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Lifestyle | 27.04.2015

Let's talk about sex

Das Tauschen von Nacktfotos ist ein Trend unter Jugendlichen, der schwerwiegende Folgen haben kann, warnen Experten. „Sexting“ – das Wort ist eine Kombination aus „Sex“ und „Texting“ – nimmt dennoch rasant zu. Susa Haberfellner über Reiz und Gefahren des Trends.

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"Sexting" nimmt rasant zu. (© Shutterstock)

Tobi ist frisch verliebt – in Sara aus der Nebenklasse. Aber erst morgen wird er sie wiedersehen, also ran ans Smartphone und lostippen: „Hey! Was hast du gerade an?“ – „Ich dachte, es geht ums Ausziehen?“ – „Trägst du das Top mit dem weiten Ausschnitt? Ich will dich nackt sehen.“ – „Wart mal kurz, kriegst was zu sehen, Foto folgt ;-)“ … Was so reizvoll und harmlos beginnt, kann böse enden. Die negativen Folgen, die das Verschicken von intimen Fotos haben kann, sind vor allem für junge Teenager oft nicht absehbar: Endet die Beziehung mit der Person, der man die sexy Bilder oder Filmchen geschickt hat, können diese zur Erpressung benutzt, im Freundeskreis oder gar öffentlich auf Facebook und Co. verbreitet werden. Was Sie sonst noch zum Thema wissen sollten, lesen Sie im Gespräch mit Sexualberaterin Susa Haberfellner.

 

Warum ist Sexting so beliebt bei vor allem jungen Menschen? 

Das Experimentieren mit der eigenen Sexualität gehört zum Erwachsenwerden dazu. Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren suchen Aufmerksamkeit, Flirten, versuchen Kontakte anzubahnen, Intimität herzustellen. Auch in früheren Generationen gab es sexuelle Initiationsriten zum Sammeln erster erotischer und sexueller Erfahrungen, wie zum Beispiel das Flaschendrehen oder sich selbst mit einer Polaroid-Kamera zu fotografieren. Heute nehmen bei der Suche nach der eigenen sexuellen Identität die neuen Medien einen wichtigen Stellenwert ein. Einvernehmliches Sexting sollte als normaler Bestandteil des Erwachsenwerdens anerkannt und nicht tabuisiert werden. Es ist eine Form des erotischen Austausches, die – positiv eingesetzt – Nähe und Vertrauen unterstreichen kann.

 

Warum birgt Sexting vor allem für junge Menschen und da insbesondere für Mädchen auch Gefahren?

Die potentielle Bedrohung liegt meiner Meinung nach nicht im Sexting selbst, sondern in der digitalen Welt an sich. Denn die Vorteile, die digitale Bilder und Videos bieten, u.a. deren unbegrenzte Vervielfältigung und rasante Verbreitung, erweisen sich als doppelgesichtig. Das Versenden von intimen Bildern und Videos führt zu einem Kontrollverlust über die eigene Nutzung dieser Daten. Der Empfänger kann diese, aus welchen Gründen auch immer, ohne Einverständnis weiterverteilen oder allgemein zugänglich in das Internet stellen. Somit wird das ehemals Private öffentlich und es besteht die Gefahr des Mobbings, der Bloßstellung und Erpressung. Warum Sexting speziell für Mädchen Gefahren birgt: weil sexuell offensives Verhalten bei Mädchen als geschlechtsatypische soziale und sexuelle Norm-ver-let-zung angesehen wird und mit einem nega-ti-ven Image („billig“, „schlam-pig“) ein--her-geht. 

 

Sind sich die Teenies von heute der Gefahren nicht bewusst? 

Die große Mehrheit der Jugendlichen reflektiert sehr wohl und ist sich der Gefahren durchaus bewusst.

 

Welche rechtlichen Konsequenzen kann es haben kann, wenn man Nacktbilder einer anderen Person an Dritte weiterschickt?

Erotische Fotos von Minderjährigen (unter 18 Jahren) gelten als Kinderpornografie und sind illegal. Jeder, der diese besitzt oder weiter verbreitet, macht sich strafbar. Außerdem gilt das unerlaubte Aufnehmen, Veröffentlichen oder Vervielfältigen von Nacktbildern als Verleumdung sowie als Verletzung der Privatsphäre und des Rechts am eigenen Bild – unabhängig davon, wie alt jemand ist.