oder die Beziehung gemeinsam wieder aufbauen möchte. Das dritte Stadium verlangt konkrete Handlungen, etwa wie Vertrauen wieder aufgebaut werden kann und wie man wieder stärker zusammenwachsen kann.

 

Sind Männer aus anderen Gründen untreu als Frauen?

Recherchen haben ergeben, dass es keine auffälligen Unterschiede zwischen Männern und Frauen beim Thema Seitensprung gibt. Man ist lange davon ausgegangen, dass Männer Affären rein wegen dem Sex haben, während Frauen, die fremdgehen, nach Liebe suchen. Ich habe sehr viele Frauen und Männer getroffen, die diese Kategorisierungen widerlegen.

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Janis A. Spring, „Nach dem Seitensprung. Wie Sie den Schmerz bewältigen, Selbstvertrauen zurückgewinnen und die richtigen Entscheidungen treffen“, mvg Verlag, ISBN 978-3-86882-685-2; € 17,50

Was sind Ihren Erfahrungen nach die häufigsten Gründe fürs Fremdgehen?

Menschen haben Affären aus den unterschiedlichsten Gründen. Manche fühlen sich zuhause zu wenig gewürdigt und genießen die starke Aufmerksamkeit der Person, mit der sie die Affäre haben. Andere wollen einfach nur heißeren Sex, brauchen das Gefühl, begehrt zu sein. Was wirklich wichtig ist, ist, dass sich die Partner Zeit dafür nehmen, zu verstehen, warum die Affäre passiert ist, was sie über einen – sowohl den verletzten als auch den untreuen Part – und über die Partnerschaft aussagt.

 

Inwiefern spielen gemeinsame Kinder eine Rolle?

Viele machen sich große Sorgen, welche Auswirkung eine Scheidung auf die gemeinsamen Kinder haben könnte. Forschungen haben ergeben, dass – obwohl die meisten Kinder vorzugsweise in einer intakten Familie aufwachsen wollen – nicht die Scheidung an sich das ist, was Kinder am meisten trifft, sondern das Konfliktlevel zwischen den Eltern, das vor den Kindern ausgetragen wird, und das Ausmaß, in dem Kinder streitenden Eltern ausgesetzt sind. 

 

Gibt es eine Disposition für Untreue? Welche Rolle spielen Kindheitserfahrungen?

Kindheitserfahrungen formen uns. Wenn jemandes Eltern sich scheiden ließen und noch in der Ehe Affären hatten, neigt diese Person auch selbst eher dazu, untreu zu sein. Es ist oft aber auch das totale Gegenteil der Fall: Wenn man bei den eigenen Eltern Untreue, die letztendlich die Familie zerstört hat, am eigenen Leib erfahren musste, kann es sein, dass man besonders stark darauf achtet, dass der nächsten Generation das nicht passiert.

 

Wenn man sich entscheidet, zusammenzubleiben: Kann aus jemandem, der das „Verbot“ der sexuellen Untreue einmal überschritten hat, eine „ewig treue Seele“ werden?

Jemand, der einmal fremdgegangen ist, ist nicht notwendigerweise prinzipiell gegen eheliche Treue. Aber wenn man nicht an die Treue glaubt und auch nicht vorhat, treu zu sein, ist es nur fair, das dem Partner zu kommunizieren, und zwar vor der Hochzeit. Viele Menschen können jedoch nicht offen darüber reden, daher kommt das Sprichwort: „Es ist leichter, um Vergebung als um Erlaubnis zu bitten.“