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Lifestyle | 29.04.2021

Mutter Erde zuliebe

Vom „Unpackbar-Laden“ über den plastikfreien Onlineshop bis hin zu nachhaltigen Kinderbüchern, restaurierten Möbeln und der „Hofladen-Map“: Auf den folgenden Seiten stellen wir Oberösterreicherinnen und ihre kreativen Projekte für ein nachhaltiges Leben vor.

Nachhaltige Kinderbücher aus Linz

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Elisabeth Ritzberger hat Psychologie studiert und macht gerade den Master in Personalmanagement. Ihre Karenzzeit hat die Linzerin genützt, um nachhaltige Kinderbücher zu produzieren.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, nachhaltige Kinderbücher zu machen?

Die Idee hatte ich während der Karenz zu meiner Tochter Frida. Gerade Kinder schauen sich Bücher gern mal genauer an und prüfen sie sozusagen auf Herz und Nieren. Eltern wissen, wie das dann aussieht: Das Buch wird abgeschleckt und in den Mund genommen. Darum war mir besonders wichtig, auf gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe zu verzichten. Nach dem Motto „Grün gedacht, für Kinder gemacht“. Alle Bücher werden klimapositiv zu 100 Prozent in Österreich produziert, es gibt also keine langen Transportwege. Und mit Ausnahme des Bindungsfadens sind sie kompostierbar und plastikfrei.

Worum geht es in den Büchern?

In unseren Büchern schwingt immer charmant eine etwas philosophische Lehre mit, die Kindern vermitteln soll, mutig zu sein, etwas Neues auszuprobieren, auch wenn es andere für vermeintlichen Blödsinn halten, und dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Das erste Buch trägt nicht umsonst den Titel „Den Mutigen gehört die Welt –Frida geht auf Reisen“. Mit dem neuen Buch „Der Hase Muffel – Erstlesegeschichte“ haben wir beinahe schon ein Lehrbuch ausgearbeitet, das besonders für Kinder geeignet ist, die gerade mit dem Lesen beginnen – vor allem, wenn das noch nicht so gut klappt und ein Erfolgserlebnis her muss. Das Kind wird hier von der ersten bis zur letzten Seite von unserer Autorin Daniela, die es in selbstgedruckter Form bereits jahrelang bei ihrer Arbeit als Logopädin im Einsatz hatte, angeleitet und so zu ersten Erfolgserlebnissen geführt.

Wo kann man Ihre Kinderbücher kaufen?

Sie sind auf unserer Homepage und auch im stationären Handel erhältlich. Eine Liste dazu gibt es ebenfalls online.

www.fridaverlag.com

Damit sich das Blatt wendet

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Die Linzerin Selina Kurzmayr (30) gründete im vergangenen Jahr ihr plastikfreies, nachhaltiges Unternehmen „Blattwende“. Mit ihrem Onlineshop möchte sie den Menschen erleichtern, ihren Haushalt nachhaltig zu führen und bewusster einzukaufen.

„Meine berufliche Laufbahn ist für meine Generation wohl etwas untypisch“, schmunzelt die Oberösterreicherin. Nach 14 Jahren im ein und demselben Unternehmen, spürte sie, dass nun die Zeit für Veränderung gekommen war. Sie kündigte, packte ihre sieben Sachen und ging auf Weltreise. Am Ende der Welt, besonders in den zwei Monaten in Südostasien, wurden ihr auch die Schattenseiten unserer Welt direkt vor Augen geführt: „Zugemüllte Strände, Smog in den Großstädten, Tierquälerei zur Unterhaltung der Touristen ... all das wirkte auf mich wie ein schlechter Film. Und leider musste ich feststellen, dass dieses Szenario zu einem großen Teil ein Ergebnis der westlichen Welt ist“, schildert Selina ihre Erfahrungen. „Der Drang, etwas verändern zu wollen, wurde immer stärker.“

