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Lifestyle | 28.07.2015

Mein Job als Bootsbaumeisterin

Nina Gebetsroither übt einen ungewöhnlichen Beruf aus: Sie ist Österreichs einzige Bootsbaumeisterin. Wir haben die 39-Jährige in ihrem Unternehmen Yachtservice Gebetsroither in Seewalchen am Attersee besucht.

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(© Michael Maritsch)

Die Sonne glitzert auf der Wasseroberfläche, das Boot wippt sanft hin und her. Es ist ein strahlender Sommertag, an dem wir Nina Gebetsroither in Seewalchen am Attersee besuchen. In vierter Generation führt die 39-Jährige das Familienunternehmen Yachtservice Gebetsroither und ist dabei sehr erfolgreich – nicht zuletzt, weil sie Österreichs einzige Bootsbaumeisterin ist. Dass die zweifache Mutter den Familienbetrieb übernimmt, war für sie nicht immer klar: Nach der Schulzeit studierte sie erst einmal Tourismuswirtschaft in Wien. „Doch es hat sich einfach im Laufe der Zeit herauskristallisiert, dass der Beruf der Bootsbaumeisterin das ist, was ich machen will“, erzählt sie. Nebenbei unterrichtet Gebetsroither seit rund zehn Jahren in der Berufsschule Kremsmünster Bootsbautechnik. Die Arbeit mit Booten und Yachten habe sie schon immer fasziniert.

„Manchmal muss man über seinen Schatten springen“ Die Liebe zum Wassersport im Allgemeinen und jede Menge Begeisterungsfähigkeit für das Handwerken – das sind zwei Aspekte, die man für den Job als Bootsbaumeisterin mitbringen sollte, wie Gebetsroither betont. Doch obwohl die sympathische 39-Jährige schätzt, dort arbeiten zu dürfen, wo andere Urlaub machen, dürfen die anstrengenden Seiten des Jobs nicht außer Acht gelassen werden. „Man darf sich einfach für nichts zu schade sein“, sagt sie und lacht, „Die Schleifarbeiten sind zum Beispiel nicht so prickelnd. Aber wenn man dann das fertige Schiff und die Freude des Kunden sieht, ist jegliche Anstrengung vergessen.“

 

 

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(© Michael Maritsch)

Erfolgreich in Männerdomäne

Obwohl die Bootsbau-Branche eine Männerdomäne ist, lässt sich Gebetsroither davon nicht einschüchtern: „Natürlich gibt es oft den ein oder anderen Blick, wenn Männer merken, dass man sich besser auskennt als der ein oder andere selber“, lacht sie. Manche männliche Kunden würden sich in ihrem Betrieb sogar lieber von Herren beraten lassen. „Ja, das ist alles schon vorgekommen, aber das ist in jeder anderen Branche, in der Männer dominieren, auch so. Ich bin überzeugt, dass sich das alles bald einmal ändern wird. Immerhin werden zahlreiche dieser Bereiche mittlerweile von Frauen erobert!“ Dass Frauen den Beruf als Bootsbaumeister erlernen, befürwortet die zweifache Mutter also. Nicht zuletzt, weil der Arbeitsort eindeutig für sich spricht: „Wir arbeiten an den schönsten Plätzen“, schwärmt sie und ergänzt, „Wenn jemand in diesem Traditionsberuf Fuß fassen möchte, ist er in dem Metier sehr gut aufgehoben. Allerdings gibt es auch die ein oder andere schwere, körperliche Arbeit. Das sollte man nicht vergessen.“

Boote wird es immer geben

„Egal in welcher Art und Weise – die Leute suchen die Freizeit am Wasser. Boote wird es also immer geben.“ Dennoch sei der klassische Job als Bootsbauer heute leider nicht mehr so gefragt wie früher: „Der Beruf wird von den großen Werften, also dort, wo alles nur mehr am Fließband abläuft, verdrängt.“ Trotzdem gebe es immer wieder Arbeiten, die nur ein geübter Bootsbauer tätigen kann. Nämlich dann, wenn klassische Holzboote eine Renovierung benötigen.

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(© Michael Maritsch)

Auszeit mit der Familie

Wenn sich Nina Gebetsroither eine Auszeit gönnt, schätzt sie einfach nur die Ruhe und die Zeit mit ihren Liebsten: Besonders die beiden eineiigen Zwillinge Constantin und Laurenz, 6 Jahre, genießen die Momente mit ihrer Mama. Das Reisen ist dabei eine große Leidenschaft der Familie. „Wir urlauben in den Wintermonaten, wo im Betrieb weniger los ist.“ Und natürlich darf selbst dann der Wassersport nicht fehlen. Zusammen mit ihrem Mann Richard, der ihr im Yachtservice-Betrieb unterstützend zur Seite steht, teilt sie diese Begeisterung. „Ich habe meinen Mann bei uns im Hafen kennengelernt – Richard segelt genau wie ich für sein Leben gerne.“