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Lifestyle | 26.09.2017

Let's talk about Sex – September

Sex betrifft uns alle, ist jedoch auch im 21. Jahrhundert noch mit vielen Tabus belegt. Fragen wollen wir trotzdem dürfen – was mit Tabus belegt ist, reizt schließlich am meisten. Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben in unserer Serie die Chance zu fragen. Anonym und diskret.

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© Shutterstock

Janine (41): Ich habe in einer Zeitschrift gelesen, dass ein Paar im Urlaub heimlich Sex hatte und er in ihr stecken geblieben ist, weil sie einen Scheidenkrampf bekommen hat. Die Rettung musste gerufen werden. Der Arzt gab der Frau eine Entspannungsspritze, dann konnten sie sich voneinander lösen. Kann das wirklich passieren?

Eine Horrorvision für den Mann, aber einfach ein Mythos, der seinen Ursprung möglicherweise in Tierbeobachtungen hat: Kopulierende Hunde etwa bleiben bis zu 30 Minuten inein­ander stecken, was mit der speziellen Anatomie und Funktionsweise des Hundepenis zusammenhängt. Beim Menschen gibt es zwar einen Scheidenkrampf, der taucht aber in der Regel schon auf, wenn der Mann oder die Frau nur versucht (auch nur mit dem Finger), in die Frau einzudringen. Der Mann selbst verliert die Erektion, wenn er merkt, dass es der Partnerin nicht gut geht. Der Scheidenkrampf – auch als Vaginismus bezeichnet – ist eine unwillkürliche Anspannung des Beckenbodens, die den Scheideneingang so einengt, dass Geschlechtsverkehr, eine gynäkologische Untersuchung oder das Einführen von Tampons bzw. Mens­truationstassen unmöglich wird.

Die Ursachen sind vielfältig und sehr individuell. Manche Frauen berichten, dass sie ihren Körper immer schon so kennen. Bis zu dem Zeitpunkt, wo eine Schwangerschaft angedacht wurde und Geschlechtsverkehr notwendig erscheint, war ihre Sexualität befriedigend. Andere wiederum erzählen, dass erst nach Jahren problemloser Sexualität die Scheide „krampft“. Das subjektive Empfinden der betroffenen Frau ist der Maßstab auf der Suche nach dem passenden Weg der Veränderung. Sexualberatung und -therapie in Form von bewusstem Spüren des Körpers mittels gezielt eingesetzter Übungen ist ein möglicher Weg, um die Vagina (wieder) als Quelle angenehmer und sinnlicher Empfindungen integrieren zu können.

 

Gregor (21): Mein Freund behauptet, er könne viele Orgasmen hintereinander haben. Ich bin oft nach einmal Sex schon müde. Was kann ich tun, damit ich öfter kann?

Seit Generationen und verstärkt durch Pornos sind zu dem Thema Spekulationen und Daten im Umlauf, die rein biologisch nicht möglich sind. So sind beim Mann bezüglich seiner Orgasmen zwei vollständige Sexualakte noch im Bereich des Möglichen, aber bereits der dritte ist mit spürbarer Anstrengung verbunden, und der vierte artet in Plackerei aus – wenn er überhaupt zustande gebracht wird. Denn die Natur hat dem männlichen Mehrfach-Orgasmus einen biochemischen Riegel vorgeschoben: Nach dem Höhepunkt wird eine beträchtliche Menge Prolaktin ausgeschüttet, und das wirkt mindestens eine Stunde lang. Prolaktin hemmt die Ausschüttung der Hormone, die für die sexuelle Erregung notwendig sind. Deshalb finden die meisten Männer nach dem Orgasmus Schlaf auf einmal viel schöner als Sex. Das Prolaktin errichtet aber noch mehr Hürden für einen neuerlichen Gipfelsturm. Es verengt die Blutgefässe, die zu den Schwellkörpern der Sexualorgane führen, und macht so eine Erektion unmöglich. Also nach dem Sex zusammen zu liegen und zu schlafen ist nicht nur rein biologisch die genussreichere Variante.

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Weiß alles in Sachen Sex: unsere Expertin Susa Haberfellner. (© Privat)

Unsere Expertin:

Susa Haberfellner, dipl. Sexual- und Lebensberaterin und Klinische Sexologin

Rainerstr. 8a, 4600 Wels,
Tel.: 0650/2070272
E-Mail: [email protected]
www.haberfellner-sexualberatung.at