Wieder zurück in Linz gründete sie ihr Unternehmen „Blattwende“: einen plastikfreien, nachhaltigen Onlineshop. Ihr Ziel ist es, zu zeigen, dass „öko“ nicht gleich „mehr Aufwand“ oder „teuer“ bedeutet, sondern dass es unheimlich schöne und trendige Produkte gibt, welche die Umwelt etwas entlasten. Egal ob Bad, Küche oder für unterwegs – auf www.blattwende.at findet man alles, was das grüne Herz begehrt. Selina gibt auf der Homepage auch Tipps, wie man zum Beispiel Kaffeesatz wiederverwenden kann oder wie man WC-Reiniger selber herstellen kann. Aber auch nachhaltige Last-Minute-Geschenkideen werden präsentiert. Alle Produkte von „Blattwende“ sind frei von Mikroplastik und anderen Schadstoffen und es wird großer Wert auf ressourcenschonende Produktion, umweltfreundliche Materialien und fairen Handel gelegt. Selbstverständlich werden alle Produkte plastikfrei verpackt und CO2-neutral versendet. In Kooperation mit nahegelegenen Unternehmen rettet „Blattwende“ intaktes Verpackungsmaterial, das nach einmaliger Nutzung entsorgt werden würde, und schenkt diesem ein zweites Leben. Aber auch soziales Engagement liegt Selina am Herzen. So unterstützt „Blattwende“ die Organisation „The Ocean Cleanup“, die täglich daran arbeitet, unsere Meere von Plastik zu befreien.

www.blattwende.at

Verpackungsfrei einkaufen

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Vor mehr als einem Jahr haben Christina Liu und Tina Prückl (beide 28) ihren Unpackbar-Laden in der Linzer Harrachstraße eröffnet. Die beiden Frauen setzen dort auf verpackungsfreies Einkaufen.

Wie ist die Idee entstanden, ein verpackungsfreies Geschäft zu eröffnen?

Das Hauptziel hinter unserem Unpackbar-
Laden war grundsätzlich, bewusstes und verpackungsfreies Einkaufen in Linz zu ermöglichen. Die Idee ist dann im Zuge eines Zero-Waste-Workshops entstanden, den wir in Wien besucht haben. Danach haben wir uns sofort ans Werk gemacht und monatelang geplant, weitere Workshops besucht und Lieferanten gesucht. Wir hatten glücklicherweise viel Unterstützung von Familie, Freunden und bereits bestehenden Unverpacktläden.

Was kann man bei euch einkaufen?

Unser Sortiment reicht von Lebensmitteln bis hin zu Kosmetik- und Haushaltsprodukten. Regionales und saisonales Obst und Gemüse kann auch in den gewünschten Mengen vorbestellt und dann bei uns abgeholt werden. Wir bieten hochwertige und sorgfältig ausgesuchte Produkte an, die wir zum Teil direkt von Bauern oder Bio-Lieferanten beziehen. Das Sortiment wird laufend erweitert und angepasst. Darum hängt im Laden auch eine „Wunschtafel“, auf der unsere Kunden ihre individuellen Wünsche kundtun können. Auf unserer Homepage können sich Interessierte über unser Sortiment und unsere Lieferanten informieren.

Wie funktioniert ein „unverpackter“ Einkauf?

Unsere Kunden kommen mit ihren eigenen Behältern und können diese in Selbstbedienung befüllen. Der leere Behälter wird erst abgewogen, das Gewicht notiert, dann wird abgefüllt und am Ende bezahlt, wobei wir mit unserer integrierten Waage das Leergebinden-Gewicht vom Gesamtgewicht abziehen. So verrechnen wir nur die Waren. Außerdem sind unsere Kunden nicht mehr an Standardgrößen gebunden. So hoffen wir, nicht nur Verpackungsmüll zu sparen, sondern auch der Lebensmittelverschwendung etwas entgegenwirken zu können.

www.unpackbar-laden.at 

Gutes direkt vom Hersteller

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Die Linzerin Anita Moser ist Foodbloggerin, Kochbuchautorin und Genussmensch durch und durch. Am liebsten kocht sie mit saisonalen Zutaten aus der Region. Diese kauft sie gern bei bäuerlichen Direktvermarktern. Um diese ein bisschen bekannter zu machen, hat die Gründerin der beliebten Facebook-Gruppen „Linz isst…“ und „Ö isst…“ nun eine Hofladen-Map online gestellt.

Warum haben Sie eine „Hofladen-Map“ ins Leben gerufen?

Ich schreibe in meinem Blog schon seit Jahren über Hofläden und habe immer unheimlich viele Fragen und Nachrichten dazu bekommen. Immer mehr Menschen wollten von mir wissen, wo sie diese oder jene Produkte kaufen könnten. Darum ist es auch nicht ganz uneigennützig, alle Direktvermarkter in einer Map zusammenzufassen (lacht). Und seit Corona boomen Hofläden ja total – besonders, wenn es 24-Stunden-Läden sind und man rund um die Uhr dort einkaufen kann.

