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Lifestyle | 23.09.2015

"Man muss den Beruf leben"

Heuer feiert das SOS-Kinderdorf Oberösterreich das 60-jährige Jubiläum. Bei einem Besuch in der Redaktion gaben uns Maria Pühringer und Simone Winkler einen Einblick in ihr Leben als Kinderdorfmütter.

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SOS-Kinderdorfmutter Simone Winkler beim Schaukeln mit Tochter Hannah. (© Anja Strobl-Gubo)

Bereits seit 60 Jahren gibt es das SOS-Kinderdorf Altmünster. Mehr als 1100 Kinder bekamen dort seither die Chance, in einer intakten Familie aufzuwachsen. Heute leben in Oberösterreich in den SOS-Kinderdörfern Altmünster und Rechberg rund 100 Kinder und Jugendliche. „Ich würde es sofort wieder machen", sagt Maria Pühringer, SOS-Kinderdorfmutter der ersten Stunde. Und auch Simone Winkler, die in Altmünster als SOS-Kinderdorfmutter sechs Kinder betreut, könnte sich keine schönere Aufgabe vorstellen. Eine Begegnung mit zwei Frauen, die mitten ins Herz geht. 

Die kleine Hannah (Name von der Redaktion geändert) ist ein rundum aufgewecktes Mädchen, kaum zu glauben, was die Siebenjährige in ihrem Leben schon mitgemacht hat. Im Alter von elf Monaten kam sie mit ihren drei Geschwistern ins SOS-Kinderdorf nach Altmünster. Ihre leibliche Mutter verstarb an Krebs und auch Hannah leidet an einer schweren Krankheit. „Schlimm sind für mich vor allem jene Dinge, die ich nicht beeinflussen kann", sagt ihre „Ersatzmami" Simone Winkler. Seit fünf Jahren arbeitet die 35-jährige Grieskirchnerin als Kinderdorfmutter im SOS-Kinderdorf Altmünster. Neben Hannah und ihren Geschwistern begleitet sie noch ein weiteres Kind auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden. 

 

Von der Malerin zur Kinderdorfmutter

Die Idee vom SOS-Kinderdorf – Kindern ein neues Zuhause zu geben – hat Simone Winkler schon immer gefallen. Vor rund zehn Jahren hat sich die gelernte Malerin entschlossen, den Beruf Kinderdorfmutter zu ergreifen. Ich habe als Familienhelferin im SOS-Kinderdorf Altmünster zu arbeiten begonnen und anschließend fast drei Jahre lang eine Ausbildung zur Familienpädagogin gemacht. 

„Wir leben im Prinzip wie eine richtige Familie, zur Seite stehen mir eine Familienhelferin und ein Familienhelfer." Sie unterstützen die Kinderdorfmütter im Haushalt und springen ein, wenn Simone Winkler ihre freien Tage oder Urlaub hat. Den Schritt, SOS-Kinderdorfmutter zu werden, hat sie nie bereut. „Sicher geht es bei uns oft turbulent zu, aber ich sehe meinen Job nicht als Arbeit", so die Grieskirchnerin. 

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Maria Pühringer war eine der ersten Kinderdorfmütter im SOS Kinderdorf Altmünster. (© Anja Strobl-Gubo)

Guter Kontakt zu erwachsenen Kindern

SOS-Kinderdorfmutter mit Leib und Seele war auch Maria Pühringer. Die heute 79-Jährige war eine der ersten Kinderdorfmütter im SOS-Kinderdorf Altmünster. Mit 25 Jahren hat sie dort zu arbeiten begonnen, insgesamt 24 Kinder hat sie auf ihrem Weg begleitet. „Ich habe 45 Jahre lang als Kinderdorfmutter gearbeitet und würde es auf der Stelle wieder machen", so Maria Pühringer. Zu „ihren" mittlerweile erwachsenen Kindern und Enkelkindern hat sie immer noch einen guten Kontakt. „Früher mussten die Kinder im Alter von 14 Jahren ins Jugendhaus vom SOS-Kinderdorf nach Innsbruck übersiedeln. Das ist mir immer sehr schwer gefallen", erinnert sich Maria Pühringer. Aber vieles hat sich zum Glück verändert: Heute können die Kinder bis zum 18. Lebensjahr in ihrer Kinderdorffamilie bleiben, entweder in ihrer Familie oder ab 14 Jahren im Jugendhaus in Altmünster oder in eine eigene Wohnung ziehen. „Den Job als Kinderdorfmutter darf man nicht als Beruf sehen. Man muss das Leben", so Maria Pühringer, die Hermann Gmeiner, den Gründer der SOS-Kinderdörfer persönlich gekannt hat. 

 

SOS-Kinderdorfeltern werden

Für SOS-Kinderdorfeltern ist das Elternsein ein Beruf mit Gehalt und Urlaubsanspruch. Als ausgebildete Familien-/So­zialpädagogInnen leben sie mit den durch­schnittlich fünf ihnen anvertrauten Kindern in einem SOS-Kinderdorf. Rund um die Uhr begleiten sie die Mädchen und Buben in ein selbstständiges Leben. Sie können alleinstehend sein, als Ehepaar eine SOS-Kinderdorffamilie gründen und /oder ein eigenes Kind mitbringen. 

Infos: www.sos-kinderdorf.at