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Lifestyle | 03.03.2015

Let’s talk about Sex

SM-Sex à la „Fifty Shades of Grey“ ist zwar nichts für Liebhaber von Blümchensex, findet aber dennoch immer breitere Akzeptanz im Mainstream. Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur sexuellen Freiheit? Unsere Expertin Susa Haberfellner klärt auf.

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Wissen und Aufklärung bieten die Chance, SM aus dem perversen Eck zu holen. (© Shutterstock)

Spätestens seit E. L. James’ Bestseller „Fifty Shades of Grey“ (Filmstart des gleichnamigen Movies in den österreichischen Kinos war am 12. Februar) ist Sadomasochismus in aller Munde. Fesselspiele, Peitschenhiebe, Masken, Dominanz und Unterwerfung beim Sex werden nicht mehr tabuisiert und als abartig, pervers und krank angesehen. 

Dass es mehr Menschen als vielleicht erwartet härter mögen, scheint eine internationale Umfrage des Casual Dating Portals C-date.at zu zeigen, die folgendes erstaunliche Ergebnis brachte: Zwei Drittel der Männer stehen auf SM, jede zweite Frau sagt Nein dazu. Genauer lieben es 52 Prozent der Österreicher dominant und hart, wohingegen mit nur 21 Prozent die Österreicherinnen weniger mit SM am Hut haben. Während das Ergebnis in Deutschland nicht anders aussieht, sticht die Schweiz mit einem brisanten Resultat
heraus: Ganze 55 Prozent der Schweizerinnen (und 48 Prozent der Schweizer) geben an, Fesseln und Co. im Bett einzusetzen.  

 

Worum genau geht es bei SM-Sex?

„Sadomasochismus“ ist ein Dachbegriff für eine Vielzahl sexueller Neigungen, die sich alle auf erotische Art und Weise mit Macht und Ohnmacht, Schmerz und Hingabe beschäftigen. Dazu gehören z.B. Fessel-, Schlag- und Rollenspiele. Was genau den Sadomasochismus beschreibt, ist nicht klar definiert. „Sadismus“ und „Masochismus“ sind eigentlich Diagnosen aus der Medizin. Sadomasochisten selbst sprechen von „safe, sane, and consensual“ – sicher, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich. Es geht um Dominanz und Unterwerfung, wobei vie-le Sadomasochisten gerne die Rollen wechseln, zwischen Dom und Sub switchen. Freiwilligkeit ist die goldene Regel.

 

Wo ist die Grenze zwischen hartem Sex und SM-Sex?

Die Grenzen sind fließend und werden zum einen von der Gesellschaft und zum anderen von jedem selbst bestimmt. Denn was für den einen noch sicher sein mag, kann für den anderen schon weit jenseits der Grenzen liegen. Ich würde so sagen: Für einen Menschen ist Sexualität dann krankhaft, wenn er darunter leidet. 

 

Was sind typische SM-Tools? 

Die gibt es nicht. Manche Praktizierende erzählen von ersten Versuchen mit einem Bademantelgürtel, mit dem sie dem Partner die Hände zusammengebunden haben. Sich gründlich zu informieren über Tools, ihren Gebrauch und die damit verbundenen notwendigen Sicherheitsvorkehrungen, ist ratsam. Abzuraten ist von allem, das zu ungewollten Verletzungen führen kann, wie etwa Draht oder Kabelbinder bei Fesselspielen. Safe, sane and consensual sind die wichtigsten Tools! 

 

Woher kommt die sadomasochistische Neigung?

Das weiß niemand, genauso wie noch unbekannt ist, warum einige Menschen homosexuell sind oder andere keinen Käse mögen. Die Theorien über „Degenerationen im Gehirn“ konnten genauso wenig belegt werden wie die Hypothese einer Miss-handlung in der Kindheit oder Freuds Theorien von einem „natürlichen Masochismus“ der Frau. Die neuere Forschung von Soziologen zum Thema SM klammert diese Frage aus oder geht von einer gegebenen Grund-neigung aus.

 

Was macht den Reiz an der Beziehung zwischen dem dominanten Christian Grey und der naiven Anastasia Steele aus „Shades of Grey“ für Frauen aus? 

Im Grunde geht es bei „Shades of Grey“ gar nicht um SM. Das ist bloß gehypt, voll bepackt mit Klischees, die mit der Realität wenig zu tun haben. Dahinter steckt eine Liebesgeschichte, in der zwei Menschen sich aufeinander einlassen, sich aufeinander einschwingen, unter anderem auch sexuell. Der Reiz daran für viele Frauen ist, dass Christian Ana zeigt, dass er sie will, begehrt, umwirbt und ihr Zeit lässt, bis sie freiwillig und mit all ihren Sinnen und dem Körper dazu bereit ist. Wobei viele junge Frauen irritiert sind, weil sie die Erfahrung der jungfräulichen Ana, die beim ersten Geschlechtsverkehr den Mega-Orgasmus erlebt, ganz und gar nicht teilen können. Ich hoffe, sie reihen die Geschichte in die modernen Märchen ein und bleiben bei ihren sexuellen Erfahrungen in dem Rahmen, der sich für sie passend anfühlt. Paare haben durch „Shades of Grey“ einen Anlass, um über ihre Sehnsüchte, sexuellen Wünsche und Be-dürfnisse zu reden. Und ehrliche Kommunikation kann in Beziehungen ja nicht nur die Sexualität bereichern. Was mit „Shades of Grey“ auch bewirkt wurde, ist, dass über SM öffentlicher diskutiert wird. Wissen und Aufklärung bieten die Chance, SM aus dem perversen Eck zu holen. Wobei ich nicht glaube, dass die Menschen nun tatsächlich über SM aufgeklärt sind! 

 

Hält die Lust am Schmerz endgültig Einzug in Öster-reichs Schlafzimmer? 

Studie hin oder her, mir ist es wichtig,  dass mit diesem Thema achtsam umgegangen wird. Sadomasochisten sagen auch über sich selbst, dass sie eine sexuelle Minderheit sind. Das kann ich auch aus meinen Beratungen bestätigen. Sich vorstellen zu können, SM-Sex mal auszuprobieren, heißt noch lange nicht, es in der Realität auch machen zu wollen.