Welche Hofläden und Direktvermarkter findet man in Ihrer Map?

Alle Direktvermarkter habe ich selbst besucht, sie sind meine persönliche Empfehlung. Das Angebot ist extrem vielfältig und reicht von Fleisch- und Wurstwaren, Obst und Gemüse bis hin zu besonderen Getreidesorten und verschiedensten Milchprodukten. Es ist eine besondere Vielfalt, die unsere bäuerlichen Produzenten in ihren Läden anbieten. Mir ist es ein Anliegen, sie ein bisschen mehr vor den Vorhang zu holen.

Warum ist das Einkaufen in einem Hofladen für Sie nachhaltig?

Weil man in einem Hofladen regionale Produkte direkt beim Produzenten kauft. Die Waren müssen also nicht um die halbe Welt gekarrt werden, um auf unserem Teller zu landen. Im Gegenteil: Wir unterstützen damit unsere Bauern. Mein eigenes Kaufverhalten hat sich in den vergangenen Jahren um 500 Prozent verändert. Als meine Kinder noch klein waren, bin ich als berufstätige Mama abends schnell in den Supermarkt gegangen und habe gekauft, was mich „angesehen“ hat. Ich habe zum Beispiel nicht auf die Herkunft geachtet. Das ist heute vollkommen anders. Ich kaufe auch noch im Supermarkt ein, aber viel lieber bei den Direktvermarktern. Natürlich sind die Produkte dort teurer, aber am Ende des Tages kommt es oft sogar billiger, weil ich nicht ein Kilo Äpfel kaufen muss, sondern kleinere Mengen bekomme. Und auch der Geschmack ist ein anderer. Wer einmal Brot oder Gebäck aus Sauerteig gekostet hat, mag nichts mehr aus einer Backbox.

Die Hofladen-Map wird ständig erweitert und ist auf der Homepage von Anita Moser unter www.private-taste.at zu finden.

Neues Leben für alte Möbel

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Charity Guedou aus Kematen am Innbach hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: Sie restauriert gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten alte Möbel und haucht ihnen so neues Leben ein. Weil sie viel zu schade für den Sperrmüll wären.

Wie kommt es, dass Sie alte Möbel restaurieren?

Mein Ehefreund – so nenne ich meinen Partner, weil wir schon so lange zusammen, aber nicht verheiratet sind (lacht) – und ich hatten in unserer ersten gemeinsamen Wohnung, die sehr modern eingerichtet war, auch einen alten Schrank von seinem Papa. Darin haben wir sehr viel untergebracht, aber optisch hat er überhaupt nicht zu uns gepasst. Also haben wir ihn einfach anders lackiert – und so war die Idee im Grunde geboren. Gestartet habe ich Ende 2015 als kleiner Pop-up-Store im Concept Store Salon Hochstetter in der Linzer Tabakfabrik. Allerdings bin ich dann schwanger geworden und habe Ende 2019 langsam wieder mit meinem kleinen, aber feinen Unternehmen begonnen.

Was fasziniert Sie an alten Möbelstücken?

Sie strahlen für mich so viel Wärme, Gemütlichkeit und Seele aus. Es ist immer faszinierend, welche Geschichte die Stücke erzählen und auch welches Geheimnis sich in ihnen verbirgt. Bei der letzten Kommode, die wir aufbereitet haben, sind uns Architekturpläne aus dem Jahr 1821 in die Hände gerollt. Das ist immer ein ganz besonderer Moment! Außerdem liebe ich es, dass die Möbel so wunderbar charmant und unperfekt sind – so wie wir Menschen auch. Früher wurden viele Möbelstücke ohne Maßband, sondern nach Gefühl und Augenmaß gefertigt. Auch das macht sie einzigartig!

Haben Sie ein Lieblingsstück, von dem Sie sich dann nicht trennen konnten?

Ja, alle! (lacht) Wir stecken so viel Liebe, Zeit und Herzblut in jedes einzelne Stück und sie sind alle für sich einzigartig und besonders. Da fällt es mir manchmal wirklich schwer, mich von ihnen zu trennen. Auch unseren Kindern geht es hin und wieder so. Vor einem halben Jahr hatten wir einen Schaukelstuhl, in dem sie sehr gern gesessen sind. Als er dann weg war, waren sie richtig traurig. Aber aus platztechnischen Gründen können wir natürlich nicht alles selbst behalten.

www.chary-chic.at