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Lifestyle | 01.03.2021

Liebe, Sex und Singles in der Krise

Die Pandemie hat uns weltweit in sämtlichen Bereichen des Lebens erschüttert. Wenn es um Ängste, Sorgen und Wirtschaft geht, scheint Sexualität nicht vorrangiges Thema zu sein. Ist das wirklich so?

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© Shutterstock

Wie jemand Sexualität in der Pandemie erlebt, hängt vor allem von seinem Beziehungsstatus ab. Menschen in festen Partnerschaften überstehen den Lockdown wohl am glimpflichsten. Laut einer aktuellen österreichischen Studie sind zwei Drittel der Befragten mit der gelebten Sexualität und Nähe zufrieden – Fernbeziehungen ausgenommen. Für die Mehrheit ist der fixe Partner die beste Bezugsperson in Zeiten der Isolation. Sie haben Spaß und genießen die Zeit miteinander – hauptsächlich, weil sie dem Alltagsstress weniger ausgesetzt sind.

Aber nicht in jeder festen Partnerschaft ist die Situation so ungetrübt. Vor allem dann nicht, wenn enge Wohnverhältnisse ohne Rückzugsraum vorliegen, zusätzlich noch Kinder im Haushalt sind oder wenn tendenziell Gewalt im Raum steht – also immer dann, wenn leicht Spannungen entstehen können. 

Singles fühlen sich einsamer. Singles scheinen sich sehr viel einsamer und isolierter zu fühlen als Paare. Der Mehrheit fehlt der körperliche Kontakt und sie sind unglücklich über ihr Sexualleben. Wer vor der Pandemie noch unverbindlich Sex mit einer oder mehreren Personen hatte, hat diese Kontakte stark reduziert und lehnt jetzt auch Einladungen zum Sex ab, um Ansteckungen zu vermeiden. 

Betroffen sind sowohl Menschen in offenen, polyamoren Beziehungen und Menschen, die ihre Kontakte in sexuellen Communities finden. Für sie ist der reduzierte Kontakt noch problematischer, weil das wichtigste Kontaktnetzwerk wegfällt. Nicht jeder von ihnen übersteht die Isolation gleich gut und Sexualität scheint ein wichtiger Faktor für das Wohlbefinden zu sein.  Jeder Dritte gibt an, dass Sex auch von der Krise ablenkt. Internetseiten wie Pornhub scheinen das zu bestätigen. Sie erleben seit Beginn der Lockdowns einen enormen Zuwachs. Der Pornokonsum dient auch hier zum Abbau von Spannungen, Ängsten und Unsicherheiten.

Tinder, Corona-Gspusis & Co. Partnerbörsen wie Tinder hingegen erleben das Gegenteil. Jeder dritte User pausiert, weil schnell klar wurde, dass man potenzielle Partner ohnehin nicht treffen kann. Diese Tatsache ist vor allem für jene belastend, die schon vor der Pandemie einsam waren. Ganz so streng hält sich nicht jeder daran, denn jede/r vierte Befragte ist dennoch während des Lockdowns auf der Suche nach neuen Partnerinnen und Partnern oder sucht gezielt nach „Corona-

Gspusis“. Wer mehrere unverbindliche sexuelle Beziehungen hat, konzentriert sich während des Lockdowns eher auf eine Beziehungsperson, fürchtet aber unterschwellig, die anderen zu verlieren. Nicht für alle ist die Enthaltsamkeit während der Pandemie negativ. Jeder dritte Single scheint auch erleichtert zu sein, dass niemand ein aktives Sexualleben von ihm oder ihr erwartet.

Belebter Single-Sex
in Corona-Zeiten  

Erster Schritt: Nutzen Sie die Zeit des Rückzugs, um herauszufinden, was Ihnen fehlt. 

• In Bezug auf einen gewünschten Partner: Fehlen Ihnen Berührungen, körperliche Nähe, bestimmte sexuelle Begegnungen, geht es um Gespräche, um körperliche oder verbale Zärtlichkeiten, gemeinsame Unternehmungen, Rituale, Unterstützung?

• In Bezug auf Freundschaften: Vermissen Sie gewohnte Unternehmungen wie zusammen essen gehen und sich austauschen, ins Kino gehen, Spieleabende, wohlwollende Umarmungen, gemeinsamer Sport im Fitnessstudio u.v.m.?

• In Bezug auf sich selbst: Geht es um erotische Selbstliebe, die eigene Körperwahrnehmung, Yogaübungen, Spaziergänge, alleine schwimmen gehen, ein Buch lesen, Musikstücke anhören – also alles, was für Sie selbst wichtig und nährend ist? Alle Bereiche sind gleichwertig, weil es um die Lebenslust geht.

 

Zweiter Schritt: Füllen Sie die Lücken!

• Partnerbörse: Wenn Sie noch keinen Partner haben, spricht nichts gegen eine Partnerbörse in Corona-Zeiten. Es bleibt Ihnen viel mehr Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen, indem Sie vorher schon miteinander schreiben, telefonieren und auch eventuell schon zu einem virtuellen Treffen einladen. In dieser sicheren Distanz können Sie jemand sehr gut kennenlernen. Wenn Sie älter sind, können Sie weiterhin Partnerinserate nutzen und auch dort in einem längeren brieflichen oder telefonischen Kontakt den potenziellen Partner kennenlernen.

• Mit dem potenziellen Partner: Da eine reale körperliche Begegnung nicht möglich ist, können Sie zum Beispiel jemanden virtuell zu einem zärtlichen oder erotischen Dialog und mehr einladen. Sie können schon verbal zärtlich sein, emotional wichtige Dinge austauschen, sich selbst auf die Art und Weise berühren wie Ihr Gegenüber es Ihnen vorschlägt oder miteinander erotische Fantasien ausleben – achten Sie dabei allerdings auf einen sicheren Umgang mit den Medien („Safe(r) Cyber Sex Guide“ zum Download unter https://www.psyonline.at/download/kunden/0017294.pdf). Beim postalischen Versenden von erotischen Bildern sollte man auch vorsichtig sein.

• Mit Freundinnen und Freunden: Auch mit ihnen haben Sie virtuell sehr viele Möglichkeiten. Laden Sie diese zu allem ein, was Ihnen Freude bereitet: gemeinsam kochen und essen, quatschen, Ratschläge zum Zimmerumgestalten einholen, meditieren, Yoga oder Sport machen, diskutieren, blödeln ...

• Mit sich selber: Erfüllen Sie sich all die Punkte, die Sie im ersten Schritt für sich selbst herausgefunden haben. Und trauen Sie sich, eventuell noch einen Schritt weiterzugehen. Entweder in der Fantasie, mit erotischer Literatur, Filmen oder Sexspielzeug …

Krisenzeiten bieten auch Möglichkeiten, neue Lösungsvarianten zu einem befriedigenden Leben mit oder ohne Partner zu entdecken. Wenn Sie Unterstützung brauchen, sind Sie in meiner Beratungspraxis willkommen.