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Lifestyle | 24.07.2017

London for Kids

Julia Huber aus Walding lebt seit zwölf Jahren in London. Unter „Julia and the City“ bietet sie etwas andere Führungen durch ihre Traumstadt an – für Erwachsene, aber auch für Kinder, denen sie die britische Hauptstadt auf spannende Weise näherbringt.

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Keine trockenen Jahreszahlen und weite Fußmärsche: Die Kinder-Führungen von Julia Huber sind abwechslungsreich und kurzweilig. (© AnikaFoto.com)

Der Liebe wegen ist Julia Huber (36) vor zwölf Jahren von Walding nach London gezogen. In dieser Zeit ist ihr die britische Hauptstadt sehr ans Herz gewachsen. So sehr, dass sie nach ihrer Karenz als Stadtführerin zu arbeiten begonnen hat. Das Besondere: Sie bietet ihre Touren auch speziell für Kinder an – abseits von trockenen Jahreszahlen und geschichtlichen Details. 

 

Sie leben seit zwölf Jahren in London. Warum hat es Sie in die britische Hauptstadt „verschlagen“?

Mein damaliger Freund, der heute mein Mann ist, und ich sind 2005 in etwa zur selben Zeit mit unserem Studium fertig geworden. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits seinen ersten Job in der Tasche – und der war in London. Also sind wir gemeinsam nach London gegangen und ich habe dort bei der Österreich Werbung zu arbeiten begonnen. Später haben wir uns ein Haus gekauft, unsere Kinder sind auf die Welt gekommen und nun leben wir fix hier.

 

Was mögen Sie an London besonders gern?

Ich mag diese Weltoffenheit, diesen Mix aus verschiedenen Kulturen und diese großflächige Akzeptanz von Multikulti, der hier einfach ganz normal ist. Durch das Brexit-Votum mag es den Anschein haben, dass Großbritannien sich in sich kehren will, und das mag in manchen Gegenden auch tatsächlich so sein, doch in London ist davon nicht viel zu spüren. Im Gegenteil! London lebt von den vielen verschiedenen Hautfarben, Religionen, den unzähligen kulinarischen Angeboten und einem gewissen Vibe, der einem das Gefühl gibt, dass hier alles möglich ist. Das alles macht London für mich zu meiner Traumstadt.

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Natürlich sehen die Kinder auch Pflicht-Sehenswürdigkeiten wie das Parlament. (© AnikaFoto.com)

Unter dem Namen „Julia and the City“ machen Sie Führungen für große und kleine London-Besucher. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Nachdem ich für unsere drei Kinder meinen Beruf aufgegeben habe und ein paar Jahre bei ihnen zu Hause war, wollte ich mir wieder eine Herausforderung suchen. Und Stadtführer zu werden war etwas, das mich schon länger gereizt hat. Ich hatte das Glück, auf Anhieb für die Ausbildung zum „City of London Guide“, also Stadtführer in der Square Mile, dem alten Finanzviertel Londons, akzeptiert zu werden. Nach gut einem Jahr und dem Abschluss der Ausbildung habe ich dann meine erste Tour angeboten. Ein Jahr später habe ich die Ausbildung zum „City of Westminster Guide“ absolviert und seitdem decke ich eigentlich die gesamte Londoner Innenstadt ab.

 

Was ist das Besondere an Ihren Führungen?

Das Allerwichtigste ist die Sprache. Die meisten Stadtführer in London sprechen oft nur Englisch. Ich liege da bei den deutschsprachigen Kunden und solchen, die kein oder kaum Englisch sprechen, klar im Vorteil. Und natürlich ist bei meinen Führungen nicht selten auch ein bisschen österreichischer Charme mit dabei (lacht).

 

Sie sind selbst dreifache Mama. Ist daraus auch die Idee für die speziellen Kinder-Führungen entstanden?

Ja, weil Stadtführungen traditionell auf Erwachsene ausgerichtet sind. Kinder interessieren sich aber nur selten für geschichtliche Details zu Baustil oder Jahreszahlen. Zumindest meine drei haben sich nicht als Zuhörer zum Üben für meine Guiding-Prüfungen hergegeben. Das war ihnen viel zu langweilig (lacht). Sie machen sich nichts daraus, dass der Buckingham Palast früher Buckingham House hieß und dem Duke of Buckingham gehörte. Sie wollen lieber wissen, wie viele Zimmer es im Palast gibt, welche Haustiere die Königin hat oder wie man sie ansprechen soll, falls man ihr einmal über den Weg läuft. Ich habe dann begonnen, Themen in Westminster zu recherchieren, die für Kinder greifbar sind – und somit war die Kinder-Tour geboren.

 

Wie kann man Kindern eine Stadt, deren Kultur und Entstehungsgeschichte näherbringen, ohne sie zu langweilen?

Indem man ihnen spannende Geschichten zu den Gebäuden, Statuen oder bekannten Persönlichkeiten erzählt. Etwas, das ihr Interesse und ihre Fantasie weckt, das sie verstehen und sich daher leicht merken können.

 

Was muss man gesehen haben, wenn man in London war?

Natürlich die Klassiker wie das Parlament, den Buckingham Palast oder den berühmten Covent Garden. Aber auch die Square Mile rund um die St. Paul‘s Kathedrale hat unendlich viel Geschichte zu bieten. Mit der Bank of England, den neuen Hochhäusern wie Walkie Talkie oder Gherkin, dem Tower of London oder dem Monument, das an den fürchterlichen Großbrand von 1666 erinnert... In diesen rund drei Quadratkilometern London stecken 2000 Jahre Geschichte!

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Julia Huber lebt seit zwölf Jahren in London. (© Florian Huber)

Sie sind in Walding aufgewachsen. Kommen Sie noch regelmäßig in die Heimat zurück?

Ja, wir sind als Familie meist zweimal im Jahr in Österreich. Einmal in Tirol zum Schifahren  und einmal in Walding bei der Familie.

 

Gibt es etwas „Oberösterreichisches“, das Sie in Großbritannien vermissen?

So ein Gramastettner Krapferl würde sich manchmal ganz gut zum Kaffee machen (lacht).

 

Wie geht es Ihnen nach den jüngsten Terroranschlägen auf der London Bridge und in Manchester? Fühlen Sie sich sicher?

Ja, ich fühle mich sehr sicher und gut aufgehoben. Die Anschläge bereiten mir kaum Kopfzerbrechen.